Aktualisiert: 19.07.2021 - 20:48

Jauchen, Tees und Brühen Natürliche Schädlingsbekämpfung mit Wildkräutern

Von Franziska Wohlfarth

Brennnesseljauche ist schon seit jeher ein beliebtes Hausmittel gegen Schädlinge.

Foto: IMAGO/Redeleit

Brennnesseljauche ist schon seit jeher ein beliebtes Hausmittel gegen Schädlinge.

Bei Schädlingen im Garten muss man nicht immer direkt zu chemischen Mittelchen greifen. Mit Brennnesseljauche und Co bekämpfen Sie die Plagegeister auf ganz natürliche Weise.

Mit Wildkräuter-Jauchen, -Tees, -Kaltauszügen und -Brühen können Sie Schädlinge auf natürlichem Wege bekämpfen. Wir zeigen Ihnen, wie Sie die Mixturen ganz einfach zubereiten und richtig anwenden.

Schädlingsbekämpfung mit Wildkräutern: Jauchen, Tees, Brühen, Auszüge

Jauchen, Tees, Brühen und Kaltwasserauszüge unterscheiden sich nicht nur in ihrer Zubereitung, sondern auch in ihrer Wirkungsweise. Im Folgenenden stellen wir Ihnen die unterschiedlichen Präparate vor und verraten Ihnen, gegen welchen Schädling Sie welche Wildkräuter einsetzen sollten.

1. Pflanzenjauchen aus Wildkräutern

Jauchen sind nicht nur ein bewährtes Mittel gegen Schädlinge, sondern sie wirken dazu auch noch wie ein milder Pflanzendünger. Durch ihren Stickstoffgehalt verbessern sie die Bodenqualität und regen das Pflanzenwachstum an.

Bei der Herstellung von Pflanzenjauche handelt es sich um einen Gärungsprozess. Mischen Sie 10 Liter (Regen-)Wasser mit etwa einem Kilogramm frischem, grob zerkleinertem Wildkraut in einem Holz-, Stein- oder Kunststoffgefäß. Metall ist als Behältnis nicht sonderlich gut geeignet.

Stellen Sie das ganze dann an einen warmen, sonnigen Platz und üben Sie sich in Geduld: Nach einiger Zeit beginnt der Gärungsprozess – das können Sie an dem Schaum erkennen, welcher sich auf der Wasseroberfläche bildet. Rühren Sie die Flüssigkeit etwa zweimal täglich kräftig um, damit genügend Sauerstoff hineinkommt. Sobald sich der Schaum aufgelöst und die Jauche eine dunkle Farbe angenommen hat, ist das Gemisch einsatzbereit. Die Gärzeit variiert zwischen den einzelnen Wildkräuter-Arten: Brennnesseljauche sollten Sie ruhig zwei Wochen lang stehen lassen, wohingegen Tomatenjauche bereits nach zwei Tagen fertig ist. Zur Orientierung: Die meisten Jauchen können Sie nach etwa drei Tagen verwenden.

Vorsicht: Die Herstellung von Jauche ist nichts für empfindliche Nässchen. Beim Gärungsprozess entstehen unangenehme Gerüche, weshalb das Gefäß mit ausreichend Abstand zu Terrasse und Balkon aufgestellt werden sollte. Gesteinsmehl oder Kompost können den Gestank zusätzlich unterbinden.

  • Brennnesseljauche: Spinnmilben oder Blattläuse
  • Eichenblätter- und -rindenjauche: Ameisen und andere saugende Schädlinge
  • Holunderjauche: Wühlmäuse
  • Knoblauchjauche: Möhrenfliege, Erdbeer- und Spinnmilben
  • Kohljauche: Erdflöhe
  • Rainfarnjauche: Erdflöhe, Ameisen, Blatt-, Wurzelläuse und Erdraupen, Mehltau, Rostpilz
  • Rhabarberjauche: Blattläusen, Larven, Raupen und Schnecken
  • Tomatenjauche: Kohlweißling
  • Wermutjauche: Ameisen, Raupen und Blattläuse
  • Zwiebeljauche: Möhrenfliege

Die meisten Jauchen müssen vor der Anwendung mit Wasser verdüngt werden. Prinzipiell kann man mit einem Verhältnis von 1:5 oder 1:10 nichts falsch machen. Holunder-, Knoblauch-, Kohl-, Rainfarn-, und Wermut-Jauche können sogar unverdünnt um die Pflanze herum gegossen werden. Alternativ können Sie die Flüssigkeit auch in eine Sprühflasche füllen und die Blätter der betroffenen Pflanze regelmäßig benetzen.

