Aktualisiert: 04.05.2020 - 15:52

Exemplare in Hamburg und USA Asiatische Riesenhornisse: Reißt Bienen den Kopf ab

Asiatisches Killerinsekt: Warum diese Hornisse so gefährlich ist

Asiatisches Killerinsekt: Warum diese Hornisse so gefährlich ist

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Die Asiatische Hornisse (Vespa velutina) ist zwar schon 2014 erstmals in Deutschland gesichtet worden – damals in Karlsruhe –, ein neues Exemplar wurde aber Anfang des Jahres auch im Norden identifiziert. Und dann gibt es noch die Asiatische Riesenhornisse (Vespa mandarinia), die jetzt in den USA und Kanada entdeckt wurde. Breiten sich die invasiven Arten jetzt weiter aus? Für unsere Bienen jedenfalls nichts Gutes

Unsere Honigbienen haben es sowieso schon schwer. Neben Parasiten machen ihnen unter anderem Pflanzenschutzmittel und Klimawandel stark zu schaffen. Doch es gibt eine weitere Gefahr: invasive Insekten, die hierzulande eigentlich nicht heimisch sind, sich aber durch die Globalisierung und sicher auch durch den Klimawandel auch hier ausbreiten. Eine für ihr aggressives Verhalten gegenüber Honigbienen bekannte Art ist die Asiatische Hornisse (Vespa velutina). Für Bienen ist sie tödlich, auch dem Menschen kann sie gefährlich werden. Letzterer sollte sich aber eher vor der Asiatischen Riesenhornisse (Vespa mandarinia) in Acht nehmen.

Asiatische Hornisse auch in Norddeutschland: Woher kommt sie?

Die Wissenschaftler des Centrums für Naturkunde der Universität Hamburg konnten ein lebendes Exemplar identifizieren und haben dazu eine Studie im Fachmagazin "Evolutionary Systematics" veröffentlicht, die außerdem den aktuellen Wissensstand zur Invasion der Art zusammenfasst.

In Europa sind schon mehrere Fälle bekannt. So wissen Forscher bereits von ganzen Völkern der Hornissenart in mehreren Teilen im Südwesten Frankreichs. "Die Asiatische Hornisse wurde vermutlich mit asiatischen Importwaren eingeschleppt", erklärte 2019 bereits NABU-Expertin Melanie von Orlow. Bereits 2014 wurde die Asiatische Hornisse erstmals in Deutschland entdeckt, in Waghäusel bei Karlsruhe. 2019 folgte dann ein weiterer Fund in Lorsch in Südhessen. Die Oberrheinebene zählt allerdings zu den wärmsten Orten Deutschlands. Ein neuer Fund im Norden der Republik, in Billbrook in Hamburg, lässt die Forscher aber aufhorchen.

Bisher sei zwar nicht klar, ob es sich um ein einzelnes Tier handele oder ob es zu einer Population gehöre, heißt es nun in der neuen Veröffentlichung. Klar sei aber, dass die Spezies sich recht schnell ausbreiten könne und eine hohe Klimatoleranz aufweise, so die Forscher um Martin Husemann. Es gebe Modelle, die sagen, dass die Gegend um Hamburg bisher noch keinen geeigneten Lebensraum für diese Art der Hornissen biete und zudem sei Hamburg als Hafenstadt mit viel Import und Export eine Anlaufstelle für invasive Arten.

Falls man aber nun herausfinde, dass es sich doch um eine natürliche Ausbreitung handele, wisse man, dass sich die Art schneller an Klimabedingungen anpassen könnte als gedacht.

Riesenhornisse: Gigantische Expemplare aus Japan in den USA gesichtet

Nicht verwechselt werden sollte die Vespa velutina übrigens mit der Asiatischen Riesenhornisse (Vespa mandarinia), die weitaus größer wird und auch als angriffslustiger gilt. Jetzt wurden in den USA Exemplare dieser Art gesichtet. So wurden kopflose Honigbienen gefunden, da die Asiatische Hornisse ihren Verwandten auch gerne einmal den Kopf abreißt.

Bienen könnten unter der Ausbreitung leiden

Das Problem an den Hornissenarten sei, dass die Asiatische Hornisse und die Riesenhornisse eben so aggressiv auf unsere heimischen Honigbienen reagieren. Eine Ansiedelung könnte daher großen negativen Einfluss auf die sowieso schon schwindenden Bienenpopulationen haben.

