06.12.2018

Kleine Katzenkunde Siamkatzen: gelehrige Hausgenossen

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Ihre blauen Augen wickeln so manchen Katzenliebhaber um den Finger. Die Siamkatze hat einen ganz besonderen Charakter – und unterscheidet sich dadurch sehr von anderen Rassen.

Foto: iStock/yunaway

Ihre blauen Augen wickeln so manchen Katzenliebhaber um den Finger. Die Siamkatze hat einen ganz besonderen Charakter – und unterscheidet sich dadurch sehr von anderen Rassen.

Unter Katzenliebhabern heißt es, dass man Siamkatzen entweder liebt oder hasst. Dazwischen gibt es nichts. Eine kleine Geschichte dieser besonderen Rasse sowie viele Tipps für ein Leben mit ihr, lesen Sie hier.

Sie wirkt mit ihrer feinen Gestalt und ihren stechend blauen Augen ungemein geheimnisvoll – und zeigt sich äußerst verspielt und anhänglich. Die Siamkatze ist ein wahres Phänomen. Sie wollen mehr über ihre Geschichte erfahren und wissen, wie mit dem stolzen Tier am besten umzugehen ist? Unsere Expertin, Tierheilpraktikerin Monika Weßeling, erzählt Ihnen von diesen faszinierenden Geschöpfen.

Die Siamkatze – eine sehr alte Katzenart mit viel Geschichte

Die Siamkatze gehört zu den meistverbreiteten und bekanntesten Rassekatzen. Der thailändische Name วิเชียรมาศ (wichian mat) bedeutet "Monddiamant". Ihre Vorfahren stammen aus dem südostasiatischen Siam, dem heutigen Thailand.

Neben der Perserkatze gehört die Siamkatze zu den ältesten Katzenrassen der Welt. Wahrscheinlich stammt sie aus dem 14. Jahrhundert. Bereits damals wurde sie als wertvolles Tier geschätzt. Sie wohnte beim Adel und in Klöstern. Dem Glauben nach soll sie in der Lage gewesen sein, die Seelen verstorbener Menschen in sich aufzunehmen.

Ganz besonderes Merkmal: Fell und Farbe der Katze

1871 kamen die ersten Siamkatzen nach England und etwa ab 1890 wurde mit der Zucht begonnen. Zu den ersten Rassestandards gehörten noch der Knickschwanz und das bekannte Schielen. Der Sage nach kam das Schielen deshalb zustande, weil die Siamkatze den Tempelschatz aus allen Richtungen bewachen und daher mit den Augen überall dabei sein musste. Der Knickschwanz diente dazu, Schmuck, also Ringe u. ä., aufzunehmen.

Heute wird beides als Zuchtfehler angesehen: Eine Siamkatze mit Knickschwanz kann keinen Titel erhalten und wird nicht zur Zucht zugelassen. Gelegentlich kommt Schielen bei den Siamkatzen jedoch auch heute noch vor – ebenso wie bei anderen sogenannten Pointkatzen. Dies hängt damit zusammen, dass die Siamkatze ein Teilalbino ist: Das Fell weist Abzeichen (Points) auf. Points bedeuten, dass die "Maske" (Gesicht), die Ohren, die Beine, die Füße und der Schwanz eine andere, dunklere Farbe haben als der Rest des Körpers. Beispielsweise hat die Lilac-Point-Siamkatze als Körperfarbe ein gebrochenes weiß, die Abzeichen sind hellgrau, die Nasen- und Pfotenfarbe ist blasslila bis blassgrau.

Die Standardfarben teilen sich in viele Farb- und Musterungsvarianten. Es gibt auch Tortie- und Tabby-Musterungen. Die "Torties" sind bekannt als besonders heikle und pingelige Katzen, die recht zickig sein können.

Je jünger die Siamkatze ist, desto heller ist das Fell. Die Abzeichen und Farben bilden sich etwa bis zum 1. Lebensjahr aus, aber auch danach dunkeln die Katzen noch nach, meistens am Rücken.

Pflegeleichtes Leichtgewicht

Die Siamkatze hat einen langen, schlanken, muskulösen und eleganten Körper und leuchtend blaue, sehr intensive Augen. Der Schwanz ist lang und dünn, die Pfoten sind klein und zart. Die Ohren sind groß und haben eine spitze Form. Besonders bei den Kitten wirken die Ohren im Gegensatz zu dem Rest des Körpers riesig. Das Fell ist kurz, seidig und glänzend. Die Siamkatze hat keine Unterwolle, daher braucht sie hier wenig Pflege und muss nur selten gebürstet werden. Es reicht, wenn der Katze mit einer Gummibürste von Zeit zu Zeit die losen Haare aus dem Fell entfernt werden. Wer zwei Siamkatzen hält, hat noch weniger Arbeit, denn die Katzen pflegen ihr Fell gegenseitig.

Unterschieden wird seit den 80er/90er Jahren zwischen "modernem Typ" der Siamkatze und dem "traditionellen Typ", der Thaikatze. Die Thaikatze ist etwas rundlicher als die moderne Variante, und zwar sowohl vom Körperbau als auch vom Kopf her.

Die weiblichen Katzen wiegen etwa zwischen drei und vier Kilogramm, aber es kann auch noch schmalere Vertreterinnen geben. Die Kater bringen zwischen vier und fünf Kilogramm auf die Waage.

Siamkatzen lieben es warm, und sie suchen sich mit Sicherheit ein Plätzchen an der Heizung oder an anderen Orten in der Wohnung, wo es mollig warm ist. Zugluft sollten sie auf keinen Fall ausgesetzt sein.

