13.09.2016 - 08:25

TIERISCHE KOLUMNE Unter überehrgeizigen Hundebesitzern: "Meiner kann das schon!"

Mein Hund, das unbekannte Wesen.

Foto: N. Millies

Mein Hund, das unbekannte Wesen.

Von lauter hochbegabten Hunden und ihren überambitionieten Besitzern umgeben, fragt sich unsere Autorin, ob mit ihrem Welpen etwas nicht stimmt.

Langsam kriege ich es mit der Angst: Ich habe Balou verweichlicht, wenn er zwischen meinen Beinen Schutz sucht. Er tanzt mir auf der Nase rum, weil er nicht sofort kommt, wenn ich ihn rufe. Ein ganz schöner Draufgänger ist er, wenn er sich beim Toben nicht unterkriegen lässt. Und vielleicht wird er mal ein Beißer – das merkt man, weil er nach wie vor gerne an Händen knabbert, wenn man sie ihm ins Maul legt.

Und das allerschlimmste: Er hat was mit der Blase, denn er ist noch nicht stubenrein. Immer noch nicht. Obwohl er "schon" 13 Wochen alt ist. Das ist jetzt nicht meine persönliche Bilanz nach fünf Wochen mit der kleinen Lakritznase, sondern das, was mir an den Kopf geworfen wird. Ja, genau so fühlt sich das an: wie ein Schlag!

Bitte behalten Sie Ihre Ratschläge für sich!

Es kommt mir so vor, als ob unter Hundebesitzern ein Wettkampf ausgebrochen ist. "Meiner hat NIEEEE in die Wohnung gemacht. Und durchgeschlafen vom ersten Tag." Unsere knabbert nichts an, was ihr nicht gehört." "Ach, unser Junge ist so pflegeleicht, hört aufs Wort und kann auch schon 'Sitz', 'Platz', 'Fuß' und "Leg Dich gehackt'."

Bin ich eigentlich die einzige Welpen-Mami, die Augenringe hat, weil ich von jeder Bewegung, die von Balous Schlafplatz kommt wach werde? Die Aktienanteile bei einem Drogeriemarkt kaufen möchte, weil der Bedarf an Küchenrollen und Sakrotan Jugendherbergs-Dimensionen angenommen hat? Die per "Du" mit dem Verkäufer aus dem Baumarkt ist, in dem man Spachtelmasse für angenagte Kommodenfüße und Ersatz-Griffe für Schubladen bekommt? Und die manchmal unsicher ist, was ein Welpe können muss und was nicht?

Doch, was ich für normal halte, scheint für andere Hundebesitzer absolut undenkbar. Und sie werden nicht müde, einen mit "gut gemeinten Ratschlägen" zu versorgen – nach denen ich gar nicht Frage!

>> Hunde vor Gericht: 22 spannende Urteile

"Meiner kann das schon..."

Das alles erinnert mich ein bisschen an die Zeit, als meine Tochter kleiner war. Um uns herum nur hochbegabte Kinder, die ALLES schon früher als meine konnten. Rollen, Sprechen, Laufen, ohne Windel sein. Da gab es musikalische Früherziehung ab dem sechsten Monat, Englischkurse für Säuglinge, Mathe für Krippenkinder. Und viel ungläubiges Kopfschütteln, weil mein Kind "nur" in den Kindergarten gegangen ist.

Irgendwie reichte mir das aus. Und ihr vor allem auch. Ähnlich betrachte ich die Hundeerziehung. Kleine Schritte, die dafür aber mit entspannter Gelassenheit. Ich besuche keine Hundeschule, habe keinen Personal Tiertrainer und auch die Welpengruppe habe ich nach einer Schnupperstunde mit wehenden Fahnen wieder verlassen. Das Präsentationsgehabe der anderen Teilnehmer ging mir gehörig auf den Zeiger.