Vor allem Brennnesseljauche wird häufig als Flüssigdünger und Mittel zur Schädlingsbekämpfung eingesetzt. Doch die behaarte Grünpflanze kann noch mehr: Das sind die unterschätzten Heilwirkungen der Brennnessel.

2. Kräuterbrühen

Die Zubereitung von Kräuterbrühen ist weniger zeitaufwendig als die von Jauchen. Zur Herstellung werden 500 g frischer Pflanzenschnitt in etwa 5 Liter Wasser eingeweicht. Nach 24 Stunden wird das Gemisch bei schwacher Hitze für 15-20 Minuten zum Köcheln gebracht.

Filtern Sie die Brühe dann durch ein feines Sieb und lassen Sie sie komplett abkühlen. Brühe aus Ackerschachtelhalm kann im Verhältnis 1:5 verdünnt und als Gießwasser verwendet werden. Rhabarberbrühe wird unverdünnt auf die Blätter der betroffenen Pflanze gesprüht.

  • Ackerschachtelhalmbrühe: Blatt-, Schildläuse, Zikaden, Milben und Pilzkrankheiten, wie Mehltau
  • Rhabarberbrühe: Schwarze Bohnenlaus, Lauchmotte

Die schwarze Bohnenlaus kann große Schäden im Garten anrichten. Erfahren Sie hier, wie Sie die lästigen Insekten schnell wieder loswerden.

Brühe aus Ackerschachtelhalm kann im Verhältnis 1:5 verdünnt und als Gießwasser verwendet werden. Rhabarberbrühe wird unverdünnt auf die Blätter der betroffenen Pflanze gesprüht.

Wofür kann man Rhabarberblätter noch verwenden? Das saure Gemüse ist ein echter Alleskönner.

3. Tees aus Wildkräutern

Am einfachsten ist die Zubereitung und Anwendung von Tees: Hierbei werden 300 g frische Pflanzenteile mit etwa einem Liter kochendem Wasser übergossen. Lassen Sie das Gemisch etwa eine Stunde lang ziehen und vollständig abkühlen. Die Tees können unverdünnt auf die Pflanze gesprüht oder als Gießwasser verwendet werden.

  • Knoblauchtee: Weiße Fliegen
  • Rainfarntee: Blatt-, Wurzelläuse, Lauchmotten und Zwiebelfliegen
  • Basilikumtee: Blattläuse, Spinnmilben und Weiße Fliegen

4. Kaltwasserauszüge

Bei Kaltwasserauszügen werden die Pflanzenteile für etwa 12 bis 24 Stunden in kaltes Wasser gelegt. Wichtig ist hierbei, dass das Ziehgefäß luftdicht verschlossen ist und kein Sauerstoff an das Gemisch gelangt. Die Flüssigkeit wird dann abgesiebt, ausgepresst und unverdünnt auf die Pflanzen gegeben.

  • Brennnessel-Kaltwasserauszug: Blattläuse, Lauchmotten
  • Tomaten-Kaltwasserauszug: Kohlweißling

Für die Herstellung von Brennnessel-Kaltwasserauszug mischen Sie ein Kilogramm Pflanzenschnitt mit etwa 10 Litern Wasser. Für einen Tomaten-Kaltwasserauszug benötigen Sie lediglich zwei Handvoll Geiztriebe und zwei Liter Wasser.

Quellen: mein-schoener-garten.de, myhomebook.de, waschbaer.de

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