Aktualisiert: 02.04.2021 - 21:26

Nicht so grün wie sie aussehen Nachhaltige Zimmerpflanzen: Wie umweltfreundlich ist der heimische Dschungel?

Von Franziska Wohlfarth

Zimmerpflanzen sind beliebter denn je! Doch auf die Nachhaltigkeit der grünen Mitbewohner achtet kaum jemand.

Foto: Getty Images/Dmitry Marchenko / EyeEm

Zimmerpflanzen sind beliebter denn je! Doch auf die Nachhaltigkeit der grünen Mitbewohner achtet kaum jemand.

Vor allem während des Corona-Lockdowns erfreuen sich Grünpflanzen immer größerer Beliebtheit. Die Nachfrage ist groß, doch die Produktion der Massenware findet nur selten unter umweltfreundlichen Bedingungen statt.

In der Ecke steht ein Gummibaum, das Badezimmer ziert ein Topf mit Orchideen und auf der Fensterbank reihen sich Bananenpflanzen neben Kokospalmen: Zimmerpflanzen sind voll im Trend! Dabei ist der "Urban Jungle" gar nicht so sehr im Einklang mit der Natur, wie man zunächst vermuten könnte. Doch gibt es eine nachhaltige Alternative zu der importierten Massenware?

Nachhaltige Zimmerpflanzen: Die Schattenseiten des begrünten Wohnzimmers

Zimmerpflanzen lassen jedes Zuhause direkt freundlicher und gemütlicher wirken. Sich jeden Tag um seine grünen Schützlinge zu kümmern und ihnen beim Wachsen zuzusehen, macht einfach unheimlich Spaß. Jedes neue Blatt ist ein kleiner Erfolg! Deswegen verwundert es auch kaum, dass die Menschen in Deutschland etwa 8,9 Mio. Euro jährlich für Blumen und Pflanzen ausgeben.

Die Nachfrage nach Grünpflanzen ist also enorm. Und wie immer, wenn etwas als Massenware produziert wird, geschieht das auf Kosten der Umwelt und Arbeitskräfte. Deborah Choi ist Mitbegründerin des nachhaltigen Pflanzenlieferanten "Bosque". Als Expertin erklärt sie uns, wie exotische Pflanzen aus aller Welt zu uns nach Europa kommen: "Die Samen werden aus verschiedenen Regionen wie Asien, Südamerika und Afrika nach Europa verschippt. Hier landen sie meist in den Niederlanden – dem globalen Anbauzentrum der Pflanzenindustrie." Die langen Transportwege haben hohe CO2-Ausstöße und einen enormen ökologischen Fußabdruck zur Folge. Wer also glaubt, dass seine Zimmerpflanze aus unserem Nachbarland stammt, sollte sich besser einmal die gesamte Transportkette anschauen.

"70% der Zimmerpflanzen sterben in den ersten vier Monaten nach dem Kauf"

Unsere Expertin verrät uns außerdem, dass die Samen im niederländischen Gewächshaus mit Hilfe von modernen Technologien und chemischen Düngemitteln zum schnellen Wachstum angeregt werden. Diese Düngemittel und Pestizide sprengen die natürliche Entwickung der Pflanzen und belasten zudem Ökosysteme, Biodiversität und Luftqualität.

"Fast 70% der Zimmerpflanzen sterben in den ersten vier Monaten nach dem Kauf", sagt Deborah Choi. Das liegt daran, dass die Einzelhändler die Produkte ohne jegliche Pflegehinweise verkaufen. Die Pflanzen wachsen zudem zu schnell, sind überdüngt und nach den den "perfekten" Verhältnissen im Gewächshaus ist es schwierig für sie, sich an die neue Umgebung im Wohnzimmer anzupassen.

Torfabbau zerstört einzigartige Lebensräume

Auch die Pflanzenerde birgt ungeahnte Herausforderungen, da sie häufig Torf enthält. Im Torfboden ist viel Kohlenstoff gespeichert, welcher beim Abbau in Form von CO2 freigesetzt wird. Dieses Treibhausgas trägt massiv zum Klimawandel bei.

Durch den Abbau werden außerdem einzigartige Lebensräume für Pflanzen und Tiere zerstört. Was die Natur im Laufe von Hunderten oder Tausenden Jahren aufgebaut hat, wird innerhalb kürzester Zeit vernichtet. Besser ist es, seine eigene Blumenerde zu mischen und mit Kompost anzureichern. Doch Vorsicht: Diese Pflanzen sollten Sie nicht mit Kompost düngen!

Um an faire und nachhaltige Pflanzen zu kommen, empfiehlt sich außerdem ein Einkauf in einer zertifizierten Bio-Gärtnerei. Im klassischen Gartencenter muss man manchmal etwas suchen, bevor man eine Bio-Pflanze findet. Halten Sie hierbei Ausschau nach dem EU-Bio-Logo, dem Bio-Siegel oder den Logos verschiedener Bioverbände wie Demeter, Naturland oder Bioland.

Welche weiteren Alternativen gibt es?

Wenn man nicht bereit ist für einen Einkauf in der Bio-Gärtnerei etwas tiefer in den Geldbeutel zu greifen, muss man trotzdem nicht auf die geliebten Zimmerpflanzen verzichten. Wer kostenlos seine Pflanzen-Kollektion erweitern möchte, wird auf Online-Tauschbörsen, Ebay-Kleinanzeigen und Facebook-Gruppen fündig: Hier kann man ganze Pflanzen, Ableger und Samen austauschen. Auch innerhalb des eigenen Freundeskreises findet man oft ungeahnte Schätze. Fragen Sie doch beim nächsten Besuch mal nach, ob Sie sich ein Blatt der Efeutute oder einen Ableger der Grünlilie abknipsen dürfen!

Pflanzen selber ziehen

Um Pflanzen selber zu ziehen, muss manchmal nicht einmal ein neues Exemplar her: Die meisten Pflanzen kann man durch Ableger ganz einfach vermehren. Schneiden Sie hierfür die Stecklinge direkt unter dem Nodium mit einem scharfen Messer hab und hängen sie das Blatt in ein Glas mit Wasser. Nach ein paar Wochen haben sich Wurzeln gebildet und die Pflanze kann in einen Topf gesetzt werden.

Wenn Sie einen grünen Daumen haben, können Sie sich Ihre Schützlinge auch einfach selber ziehen. Achten Sie beim Kauf dabei unbedingt auf ökologisch zertifiziertes Saatgut. Den eigenen Keimlingen beim Wachsen zuzugucken ist einfach unheimlich belohnend! Wir zeigen Ihnen, wie Sie Tomaten ganz einfach selber pflanzen. Und hier erfahren Sie alles rund um Anbau, Pflege und Ernte von Paprika und Chili.

Und sogar einen Avocado-Baum können Sie einfach selber züchten: So geht's!

Alles rund um Garten und Balkon sowie mehr Nachhaltigkeit-Tipps, finden Sie auf unseren ausführlichen Themenseiten!

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