Aktualisiert: 09.05.2021 - 15:20

Richtig trennen Bioplastik entsorgen: Ab in die Biotonne damit?

Wirklich biologisch gut abbaubar? Bioplastik hat seine Vorteile – aber auch Nachteile. Einer davon ist die richtige Entsorgung, etwa von Bioplastik-Mülltüten.

Foto: Getty Images/alexx60; Canva.com [M]

Wirklich biologisch gut abbaubar? Bioplastik hat seine Vorteile – aber auch Nachteile. Einer davon ist die richtige Entsorgung, etwa von Bioplastik-Mülltüten.

Es soll eigentlich eine so umweltfreundliche Alternative sein und unsere Abfallproduktion revolutionieren. Aber wie ist das mit Bioplastik? Darf der Kunststoff aus nachwachsenden Rohstoffen einfach so in der Biotonne oder auf dem Kompost entsorgt werden? So einfach ist das nämlich gar nicht.

Es könnte so schön sein: Ab in die Mülltüte aus abbaubarem Kunststoff mit dem Biomüll und dann einfach wie gewohnt entsorgen – die Tüte baut sich schließlich mit ab. Oder? Leider halten diese angeblich so leicht abbaubaren Müllhilfsmittel nicht ganz das, was ihre Hersteller versprechen. Durchaus sind sie besser als ihre Pendants aus klassischem Plastik aus Rohöl. Bei der Müllverarbeitung gibt's trotzdem Probleme. Aber wie entsorgt man denn nun Bioplastik?

Bioplastik: Dürfen Bio-Müllbeutel in die Biotonne?

Haben Sie schon einmal eine Mülltüte aus Bioplastik genutzt? Sie soll das Entsorgen biologischer Reste vereinfachen. Wer zu lange mit der Entsorgung aus der Wohnung wartet, hat vielleicht schon einmal festgestellt, dass sich entsprechende Tüten tatsächlich auflösen. Fazit ist dann eine unangenehme Suppe zwischen Müll und Tonne oder gar dem Fußboden.

Klingt aber aus Umweltsicht eigentlich ganz gut, oder? Nun ja, auch wenn sich Tüten aus Bioplastik durchaus auflösen, so ist das leider doch ein längerer Prozess als es sich anfangs vermuten lässt. Und Bioplastik, der übrigens aus Pflanzen, etwa Kartoffeln, Zuckerrohr oder Mais hergestellt wird, kommt mittlerweile nicht nur in Tütenform daher, sondern auch als Frischhaltefolie oder mittlerweile sogar als Deckel für Gerichte vom Lieferservice.

Zwar lösen sich Tüten und Co aus biologischen Kunststoffen gerade an den Stellen schneller auf, an denen sie mit anderen biologischen Abfällen oder mit Flüssigkeiten in Kontakt kommen. Doch das Auflösen zieht sich nicht über das gesamte Material. Bis die gesamte Tüte abgebaut ist, kann es mitunter Monate dauern. Was bleibt, ist Mikroplastik.

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Gar nicht mal so bio: Zerfall dauert zu lange

Problematisch ist das sowohl für Entsorgungsbetriebe, aber auch für Zuhause, falls Sie einen eigenen Kompost haben. Bioplastik-Tüten benötigen mitunter rund zwölf Wochen, bis sich zumindest 90 Prozent des Produktes zersetzt haben. Gänzlich in Wohlgefallen aufgelöst ist alles erst nach rund sechs Monaten – wenn das Milieu stimmt. In dieser Zeit aber landet der Biomüll im besten Fall bereits in der Biotonne und damit kurz später in der Entsorgungsanlage – oder eben auf dem Kompost.

Und so schön die Idee ist: Bioplastik verrottet für Bioentsorgungsanlagen und Komposthaufen einfach zu langsam. Im Kompost zu Hause ist's für Bioplastik zu feucht und zu kühl, so dass die Stoffe gar nicht erst gänzlich zerfallen können.

In der Entsorgungsanlage wird Biomüll meist zu Biogas und Kompost umgewandelt. Das braucht in der Regel um die zwölf Wochen. In den ersten sechs Wochen entsteht Biogas, danach der Kompost. Die Bioplastik-Stückchen aber bleiben zu lange und stören diese Prozesse. Zu Biogas zersetzen sie sich nicht, stattdessen bleiben sie im Kompost als feine Mikroplastik-Stückchen viel zu lange bestehen. Und zu Humus werden sie auch nicht: Bioplastik zersetzt sich vor allem zu Kohlenstoffdioxid und Wasser.

So entsorgen Sie Bioplastik richtig

Das Umweltbundesamt rät: Biologisch abbaubares Bioplastik bitte nicht in der Biotonne entsorgen. Das beugt übrigens auch Missverständnissen beim Leeren der Mülltonnen vor: Denn wenn Mitarbeiter der Entsorgungswerke den Biomüll leeren, aber vermeintliches Plastik darin entdecken, kann es durchaus sein, dass die Tonne einfach stehen bleibt – und zwar voll.

Wo kommt das Bioplastik dann hin? Die gelbe Tonne ist leider auch nicht unbedingt die richtige Wahl. Denn nicht alles Bioplastik kann recycelt werden – nur, wenn es in seiner chemischen Struktur herkömmlichen Kunststoffen ähnelt. Utopia.de erklärt etwa, dass PET-Flaschen mit biobasiertem Anteil oder biobasierte Varianten von PE und PP im Verpackungsmüll entsorgt werden dürfen. Wenn nichts entsprechendes vermerkt ist, gehören Bioplastik-Abfälle leider in den Restmüll, in dem sie dann verbrannt werden. Immerhin: Beim Verbrennen ist Bioplastik aufgrund seiner Zusammensetzung umweltfreundlicher als herkömmliches Plastik: Es wird nur so viel CO2 freigesetzt, wie im pflanzlichen Ausgangsmaterial enthalten war. Der Rest ist Wasser.

Trotzdem steht Bioplastik auch aufgrund des Herstellungsprozesses und der eingesetzten Rohstoffe – oft Nahrungsmittel – in der Kritik. Aber das ist eine andere Geschichte. Klar ist: Bioplastik ist zwar besser als neues, nicht recyceltes Plastik, aber eben leider auch nicht die nachhaltigste Lösung.

Müll richtig trennen: Geheimnis gelber Sack

Aber was ist nun die wirklich biologische Alternative für den Biomüll zu Hause? Hauptsache: Plastik vermeiden! Erlaubt sind alte Tageszeitungen, Küchenkrepp und unbeschichtete (!) Papiertüten, oder eben die klassische wiederbenutzbare Schale, die Sie einfach zum Biomüll tragen und dort ausleeren. Heißt im Umkehrschluss allerdings: Der Biomüll möchte bitte regelmäßig aus der Küche entfernt werden – sonst gibt's eine noch schlimmere Überraschung als die eines zu lange gelagerten Bioplastik-Müllbeutels.

Übrigens: Bioplastik gibt's auch in langlebigerer Form für Dinge, die nicht so schnell weggeworfen werden sollen: Lego will seine beliebten Spiel-Steine zukünftig aus nachhaltigeren Materialien herstellen.

Wie ist das eigentlich mit der Mülltrennung in Deutschland: Ist sie freiwillig oder Pflicht?

Sie wollen wirklich nachhaltig leben? Schauen Sie mal, auf unserer Themenseite gibt's wertvolle Tipps.

Quellen: Umweltbundesamt, utopia.de, BUND, dpa

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