Aktualisiert: 21.08.2016 - 11:00

TIERISCHE KOLUMNE Bett oder nicht Bett - Das ist hier die Frage!

Balou macht seine ersten Schritte in seiner neuen Welt und fühlt sich pudelwohl.

Foto: Nicola Millies

Balou macht seine ersten Schritte in seiner neuen Welt und fühlt sich pudelwohl.

Ein Hund ist der beste Freund des Menschen, doch bis es so weit ist, ist es ein langer Weg. Unsere Autorin berichtet regelmäßig über ihr tierisch aufregendes Leben mit Balou – einem zauberhaften Labrador-Welpen.

Es war ziemlich tränenreich, als wir Balou an einem Sonntag im August zu uns nach Hause holten. Die Züchterin weinte, weil sie sich nicht verabschieden wollte. Ich weinte, weil so viel Glück auf einen Arm passte. Selbst mein Freund hatte Tränen in den Augen. Die einzigen, die recht gelassen wirkten, waren Balous Mutter und er selber. Ein letztes Mal schnüffelte er an Mamas Schnauze und schon leckte er neugierig die salzige Flüssigkeit aus meinem Gesicht.

Die Autofahrt war aufregend – für uns alle. Wir hatten die Züchterin gebeten, Balou nicht zu füttern, damit wir zum einen sicher gehen konnten, dass nichts raus kommt, was nicht raus soll (das beruhigte meinen Freund ungemein) und wir konnten den kleinen Knirps Zuhause für seine tapfer überstandene erste Autofahrt gleich belohnen. Leckerlies hatte ich vorsorglich eingesteckt. Macht einen bei einem Labrador übrigens grundsätzlich nicht unsympathisch – es soll Hunde geben, die da wählerischer sind.

Mein Freund der Baum!

Zuhause angekommen, machte Balou erst einmal Bekanntschaft mit dem Baum, der in Zukunft unser beider bester Freund werden sollte. Leider wusste unser Neuzugang noch nichts von der aussichtsreichen Verbindung, setzte sich nur hin und schaute mich mit seinen großen Kulleraugen an. Dann kam das nächste Abenteuer: Fahrstuhl. Wir wohnen im fünften Stock eines Mietshauses recht zentral in Hamburg. Junge Hunde sollen keine Treppen steigen, ihre Knochen und Gelenke sind noch zu empfindlich. Gerade die größeren Rassen soll man möglichst lange vor Stufen bewahren. Sie neigen zu Hüftproblemen, denen man mit so etwas vorbeugen kann. Normalerweise nehme ich gerne mal die Treppen - mein kleines Workout - doch bei der Aussicht, in den kommenden Wochen 15 bis 20 Mal am Tag diesen Gang zu machen, dankte ich dem Hausbesitzer für dieses technische Wunderwerk.

Und nun war es so weit: wir öffneten die Tür zu Balous neuer Welt. Es schien ihm zu gefallen, denn zur Begrüßung pischerte er erst einmal in den Flur. Na, prima. Auch, wenn jeder Hunderatgeber sagt: Schnappen Sie sich trotzdem Ihren Hund und bringen Sie ihn raus – ich habe es gelassen. Der Kleine hatte wahrlich schon genug Aufregung. Erst mal zusammen die Wohnung erkunden. Wir beschränkten uns auf Flur – der war ja nun bereits eingeweiht – Küche und Wohnzimmer. Immer mit der Nase am Boden tapste der Kleine neugierig durch die Räume. Sein Bett hatten wir ins Wohnzimmer neben meinen Schreibtisch gestellt. Darin hatten wir sein Willkommens-Paket mit einer kuscheligen Decke, Kauschuhe, Leine, Halsband und vielen Leckereien dekoriert. Die Flasche Desinfektionsmittel und die Großladung Küchenrollen, die wir uns als Vorrat für mögliche Pfützen in der Wohnung angelegt hatten, haben wir ihm verheimlicht. Wir wollten ihn nicht demotivieren.