>> Als Hundehalter in der Main-Metropole

Nur ein Beispiel: Wir sollten einen kleinen Parcours erkunden. Unter anderem war da ein Holzbrett auf vier Federn montiert und ich versuchte Balou mit einem Leckerli darauf zu locken. Mutig wagte er den ersten Schritt, das Brett wackelte, er zog sich überrascht zurück. Während Balou nun "überlegte", wie er doch an das Goody kommen könnte, prahlte eine weibliche Quakstimme hinter mir: "Das hat meinem nichts ausgemacht. Naja, es gibt die Mutigen und die... weniger Mutigen."

Als Balou dann kurze Zeit später, während einer spielerischen Balgerei mit ihrem Hund knurrte, bat sie mich, ihn wegzunehmen, das würde "ihren" a) verängstigen und b) möchte sie nicht, dass er aus negativen Erfahrungen negatives Verhalten erlernt. Zum Glück schaltete sich in diesem Moment die Trainerin ein - ich hätte für nichts garantieren können.

>> München mit Haustieren

Abenteuer Hundeleben

Natürlich sind nicht alle so. Aber die wenigen, die einem begegnen kosten mehr Kraft als dreimal pro Nacht mit Balou vor die Tür! Nein, ich kenne noch nicht die Berufung meines Hundes. Wird er lieber Bälle oder Stöcke apportieren? Wird er es überhaupt tun? Wird er ein Spielhund, oder mag er lieber mit mir durch die Landschaft streifen? Wird er kuschlig, oder braucht er Abstand?

Das alles werden wir in den nächsten Monaten entdecken und uns danach aufeinander einspielen. Ich möchte mit ihm nicht züchten und ihn nicht auf die Jagd mitnehmen. Er soll ein Stadthund werden, den man überall mitnehmen kann. Der entspannt mit Joggern, Radfahrern, kleinen und großen Kindern, Fußgängern und anderen Hunden umgehen soll. Ich finde übrigens, wenn ich das erreicht habe, bin ich schon sehr viel weiter als manch anderer Hundebesitzer.

>> Hamburg mit Haustieren

Außergewöhnlich gewöhnlich

Ich möchte nicht irritiert werden, weil Balou etwas noch nicht kann – oder vielleicht nie lernen wird. Ich erlebe einen Hund, der fast überall, wo er auftaucht für Freude sorgt. Dessen tapsige Bewegungen einem ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Die Neugierde, mit denen er alles anguckt, beschnuppert, beleckt und meist auf Nahrungstauglichkeit testet, erfreut mich. Unerschrocken lernt er die große, spannende Welt kennen.

Da kann man das Pischern schon mal vergessen und holt es dann Zuhause nach. Es macht für ihn keinen Unterschied, ob er seine wachsenden Zähne an der Kaustange oder dem Stuhlbein reibt. Sein Name, der mal strenger, mal liebevoller gerufen wird, ist für ihn zunächst nur irgendein Laut, der ihn manchmal bei einer ganz tollen Unternehmung einfach stört. Und wenn er dann kommt, dann geht mir das Herz auf. Nicht nur, weil das in den Hundebüchern steht.

>> Köln mit Haustieren

Ehrlich, ich freue mich wie Bolle und kann gar nicht glauben, so viel Glück zu haben. Nicht, dass er gehorcht, sondern, dass wir noch so viele Abenteuer vor uns haben. Das macht ihn für mich außergewöhnlich!

Was bisher geschah:

Teil 5: Wenn der Hund beliebter ist als Mama: "Ich bin auch noch da!"

Teil 4: Ich Frauchen, Du Sitz! Hundisch für Anfänger

Teil 3: Bett oder nicht Bett - Das ist hier die Frage!

Teil 2: Auf den Hund gekommen: Herzlich willkommen Balou

Mein Leben als Hund:

Die neuesten Videos von BILD der FRAU

Die neuesten Videos von BILD der FRAU

Beschreibung anzeigen
Eine Marke der FUNKE Mediengruppe