02.09.2016 - 15:38

TIERISCHE KOLUMNE Wenn der Hund beliebter ist als Mama: "Ich bin auch noch da!"

Ob die Leute Balou auch mit sandiger Schnute und nassem Fell lieben werden?

Foto: Privat

Ob die Leute Balou auch mit sandiger Schnute und nassem Fell lieben werden?

Seit es Balou in ihrem Leben gibt, hat unsere Autorin viele neue Bekanntschaften und fühlt sich doch sehr einsam. Warum das so ist, lesen Sie hier.

Ich fühle mich in der letzten Zeit irgendwie nicht mehr richtig wahrgenommen. Zwar verbringt meine zwölfjährige Tochter so viel Zeit Zuhause wie schon lange nicht mehr, dauernd werde ich auf der Straße angesprochen und wildfremde Männer knien vor mir nieder – nur hat das leider alles ÜBERHAUPT nichts mit mir und meiner charmanten, liebenswürdigen und freundlichen Art zu tun. Sie wollen alle nur das eine, den EINEN: Sie wollen Balou!

Auf gute Nachbarschaft

Den Weg zum 100 Meter entfernten Briefkasten kann ich eigentlich nur mit ausreichend Proviant meistern. Es beginnt im Hausflur. Ausgiebig wird sich dort nach den Fortschritten von Balou erkundigt. Überflüssig zu erwähnen, dass mich in den Jahren, die ich hier lebe, noch nie jemand gefragt hat, wie es mir geht, ob ich gut geschlafen habe oder schon stubenrein bin. Draußen treffen wir dann mindestens einen Hund, dessen Besitzer mit guten Ratschlägen nicht hinterm Berg hält, während ich versuche den Kabelsalat der Leinen zu entwirren. "Danke, ja, werde ich berücksichtigen", sage ich und denke mir: "Warum erziehst Du nicht Deinen eigenen Hund?"

Kinder, Kinder!

Sollten wir es am Cafè ausnahmsweise vorbei geschafft haben, ohne ein kleines Leckerli abzustauben – die Hälfte des Wegs ist geschafft - , wird es jetzt ernst: ein Kindergarten "Ach, wie putzig, Emma und Loui wollt ihr nicht mal den kleinen Hund streicheln?" Natürlich wollen sie. Also knie ich mich auf den Boden, um den kleinen Rabauken – ich meine den Hund - etwas zu beschwichtigen. Grundsätzlich freue ich mich ja über jeden, der keine Angst vor Hunden hat. Aber mir fehlt auch manchmal die Zeit und auch die Lust, Zweijährige davon abzuhalten, an den hübsch wackelnden Ohren zu ziehen und Vierjährigen zu erklären, dass man einem Hund erst die Hand zum beschnuppern hinhalten soll, bevor man ihn streichelt. Wenn Balou dann mit seinen spitzen Zähnen ähnlich unsensibel und tolpatschig agiert, ist das Geschrei groß. Meist weniger von den Kindern...

Balou – die neue Touristenattraktion in Kopenhagen

Unseren Sommerurlaub verbrachten wir in Dänemark. Natürlich stand auch ein Ausflug nach Kopenhagen auf dem Programm. Während ich mich von dem imposanten Wachwechsel vor dem königlichen Schloss beeindrucken ließ, wurde Balou zum Objekt der Begierde einer asiatischen Reisegruppe. Bei der Sightseeing-Tour durch die Kanäle der dänischen Hauptstadt hätte ich dem dreisprachigen Guide wirklich gerne meine Aufmerksamkeit geschenkt.

Leider waren die Schwedinnen vor mir der Meinung, die schönste Attraktion befände sich auf meinem Schoß. Als ich die Familie im Tivoli abgesetzt hatte – Hunde dürfen erst ab September rein – wollten Balou und ich eigentlich nur eines: endlich Sitzen. Nur noch eine Straßenüberquerung trennte mich von dem Objekt unserer Begierde. Doch auf der anderen Seite angekommen, warf sich ein Mann direkt vor mir auf die Knie. Während ich noch kurzfristig dachte, dass es für einen Heiratsantrag etwas zu früh sei - auch, wenn ich durchaus für meine Spontanität bekannt bin - hatte er nur Augen für Balou!

Wie soll ich ihm das nur erklären?

Es ist ja nicht nur, dass sich niemand mehr für mich interessiert und ich mantramäßig unzählige Male den Steckbrief meines süßen Begleiters runterbeten muss. Mit einer leichten Sorgenfalte auf der Stirn – die bei den tiefen Augenringen dank der kurzen Nächte nicht weiter ins Gewicht fallen – beobachte ich das, was Balou gerade lernt. "Juhu, jeder freut sich, dass ich auf der Welt bin!"

Vielleicht nicht jeder, aber die meisten Menschen belohnen ihn mit Aufmerksamkeit, Streicheleinheiten und manchmal sogar einem Leckerli. Ich gönne ihm das wirklich von Herzen. Doch, weiß ich aus Erfahrung, dass sich das Blatt wendet, wenn er 40 Zentimeter größer und 20 Kilo schwerer ist. Dann ist er eben nicht mehr so "niiiiiedlich", "amazing" und "sød"! Doch, wie soll ich das meinem Vierbeiner erklären? Ich befürchte, das werden wir beide nicht gut verkraften!

Wie geht es Ihnen, wenn Sie mir Ihrem Hund unterwegs sind? Interessiert sich auch keiner mehr für Sie? Ich freue mich auf Ihre Tipps - schreiben Sie uns in den Kommentaren!

PS: Kürzlich traf ich mich nach langer Zeit mit einer lieben Freundin auf ein Glas Wein an der Alster. Überflüssig zu erwähnen, dass ich den Abend vollkommen unbeachtet verbracht habe. Nächstes Mal nehme ich mir ein Buch mit...

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