30.08.2016 - 09:15

TIERISCHE KOLUMNE Ich Frauchen, Du Sitz! Hundisch für Anfänger

Wenn man den ganzen Tag auf Entdeckungsreise ist, kann es schon mal passieren, dass man beim fressen einfach einschläft.

Foto: Nicola Millies

Wenn man den ganzen Tag auf Entdeckungsreise ist, kann es schon mal passieren, dass man beim fressen einfach einschläft.

Wie rede ich mit meinem Hund, wie bringe ich ihm bei, auf mich zu hören? Mit diesen Fragen beschäftigt sich diese Woche unsere tierische Kolumne.

Kommunikation ist die Grundlage des harmonischen Miteinanders – das ist keine gewagte These einer Frauenzeitschrift, sondern eine Tatsache. Nur, wenn man seinem Gegenüber klar mitteilt, was man von sich von ihm wünscht und erwartet, kann er sich danach richten – so er denn will. Das gilt nicht nur für den Partner, sondern für alle Lebewesen, mit denen man es zu tun hat.

Somit muss auch Balou lernen, was ich von ihm erwarte. Doch während ich mit meiner Familie und meinen Freunden in meiner Muttersprache kommunizieren kann, muss ich mit unserem Welpen eine ganz neue Sprache aufbauen. Wenn er verstehen soll, was ich möchte, nutzen mich mein übersprudelnder Wortschatz und mein Mitteilungsbedürfnis leider überhaupt nichts. Klare Ansagen, kurze Kommandos und viel Geduld müssen her.

Zirkusreif oder straßentauglich

"Learning bei doing" – heißt das einzige Programm, das mit einem Hund zielführend ist. Die erste Einheit für ein gutes Miteinander mit Balou, sind ein paar unabdingliche Grundregeln. Ich lege Wert auf gutes Benehmen – das hört bei einem Hund nicht auf. "Sitz", "Platz", "Bleib", "Komm" und "Aus" sind für mich die ideale Basis für einen Hund in der Großstadt und man kann später beliebig darauf aufbauen. Denn Hunde LIEBEN es, Neues zu lernen. Ob "High Five", "toter Hund" oder "Rolle vorwärts" – das bleibt jedem überlassen.

Doch diese Basis-Einheit erfordert ständige Konzentration. Von Lehrer UND Schüler. Und das ist meist die schwierigste Hürde. Wussten Sie, was man auf der Straße alles Spannendes finden kann? Seit drei Wochen fummel ich Papiertaschentücher, Metallschrauben und Einkaufszettel aus dem Maul meines Hundes. Schimpfen darf ich nicht, wenn er mir voller Stolz präsentiert, was für Beute er gemacht hat, denn Labradore sind Aportierhunde. Es liegt in ihrer Natur, einem Dinge zu bringen, sie dafür zu bestrafen wäre FATAL! Unsere Straße war jedenfalls lange nicht mehr so sauber, wie jetzt!

Kleine Einheiten – große Wirkung

Balou und ich üben in kleinen Einheiten. Auf großen Wiesen lasse ich ihn ohne Leine laufen. Hat er sich etwas von mir entfernt, lenke ich seine Aufmerksamkeit auf mich. Sobald er mich ansieht, gehe ich in die Hocke, rufe seinen Namen und drehe durch vor Begeisterung, wenn er mit tapsigen Schritten und wehenden Ohren auf mich zurennt. Ein Leckerli macht es für den Vielfraß noch lohnenswerter, immer ein Auge auf Frauchen zu haben! An der Straße üben wir "Sitz" – das heißt, Balou übt, ich kann es schon.

Wie in meinem Welpenbuch beschrieben, halte ich ein Leckerli direkt über seine Nase und führe es in Richtung Kopf. Balou reckt die Schnauze hoch und setzt sich – in genau dem Moment rufe ich "Sitz" und belohne ihn mit Leckerli und durchdrehender Begeisterung. Seit dieses Kommando auch ohne Belohnung funktioniert, steigere ich die Herausforderung: sitzen bleiben, bis ich "Hopp" sage. Tja, da kann schon mal die eine oder andere Ampelphase vergehen, bis das im wahrsten Sinne "sitzt". An dieser Stelle möchte ich die Gelegenheit nutzen, mich bei den netten Autofahrern zu bedanken, die so lieb und geduldig warten, bis wir uns irgendwann sortiert haben.

Bloß nicht aus der Ruhe bringen lassen

Tatsache ist: Ich lasse mich nicht aus der Ruhe bringen. Hundeerziehung braucht zwei Dinge: Geduld und Konsequenz. Wenn man es eilig hat, macht es keinen Sinn, dem Hund Dinge abzuverlangen, die er noch nicht kann. Darum überlasse ich die Erziehung auch nicht den Kindern. Erst übt Balou mit mir. Danach leite ich die Familie an, das Gelernte mit umzusetzen. Manchmal ist das übrigens schwieriger, als Balou etwas Neues beizubringen. Doch, es ist wichtig, dass wir alle die selbe "Sprache" mit ihm sprechen, damit er nicht irritiert ist.

Und man merkt bereits, dass Balou immer sicherer wird, was sein Frauchen eigentlich von ihm will – und was nicht. Quietscheenten zerlegen – fein!; Tischbeine anfressen – NEIN! Einen großen See am Baum vor der Tür – super Hund; Der gleiche See bei uns im Wohnzimmer – kein Kommentar. Wirklich wahr! Ich verliere kein Wort darüber. Er macht es nicht mit Absicht und ihn auszuschimpfen würde nur dazu führen, dass er beim nächsten Mal das Gleiche macht, dann aber auch noch mit Angst vor meiner Reaktion.

Er schaltet auf Durchzug – woher kenne ich das nur?

Nach drei Wochen mit Balou stelle ich fest: Klare Ansagen helfen ihm, sich zurecht zu finden. Zu viele Worte sorgen für Verwirrung und eine Überlastung des Systems. Viel Lob und ein begeistertes Frauchen spornen an, es wieder so zu machen. Schimpfen, meckern, motzen, nörgeln – verschwendete Energie, er schaltet auf Durchzug. Bin ich eigentlich die einzige Frau, die an dieser Stelle betonen muss, dass sie (noch) über ihren Hund und nicht über ihren Partner spricht?

Wie klappt mit Ihnen und Ihrem Vierbeiner die Verständigung? Haben Sie ein paar Tipps und Tricks für mich auf Lager? Ich bin gespannt!

Was bisher geschah:

Auf den Hund gekommen: Herzlich willkommen Balou

Bett oder nicht Bett - Das ist hier die Frage!

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