Vorsicht vor Erbkrankheiten

Vi

ele Siamkatzen kommen mit Erbkrankheiten auf die Welt. Dazu gehört unter anderem auch ein ausgeprägtes Schielen. Aber auch Stoffwechselerkrankungen, Herzschwäche und Blutarmut gehören zu den Krankheiten, die besonders Siamkatzen zu schaffen machen.

Laut Untersuchungen leiden viele Siamkatzen am Pica-Syndrom, einer Verhaltensstörung. Benannt ist diese Krankheit nach der diebischen Elster (Pica pica), die sich alles in ihren Schnabel steckt, um damit ein Nest zu bauen. Die Katzen fressen unverdauliche Stoffe, beispielsweise Teppiche, Plastik, Wolle und Ähnliches. Dieses Zwangsverhalten kann zum Tod führen, wenn die Katze von dem unverdaulichen Stoff so viel aufnimmt, dass es zum Magen- und Darmverschluss führt – sie muss dann sofort in die Tierklinik gebracht werden. Aber auch bestimmte Inhaltsstoffe in Lebensmitteln können Gift für Katzen sein.

Was Sie dagegen bei Durchfallerkrankungen bei Hund und Katze machen sollten, lesen Sie auch bei uns.

Übrigens: Auch Menschen können an dem Pica-Syndrom leiden, sie gieren dann förmlich nach Ungenießbarem, das kann ohne weiteres auch mal Seife oder Zahnpasta sein.

Charakterstark und hochintelligent: Menschenfreund mit eigenem Kopf

Die Siamkatze ist sehr menschenbezogen und hochintelligent, aber auch dickköpfig und häufig eifersüchtig. Sie kann sehr dominant sein. Ihren Spieltrieb hat sie oft bis ins hohe Alter. Sie erzählt mit recht lauter Stimme sehr viel, sie ist äußerst kommunikativ. Manchmal kann sie eine richtige Plaudertasche sein, das begleitet oft auch das Heranschleppen von Spielzeug. Siamkatzen apportieren häufig leidenschaftlich. Ihrem Menschen folgen Sie auf Schritt und Tritt und möchten überall dabei sein. Sie kuscheln sehr gerne und fordern ihre Schmusezeiten ein.

Die Siamkatze braucht viel Beschäftigung. Der Großteil dieser Katzen ist für das "Clickertraining" zu begeistern, kurz gesagt: das Antrainieren von Verhaltensweisen mithilfe von Belohnungen, wie es bei Hunden häufig gemacht wird. Beschäftigungs- und Intelligenzspielzeug begreifen die Tiere äußerst schnell und lieben diese Möglichkeiten.

Daher gelten sie auch gerne als "Hunde unter den Rassekatzen". Viele lassen sich bereitwillig an der Leine ausführen. Sie brauchen viel Bewegung. Daher sollte der künftige Halter sich überlegen, ob die Siamkatze Freigang erhalten kann oder zumindest einen gesicherten Balkon oder Garten. Viele Siamkatzen lieben es, zu klettern und im Freien ihren Beobachtungen nachzugehen. Katzen können nämlich sehr kreativ werden, wenn sie allein zu Hause sind.

Alle Siamkatzen sind intelligent und lernen gerne, aber immer nur so viel, wie sie gerade möchten. Wer versucht, einer Siamkatze etwas mit Gewalt beizubringen, der wird womöglich Bekanntschaft mit ihren Krallen machen.

Siamkatzen sind Teamplayer

Als Einzelkatze sollten Siamesen allerdings nicht gehalten werden, denn sie sind absolut sozial veranlagt. Sie spielen gerne mit ihren Artgenossen und lieben es, sich gegenseitig zu putzen. Oft sind Siamkatzen auf "einem Haufen" zu finden: Sie sind es von klein auf gewohnt, von Artgenossen umgeben zu sein, mit denen sie ihren Spiel- und Jagdtrieb ausleben können. Nur Orientalen, also Rassen aus dem Orient, zeigen dieses Gruppenverhalten – ähnlich einem Löwenrudel.

Das ausgeprägte Sozialverhalten stammt auch von den hohen Wurfzahlen. Siamkatzen gebären durchschnittlich vier bis sechs Kitten, es können auch mal deutlich mehr sein. Die Kitten werden gemeinsam in der Katzenfamilie großgezogen.

"Einmal Siamkatze, immer Siamkatze"

Eine Siamkatze eignet sich aufgrund ihrer lauten Stimme und ihres außergewöhnlichen Charakters nicht für jeden Katzenhalter. Ein Einzug sollte gut überlegt sein. Doch durch ihr ausgeprägtes Sozialverhalten, ihre hohe Intelligenz und Gutmütigkeit sowie ihren Menschenbezug können sie trotz gelegentlichem Dickkopf zum vollwertigen Familienmitglied werden. Im Rahmen der tiergestützten Therapie wird die Siamkatze übrigens sehr gerne eingesetzt, um das Leben von behinderten Kindern zu verbessern, dazu zählen besonders hyperaktive oder autistische Kinder. Durch die Lebhaftigkeit der Katzen werden die Kinder animiert.

Eventuellen negativen Punkten zum Trotz: Siamkatzen können einen Menschen auf eine besondere Art und Weise für sich gewinnen. Vielleicht liegt es an ihrem tiefgründigen Blick aus den strahlend blauen Augen, dass viele Menschen ihrem Charme sofort erliegen. Meistens gilt: Einmal Siamkatze, immer Siamkatze.

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Monika Weßeling ist Tierheilpraktikerin und Katzenexpertin in Langenfeld (Rheinland). Mehr Infos zu ihr und ihrer Arbeit finden Sie auf tierheilpraxis-wesseling.de

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