Ein neues Rudel

Die kleine Rundreise war anscheinend sehr anstrengend, denn Balou kam auf uns zu, rollte sich in unserer Mitte zusammen und schlief ein. Während ich sein weiches Fell streichelte und seinen schnellen Atemzügen lauschte, gingen mir tausend Gedanken durch den Kopf. Hatten wir wirklich alles bedacht? Würden wir das schaffen? Vermisst er seine Mama und seine sieben Geschwister?

Nach einer Weile machte der kleine Kerl seine braunen Augen wieder auf. Ab auf den Arm und runter an den Baum. Mission erfüllt! In diesem Rhythmus verbrachten wir die nächsten Stunden. Wach machte sich Balou neugierig auf durch sein neues Zuhause, wurde er müde, rollte er sich irgendwo zusammen, wo er gerade ein paar Hände, Füße oder Beine ausmachte. Für meinen Freund und mich hieß das dann recht bewegungslos auszuharren und das Fellbündel zu bewachen.

Hund und Bett - für mich zwei Dinge, die man trennen sollte

Es wurde langsam Abend und der für mich aufregendste Teil stand bevor: die Nacht. Wir hatten für Balou eine Multifunktionsbox gekauft. Zuhause sollte er darin ab und zu mal ein paar Minuten verbringen, wenn keiner ein Auge auf ihn haben konnte. Im Auto diente sie seiner und unserer Sicherheit. Diese Box stellten wir auch in unser Schlafzimmer. Es stand nie zur Diskussion: Ein Hund gehört für mich nicht ins Bett. Ich will gar nicht darüber nachdenken, wo sie den ganzen Tag ihre Pfoten drin haben. Außerdem wird aus dem niedlichen Hundebaby eines Tages ein ausgewachsenes Mini-Pferd. Ihn dann davon zu überzeugen, die gemütliche Matratze gegen den Fußboden zu tauschen, würde sicher schwerer werden. Also sollte man gleich mit der „harten“ Realität starten.

Doch, egal, wie gemütlich wir die Box ausgestattet hatten, an Schlaf war nicht zu denken. Fiepend und wimmernd wühlte der kleine Kerl herum. Auch meine Hand, die ich durch die obere Öffnung anbot, reichte nicht zur Beruhigung aus. Ganz ehrlich, ich konnte ihn verstehen. Neue Menschen, neues Bett und dann ganz alleine? Ich hätte auch gemeckert. Also habe ich ihm die Decke neben das Bett gelegt und die Box zum Schutz davor, damit er mir nicht abhauen konnte, um seine Geschäfte still und heimlich in der Zimmerecke zu verrichten. Ich kürze diese nicht enden wollende Nacht mal ab: sechs Mal machte ich die Rundreise zum Baum und zurück, immer wieder flüsterte ich ihm beruhigende Worte zu und streichelte seinen kleinen Kopf, unzählige Male hielt ich ihn davon ab, ins Bett zu krabbeln. Es wundert mich nicht, dass ich nur einen Versuch brauchte, um meinen Freund ins Wohnzimmer zu schicken, damit wenigstens einer eine Mütze voll Schlaf abbekäme.

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Wie schnell man um hundert Jahre altern kann, wurde mir beim Blick in den Spiegel am nächsten Morgen klar. Aber wir hatten es geschafft. Und was soll ich sagen: Seitdem hat Balou nie wieder versucht, in unser Bett zu kommen. Ein erster Punkt auf meiner Liste war abgehakt.

Und wie ist es bei Ihnen und Ihrem Vierbeiner? Wie haben Sie die Frage nach dem Schlafplatz gelöst? Darf er mit Ihnen die Daunendecke teilen? Liegt Ihr Hund wie Balou neben dem Bett oder bewacht er sein Rudel vom Flur aus? Ich bin neugierig auf Ihre Geschichte!

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