Aktualisiert: 31.03.2021 - 22:18

Gärten des Grauens Bienensterben: So schaden Schottergärten der Natur

Von Jana Henschel

Definitiv KEIN Garten des Grauens: Bienenfreundliche Gärten wie dieser von Birgit Helbig sehen nicht nur toll aus, sie sind auch ein Paradies für Artenvielfalt!

Foto: Birgit Helbig

Definitiv KEIN Garten des Grauens: Bienenfreundliche Gärten wie dieser von Birgit Helbig sehen nicht nur toll aus, sie sind auch ein Paradies für Artenvielfalt!

Tausende Vorgärten in Deutschland werden mit Rollsplitt, Steinen und Kies zugepflastert, meist, um sich so die Gartenarbeit zu erleichtern – und das auf Kosten von Natur und Mensch. Insbesondere Bienen leiden unter der unbegrünten Fläche. So können Sie Ihren Garten bienenfreundlich und schöner gestalten.

Man findet sie überall in Deutschland: mausgraue Gärten, in denen der Boden mit Beton, Steinplatten oder Schotter versiegelt wurde. In denen keine Blume mehr blüht, es kein Grashalm mehr aus der Erde schafft. Über 2200 Fotos solcher Vorgärten hat der Biologe Ulf Soltau auf Facebook und Instagram schon gesammelt, 150000 Menschen folgen ihm. Er will aufklären: "Solche Gärten sind ein Verbrechen an der Natur." Denn Betongärten schaden Natur und langfristig auch Mensch.

Das große Bienensterben und was wir dagegen tun können
Das große Bienensterben und was wir dagegen tun können

Betongärten: So schädlich ist Flächenversiegelung für die Natur

"Unter dem Rollsplitt liegen meist Folien, die jedes Bodenleben abtöten, durch die Steinplatten kommt kein Regenwurm mehr an die Oberfläche. Der Boden kann kein Wasser mehr speichern." Soltau fordert rigoros: "Diese Gärten müssen deutschlandweit verboten werden." Und sein Aufrütteln wirkt: Erste Gemeinden haben Schotter- und Steingärten bereits per Bauordnung verboten.

Klar: Oft haben die Besitzer sich nichts Böses gedacht, nur eine praktische Lösung gesucht. Weil sie kaum Zeit für die Gartenpflege haben oder nicht mehr jung und fit genug sind, all das Unkraut wegzuzupfen. Doch Natur und Mensch brauchen keine "ordentliche Lösung" – sondern das genaue Gegenteil.

Bienensterben verhindern: 560 Arten sind bedroht

Vor allem die Bienen brauchen dringend mehr Nahrung. Corinna Hölzer (54) aus Berlin gründete deshalb schon 2010 mit ihrem Mann Cornelis Hemmer "Deutschland summt!". "Wir dürfen nicht weiter zusehen, wie die Bienen sterben, die Hälfte der über 560 Wildbienenarten sind schon bedroht!" Die Insekten bestäuben unser Obst und Gemüse. Und viele Wildpflanzen, von deren Samen und Früchten viele Vögel, Igel und Amphibien leben. Deshalb engagiert sich Corinna Hölzer für naturnahe Gärten. Sie sagt: "Zusammen können wir die Bienen retten." Sie organisiert Pflanzwettbewerbe, verwandelt Rasenflächen in Wildgärten, gibt Seminare. Für ihr Engagement erhielt sie 2019 auch die GOLDENE BILD der FRAU.

Naturgarten: Familie Scheder macht es vor

Familie Scheder aus Lülsfeld (Bayern) hat schon angefangen, ihren Garten mit Staudenbeeten und Blumenwiesen in ein Paradies für Bienen zu verwandeln. Papa Klaus (34): "Ich pflanze Sorten für jede Jahreszeit, damit Bienen von den Schneeglöckchen bis zur Fetthenne immer was finden." Zierlauch, Salbei, Katzenminze, Akelei und Storchschnabel wachsen hier. "Im Sommer sitzen wir mit den Kindern draußen, schauen den Bienen zu. So eine Freude!"

Mit ihrem Garten gewannen die Scheders 2020 sogar den zweiten Platz beim bundesweiten Pflanzwettbewerb "Wir tun was für Bienen" in der Kategorie Privatgärten. Der geht übrigens am 1. April wieder los, Interessierte können bis 31. Juli Fotos ihrer Gärten im Netz hochladen.

Ehrgeiz geweckt? Die Teilnahmebedingungen finden Sie unter www.wir-tun-was-fuer-bienen.de.

Aber ein Naturgarten macht viel Arbeit, oder?

Klaus Scheder sagt: "Im Gegenteil! Man muss nur schlau planen." Seine Tipps:

  1. Am wichtigsten ist es, alle Pflanzen passend zum Standort auszuwählen. Wir haben mehrjährige Stauden, die Sonne mögen und Trockenheit aushalten. Das spart das Schleppen schwerer Gießkannen.
  2. Die Beete sind eng bepflanzt, so kommt gar nicht erst unerwünschter Aufwuchs durch.
  3. Es gibt heimische Sträucher, die man nicht beschneiden muss.
  4. Hochbeete schonen den Rücken.

Corinnas Tipps: SO locken Sie Bienen an

  • Vor dem Anlegen eines Beetes die oberste Bodenschicht wegnehmen. Magere Böden sind äußerst blühfreudig. Einen Zentimeter Kompost als Starthilfe drauf.
  • Viele Arten pflanzen. Ein Drittel der 560 Wildbienenarten sind Nahrungsspezialisten.
  • Baumarkt-Mischungen enthalten oft Hybriden, die sich nicht selbst vermehren. Säen Sie lieber regionales Saatgut oder kaufen Sie mehrjährige heimische Stauden.
  • Arten für Sonne: Glockenblume, Margerite, Moschus-Malve, Natternkopf, Wiesensalbei, Zitronenthymian, Schafgarbe, Fenchel, Wollziest, Färberkamille, Ysop, Salbei. Arten für Schatten: Waldmeister, Waldziest, Walderdbeere, Buschwindröschen.
  • Lassen Sie Pflanzen ruhig im Garten "wandern" und da bleiben, wo sie sich (z. B. wegen der Erde) wohlfühlen.
  • Nicht ständig gießen, Wurzeln sollen Wasser tief im Boden suchen. Staudenkeimlinge die ersten sechs Wochen wässern.
  • Düngen tut nicht not. Nur gelbe Blätter weisen auf Nährstoffmangel hin, da helfen Hornspäne oder Pferdemist.
  • Kein Rollrasen. Im dichten Wurzelwerk kommt kein Klee durch, den Hummeln lieben. Lieber Kräuterrasen anlegen, der verträgt vier- bis achtmaligen Schnitt im Jahr. Sandige Lücken sind gut: Drei Viertel der Wildbienen nisten im Boden.

Was würde eigentlich passieren, wenn die kleinen freundlichen Insekten nicht mehr da wären? Unsere Bienen leiden: Warum wir das Bienensterben schleunigst aufhalten müssen!. Mit den Tipps von Corinna Hölzer, den Scheders und Co kann jeder seinen Teil dazu beitragen, unsere Natur und damit auch unser aller Leben zu erhalten. Mehr Tipps gefällig? Wie Sie eine Wildblumenwiese anlegen und pflegen und Lebensraum schaffen erfahren Sie bei uns nebst vielen anderen tollen Tipps rund um Garten und Balkon!

Und übrigens: Darum sollten Sie nur ausgespülte Honiggläser wegwerfen!

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