15.07.2012

"Ich heiße Tamme, nicht Gott!"

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Tamme Hanken ist tot.

Foto: dpa

Tamme Hanken ist tot.

Seine Landsleute, die Ostfriesen, nennen ihn auch den "Knochenbrecher". Was unfair ist: Tamme Hanken (52) hilft Tieren, denen kein Arzt mehr helfen kann. Und hat dabei so viel Erfolg, dass Tierhalter aus der ganzen Welt zu ihm kommen.

Dann wendet sich der Tierheilpraktiker an Kirsten. "Schätzelein", brummt Tamme. "Du bist schief in der Achse. Dein rechtes Bein ist länger, deshalb hängt links alles: dein Kopf, deine Schulter, deine Hü fte. Du musst dich dringend beim Chiropraktiker einrenken lassen." Völlig überrascht nickt die Betriebswirtin, die eigentlich wegen ihres Pferdes gekommen ist. Tamme erklärt weiter: "Und deswegen hängt auch bei deinem Pferd die Kruppe rechts runter. Du musst auf der Seite deinen Steigbügel ein Loch länger lassen."

Mit seiner riesigen Hand fährt er die Wirbelsäule des Holsteiners entlang. Seine Finger spüren ganz genau, an welcher Stelle sich das Pferd wegen der falschen Belastung blockiert hat. Mit einem Flaschenöffner in der rechten Hand streift er über die Hinterhand des Pferdes, das reflexartig mit dem Bein zuckt. "In diesem Moment öffnen sich die Rückenwirbel, und ich kann den Nerv mit der linken Hand wieder zurückdrücken", sagt Tamme Hanken. Was für die Zuschauer wie der immer gleiche Handgriffe aussieht, sind in Wahrheit über 1000 verschiedene Bewegungen.

Hunde wedeln, Frauchen weinen vor Glück

Nach dem Mittagessen sind die Hunde dran. Vom Mops bis zur Dogge ist alles vertreten. Mischling 'Tom' (9) und Frauchen Sabine (38) sind schon zum zweiten Mal fünf Stunden von Brühl nach Filsum gereist. "Die Tierärztin wollte 'Tom' einschläfern, weil er sich nicht mehr bewegen konnte", sagt die Versicherungskauffrau. "Er robbte auf dem Boden, bekam den Kopf kaum hoch."

Tamme, den Sabine im TV entdeckt hatte, war ihre letzte Hoffnung. "Schon nach dem ersten Einrenken hüpfte 'Tom' schwanzwedelnd vom Behandlungstisch, als wäre nie was gewesen! Ich hab geheult vor Freude!"

Aber auch dem Knochenbrecher, der am liebsten alle Tiere retten würde, sind manchmal Grenzen gesetzt. "Können Sie nicht irgendwas tun", fleht ein Frauchen Tamme an, deren Hund von einem Auto überfahren wurde. Der Mischling kann seine Hinterbeine seitdem nicht mehr bewegen. "Es tut mir leid", sagt der Mann mit dem großen Herzen und man sieht, dass es ihm wehtut. "Aber ich heiße Tamme, nicht Gott."

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