Aktualisiert: 10.07.2021 - 16:33

Es drohen Gefängnisstrafen Finger weg! Wenn Sie diese Pflanzen im Garten haben, machen Sie sich strafbar

Von Franziska Wohlfarth

Der Sommerflieder gehört zu den invasiven Pflanzenarten. Gibt es ein Gesetz, welches seinen Anbau kontrolliert?

Foto: Getty Images/Jacky Parker Photography

Der Sommerflieder gehört zu den invasiven Pflanzenarten. Gibt es ein Gesetz, welches seinen Anbau kontrolliert?

Da sich Sommerflieder schnell verbreitet und als invasiv gilt, ist sein Anbau in der Schweiz strafbar. Gibt es ähnliche Gesetze auch in Deutschland?

Dass man Cannabis nicht im eigenen Garten anbauen darf, sollten die meisten Leute wissen. Doch gibt es noch andere Pflanzen, die unter das Betäubungsmittelgesetz fallen? Und was sagt das Gesetz zum Anbau von invasiven Gewächsen? Diese Pflanzen sind in Deutschland verboten.

Verbotene Gartenpflanzen: Finger weg von diesen Gewächsen!

Wenn man an verbotene Gartenpflanzen denkt, fallen einem zunächst jene ein, welche zur Herstellung von psychoaktive Substanzen verwendet werden. Das deutsche Betäubungsmittelgesetz verbietet den Anbau folgender Gewächse:

1. Cannabis

Obwohl Cannabis inzwischen zu medizinischen Zwecken konsumiert werden darf und CBD-Öl in aller Munde ist, bleibt der Eigenanbau in Deutschland verboten. Landwirtschaftliche Unternehmen, die Nutzhanf anbauen möchten, müssen sich zunächst eine Genehmigung einholen und sich an etliche Pflichten und Bestimmungen halten. Ein Verstoß kann hohe Geld- und Freiheitsstrafen nach sich ziehen. Je nach Ausmaß der Cannabis-Plantage, können einen bis zu fünf Jahre im Gefängnis erwarten.

2. Hexensalbei

Salvia Divinorum, auch Hexen-, Zauber oder Azteken-Salbei genannt, ist nach dem deutschen Betäubungsmittelgesetz verboten. Die Blätter der Staude wurden während traditioneller Wahrsage- bzw. Heilungszeremonien zusammengerollt und im Mund zerkaut. Der Pflanzensaft enthält halluzinogene Wirkstoffe, welche die Wahrnehmung heller Lichter, Farben und tanzender Formen auslöst.

3. Cocastrauch

Die Blätter des Cocastrauches enthalten Cocain und weitere Alkaloide, welche in Südamerika schon seit Jahrtausenden für rituelle und medizinische Zwecke eingesetzt werden. In Deutschland ist der Anbau des Strauches jedoch ganz klar verboten.

4. Schlafmohn

Die vielfältigen Blüten des Schlafmohns sind wunderschön anzusehen – doch leider müssen Hobbygärtner:innen auf den Anblick der hübschen Blume im heimischen Garten verzichten. Denn im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern, verbietet das deutsche Gesetz ihren Anbau. Das unschuldig wirkende Gewächs enthält nämlich einen Milchsaft, aus welchem verschiedene Opiate hergestellt werden.

Pflanzensamen können zwar problemlos aus dem Ausland eingekauft werden, doch aussäen darf man sie nicht ohne eine Erlaubnis. Für etwa 95 Euro können Hobbygärtner:innen solche eine Genehmigung erteilen lassen, doch selbst dann dürfen nur ganz bestimmte, morphinarme Sorten angebaut werden – und das ganze auf einer Fläche von maximal zehn Quadratmetern.

Vorsicht bei Urlaubsmitbringseln

Im Urlaubsland gibt es allerlei faszinierende Pflanzen, von denen man in Deutschland noch nie zuvor gehört hat. Da ist die Versuchung groß sich ein Gewächs als Urlaubsmitbringsel mitzunehmen und an Freund:innen zu verschenken.

Doch von Gewächsen aus dem Ausland sollten Sie besser die Finger lassen: Denn wer ganze Pflanzen, Stecklinge oder Samen aus einem Land außerhalb der EU mit nach Hause bringt, macht sich strafbar! Durch diese strengen Vorschriften wird verhindert, dass sich Pflanzenkrankheiten weltweit übertragen können.

Die Thüringer Landesanstalt für Landwirtschaft warnt beispielsweise davor Pflanzen von den Balearen mitzubringen. Auf der spanischen Inselgruppe verbreitet sich ein Bakterium, welches für unsere Natur tödlich werden kann. Wenn Sie die Krankheit nach Deutschland bringen, sollten Sie mit sehr hohe Schadenersatzforderungen rechnen.

Neophyten: So gefährlich sind invasiven Pflanzen

Leider können sich manche Urlauber:innen nicht zurückhalten – und so gelangen Pflanzen nach Deutschland, die eine Gefahr für unsere heimische Flora und Fauna darstellen. Wenn die Klimabedingungen stimmen, können sie sich unkontrolliert ausbreiten und andere Gewächse verdrängen.

Im Laufe der Zeit ist es rund 400 dieser sogenannten Neophyten gelungen, sich dauerhaft in unserer Natur zu etablieren. Sie machen etwa 11 Prozent der heimischen Flora aus. Zu ihnen gehören beispielsweise der Kirschlorbeer, der Schmetterlingsstrauch und der Essigbaum. Auch Ambrosia gehört zu den invasiven Gewächsen. Von diesen Neophyten sollten Sie außerdem die Finger lassen:

  • Riesenbärenklau
  • Drüsiges Springkraut
  • Japanischer Staudenkröterich
  • Kanadische Goldrute
  • Lupine
  • Heraklesstaude
  • Robinie
  • Späte Traubenkirsche

Auf der sogenannten Unionliste sind invasive Pflanzen festgelegt, welche die EU für ganz besonders gefährlich hält. Import-, Export, Anbau und Verkauf der gebietsfremden Gewächse sind strengstens untersagt.

Quellen: myhomebook.de, mein-schoener-garten.de, gartenora.de, genialetricks.de, strafrecht-eggenfelden.de, deutsche-apotheker-zeitung.de

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Augen auf bei der Pflanzenwahl: Von diesen Gartenpflanzen sollten Sie besser die Finger lassen!

Nicht nur Pflanzen können invasiv sein – auch gebietsfremde Tiere machen sich in unseren Graden zunehmend breit. Dazu gehört auch die Asiatische Riesenhornisse. Sie reißt Bienen den Kopf ab!

Schwarze Eichhörnchen werden oft fälschlicherweise für invasive Grauhörnchen gehalten. Daran erkennen Sie den Unterschied.

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