04.03.2020 - 11:59

Schutz vor Infektionen Desinfektionsmittel selbst gemacht: Geht das? Und wenn ja, wie?

Desinfektionsmittel selbst herstellen: So wird es gemacht

Desinfektionsmittel selbst herstellen: So wird es gemacht

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Desinfektionsmittel sind derzeit Mangelware. Die WHO hat daher unter anderem zwei Rezepte zum Selbstmischen bereitgestellt und auch im Internet häufen sich die Rezepte, darunter auch solche mit natürlichen Zutaten. Doch bringen diese Mittel was? Und wenn ja, worauf sollte man achten?

Alle wollen es haben, überall ist es ausverkauft. Apotheken melden Engpässe, der Discounter Aldi befürchtet zur nächsten Aktion enormen Andrang und in Krankenhäusern wird es leider sogar geklaut. Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat daher Rezepte veröffentlicht, die es ermöglichen, Desinfektionsmittel selbst herzustellen. Wie das geht, ob das tatsächlich so gesund ist und welche Alternativen es gibt, erfahren Sie hier.

Desinfektionsmittel selbst machen: WHO veröffentlicht Rezepte

Die Rezepte der WHO wurden einst etwa für afrikanische Länder erstellt, damit sich Bürger gegen Infektionskrankheiten wie Ebola schützen können. Jetzt teilt die Organisation diese Rezepte auch im Hinblick auf die Coronavirus-Krise.

Folgendes Rezept mit Abwandlung emfpiehlt die WHO, die Zutaten erhalten Sie in der Apotheke:

  • 830 ml Ethanol (96 %) ODER 750 ml Isopropylalkohol (Isopropanol, 99,8 %)
  • 45 ml Wasserstoffperoxid (3 %)
  • 110 ml abgekochtes Wasser
  • 15 ml Glycerin (98 %)

Alles in ein gut verschließbares Gefäß geben und gut schütteln, so dass sich alles vermischt. Nun können Sie das Mittel wie jedes herkömmliche Desinfektionsmittel verwenden: Auf die trockene Hand geben und gründlich verreiben. 30 Sekunden lang müssen Desinfektionsmittel einwirken, so lange sollten die Hände auch benetzt bleiben. Sind sie vorher trocken, nehmen Sie ein bisschen mehr.

Jedoch sollten Sie dieses Mittel nicht oft verwenden: Es enthält keine rückfettenden Substanzen, die in käuflich erwerbbarem Desinfektionsmittel enthalten sind. Lediglich das Glycerin kann ein wenig vorbeugen. Ethanol trocknet die Haut stark aus. Dadurch können sich Risse bilden, durch die Krankheitserreger (und hier gibt es weit mehr als das Coronavirus!) eindringen können! Also: In Maßen verwenden, Hände lieber gut waschen und im Anschluss mit einer sauberen, rückfettenden Handcreme eincremen.

Außerdem weist die WHO darauf hin, dass dieses Mittel nur zur äußerlichen Anwendung gedacht ist und unzugänglich für Kinder aufbewahrt werden muss. Vermeiden Sie außerdem Augenkontakt. Außerdem sind die Zutaten sehr leicht entflammbar und sollten daher von Feuer und Hitze ferngehalten werden.

Sanfteres Rezept für Desinfektionsmittel

Außerdem kursiert via "Smarticular.net" noch ein Rezept, das die Haut ein wenig mehr schützt. Jedoch sollten Sie hier beachten: Dieses Mittel ersetzt kein medizinisches Produkt! Eine Wirkung etwa gegen Coronaviren ist nicht gegeben!

  • 30 ml hochprozentigen Alkohol, etwa Weingeist oder Melissengeist (aus der Apotheke), notfalls Stroh-Rum
  • 30 ml abgekochtes, erkaltetes Wasser
  • 2 Tropfen Teebaumöl
  • 3 Tropfen weiterer ätherischer Öle mit antimikrobiellen Eigenschaften, etwa Lavendel, Thymian, Pfefferminze, Nelken, Zimt , Rosmarin oder Eukalyptus
  • 1 TL Aloe-Vera-Gel gegen Austrocknung
  • optional etwas Vitamin-E-Öl

Auch hier werden die Zutaten in einem sauberen Gefäß gemischt.

Natürliches Desinfektionsmittel mit Rosmarin

Ein mildes Desinfektionsmittel aus natürlichen Zutaten lässt sich ebenfalls leicht selbst herstellen. Dazu müssen Sie nur einige Zweige Rosmarin mit kochendem Wasser übergießen und ziehen lassen. Dann den Rosmarin entfernen und etwas Spülmittel oder Flüssigseife dazugeben.

Allerdings sollten Sie beachten, dass ein solches natürliches Desinfektionsmittel nicht viruzid wirkt. Zwar wirkt Rosmarin antibakteriell, gegen das gerade grassierende Coronavirus Sars-CoV-2 bringt das Mittel jedoch nichts.

Die Direktorin des Instituts für Hygiene am Universitätsklinikum Leipzig, Iris Chaberny weist via t-online.de darauf hin, dass selbst gemischtes Desinfektionsmittel durchaus kritisch und nutzlos sein kann. Zum einen, weil es eben nicht immer gegen alles wirkt und zum anderen auch, weil der Gebrauch vielleicht sogar unvorsichtig macht, weil auf das Händewaschen verzichtet wird. Und auch das Fehlen rückfettender Substanzen sieht sie kritisch, denn wie erwähnt: Die Hände können trocken und rissig und damit noch anfälliger für Erreger werden.

Bester Schutz gegen das Coronavirus ist und bleibt das Händewaschen

Für unterwegs ist ein Desinfektionsmittel natürlich die einfachste Lösung. Doch der beste Schutz gegen das Coronavirus ist und bleibt es, sich regelmäßig gründlich die Hände zu waschen, und zwar mit 20 Sekunden einseifen. Wie das geht, sehen Sie auch im Video:

Richtig Hände waschen

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Außerdem sollten Sie vermeiden, sich unterwegs mit ungewaschenen Fingern ins Gesicht zu fassen. Dies ist einer der größten Übertragungswege von Krankheitserregern. Und bedenken Sie: Es gibt nicht nur das Coronavirus. Auch andere Viren und Bakterien können Krankheiten auslösen. Diese Tipps gelten also nicht nur zur jetzigen Zeit, sondern immer!

Auch Desinfektionsmittel bieten keinen hunderprozentigen Schutz gegen Viren und Bakterien! Beim Kauf von Desinfektionsmitteln sollten Sie zudem darauf achten, dass sie zumindest "begrenzt viruzid" wirken. Weitere Infos: Ist Desinfektionsmittel schädlich? Mehr zum Thema Hautpflege gibt es auf unserer Themenseite.

Quellen:

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