12.05.2012

Die Wölfe sind wieder in Deutschland zurück! Ihr wohl größter Fan ist Tierpflegerin Nicola Gölzner, die in einem Wolfcenter in Niedersachsen gleich zwei Wolfsrudel betreut.

Die Wölfe sind wieder in Deutschland zurück! Ihr wohl größter Fan ist Tierpflegerin Nicola Gölzner, die in einem Wolfcenter in Niedersachsen gleich zwei Wolfsrudel betreut.

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Manchmal will eben auch ein Wolf auf den Schoß. Nicola kennt das, streichelt fleißig. © Ulrike Schacht

Einige Besucher am Zaun halten den Atem an, Kinder zeigen aufgeregt mit dem Finger: Gerade hat Tierpflegerin Nicola Gölzner, 46, die Tür aufgeschlossen, betritt das Gehege des jungen Wolfsrudels. Fünf Rüden und eine Fähe – jedes Tier in etwa so groß wie ein Schäferhund – laufen jetzt auf die zierliche Frau zu, springen an ihr hoch, legen die großen Pfoten auf ihre Schultern, stupsen mit ihren Schnauzen gegen ihre Nase.


Bei der stürmischen Begrüßung kommt Nicola ins Taumeln. Kurz sieht es so aus, als würde sie fallen! "Das ist auch schon passiert", sagt sie. "Aber die Wölfe waren nur froh, dass sie mir endlich mal ausgiebig übers Gesicht lecken konnten." Die Norddeutsche lebt und arbeitet seit zwei Jahren im Wolfcenter in Dörverden (Niedersachsen), betreut dort zwei Rudel Europäischer Grauwölfe. "Für mich ist das ein Traum", sagt Nicola. "Ich bin von früh bis spät mit meinen Lieblingstieren zusammen. Wenn ich morgens zu Hause Kaffee koche, kann ich sehen, wie sie durchs Gehege streifen."
Keine Liebe auf den ersten Blick

Dabei war es keine Liebe auf den ersten Blick zwischen Nicola und den Raubtieren. "Als ich vor fast dreißig Jahren im Zoo meine Ausbildung gemacht habe, wurden wir noch gewarnt: "Geht nie allein zu den Wölfen, die sind gefährlich!", erzählt Nicola. "Dann bin ich in einen Wildpark gewechselt. Plötzlich sollte ich dem Rudel ganz allein Futter bringen." Ängstlich schleicht Nicola ins Revier. Aber die Tiere machen immer nur einen großen Bogen um die ruhige Frau, genauso wie schon das Rudel aus dem Zoo: "Da ist mir klar geworden, dass der böse Wolf einfach ein Märchen ist", sagt Nicola und streicht 'Sirius' über das dicht graubraune Fell.


Im Frühjahr 2010 sind die Wölfe noch ganz klein, Nicola zieht sie groß. © Ulrike Schacht

"Die Tiere sind einfach scheu und Menschen gegenüber misstrauisch. In Gehegen würden sie in Panik eher am Zaun hochgehen, als anzugreifen." Aus Vorsicht wird Faszination. Nicola verschlingt alle Fachliteratur, die sie über das Raubtier finden kann und gewinnt ganz, ganz langsam das Vertrauen ihrer Schützlinge: "Was so viel heißt, dass die Wölfe nicht sofort in die hinterste Ecke abgehauen sind, wenn ich kam", sagt die Expertin lachend.

Nicolas große Chance

Dann kommt Nicolas große Chance: "Ich sollte im neuen Wolfcenter ein Rudel älterer Tiere betreuen. Und mit einem Team sechs Welpen mit der Hand aufziehen – einmalig!" Kurz darauf sitzt die Tierpflegerin auf dem Waldboden des Wolfcenters. Um sie herum tapsen sechs Mini-Wölfe, zerren an ihrer Anorak-Kordel, springen auf ihren Schoß, knabbern zaghaft an ihrer Hand.


"Die Zeit der Flaschenaufzucht – das waren wirklich ganz besondere Wochen für mich", sagt Nicola. Ihr Blick schweift über ihre inzwischen ausgewachsenen Pflegekinder. "Ich weiß auch nicht, wie sie das gemacht haben, aber irgendwie haben mich die Wölfe verzaubert!"



Faszination Wolf: Das sagt die Psychologin

Psychologin Felicitas Heyne © Ulrike Schacht

Warum sind Frauen von Wölfen so fasziniert?
Felicitas Heyne, Psychologin: Es geht um das Wilde, Ungezähmte, nicht Kontrollierbare. Außerdem stehen Wölfe für Kraft , Geschmeidigkeit, Anmut – Eigenschaften, die wir gern für uns in Anspruch nehmen wollen.

Gibt es noch mehr Gründe?
Ja. Einige Frauen mögen das Geheimnisvolle, Magische, Verwunschene – auch da ist der Wolf das perfekte Symbol.

Dennoch wird er verfolgt …

Aus Unkenntnis, aufgrund von Mythen und Legenden. Auch das ist etwas, dass den Wolf für Frauen so interessant machen: Wir wollen nicht alles dominieren, was uns nicht beherrschbar vorkommt.



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