"Zwar bringt Vespa velutina aller Voraussicht nach keine essentielle Bedrohung für die europäische Imkerei, die genauen Auswirkungen auf die heimische Tier- und Pflanzenwelt sind jedoch noch nicht abzusehen", sagte Melanie von Orlow bereits vergangenes Jahr. Doch negative Folgen könnten dennoch auftreten. Sie vergleicht dazu die Einfuhr der Deutschen Wespe und der Gemeinen Wespe nach Neuseeland, wo infolgedessen viele neuseeländische Insektenarten zurückgedrängt worden waren.

In Asien wurden Erfahrungen gemacht, dass die Hornissenart nicht gut auf Honigbienen zu sprechen ist, denn dort eingeführte Honigbienenvölker seien unter anderem durch Angriffe der Hornisse zusammengebrochen.

Fatal: Das fortschreitende Bienensterben könnte für uns noch sehr fatal werden. Denn ohne Bienen als Bestäuber wird es auch für uns irgendwann eng. Ohne Bienen werden nicht mehr genügend Pflanzen befruchtet, was darin resultiert, dass auch uns irgendwann (und diese finstere Zukunft könnte gar nicht mal so fern liegen) das Futter ausgeht. Grund für das Bienensterben ist aber weniger eine invasive Art, sondern eher zu einheitliche Landwirtschaft und der Einsatz von Insektiziden.

Was verschwinden würde, wenn die Bienen weg wären

Hornisse ist für den Menschen kaum gefährlich – Allergiker aufpassen!

Die Asiatische Hornisse ist eigentlich in Südchina, Ostindien und Indonesien beheimatet. Sie ist verwandt mit der hier heimischen Europäischen Hornisse (Vespa crabro), ist mit einer Größe von 2-3 cm allerdings kleiner. Sie bildet Völker mit mehreren tausend Tieren und baut Nester in Baumwipfeln. Die Völker sind langlebig und bis in den Spätherbst aktiv. Melanie von Orlow: "Die Tiere verhalten sich friedlich und defensiv, reagieren aber empfindlich bei Annäherungen unter zwei Metern an ihr Nest."

Die Europäische Hornisse gilt derweil übrigens als bedrohte Art. Auch sie könnte unter einer weiteren Ausbreitung der Asiatischen Hornisse leiden.

Für den Menschen sind Hornissen übrigens nicht gefährlicher als normale Wespen, stellt von Orlow klar: "Die Stiche sind nicht gefährlicher als die einheimischer Wespenarten."

Ein wenig anders sieht es bei der Asiatischen Riesenhornisse, der Vespa mandarinia aus, die oft in ländlichen Gegenden Japans vorkommt. Der Stich der in Japan auch "Mörderhornisse" genannten Hornissenart kann auf beim Menschen tödlich sein. So sterben in Japan jährlich rund 40 Menschen am Stich der "Killerhornisse". Der Grund: eine allergische Reaktion, wie sie auch bei Stichen anderer Insekten vorkommen kann. Wer an einer Allergie gegen Wespen- und Hornissengift leidet, sollte daher sowieso Vorkehrungen treffen und genau wissen, wie ein Notfall-Set bei Insektengift-Allergie angewendet wird.

Schmerzhaft können die Stiche der Asiatischen Hornisse sowie der Riesenhornisse aber sein. Für Nichtallergiker gilt das, was auch bei anderen Stichen gilt: Ruhe bewahren, kühlen, Erste Schmerz-Hilfe mit Hausmitteln, wie bei Wespenstichen.

Wie erkenne ich die Asiatischen Hornissenarten?

Im Gegensatz zum rötlich-schwarz gefärbten Kopf der Europäischen Hornisse, hat die kleine asiatische Variante (Vespa velutina) einen schwarzen Kopf mit orange farbener Stirn. Ihr Hals ist schwarz und auch der Hinterleib ist dunkler als bei der hier heimischen Art. Nur die Spitze ist orange-gelb gefärbt. Zudem ist sie mit 24 bis 30 mm Größe kleiner als die bis zu 40 mm groß werdende Europäische Hornisse.

Die Asiatische Riesenhornisse (Vespa mandarinia) hingegen ist geradezu riesig. Ihre Flügelspannweite kann in Extremfällen bis zu neun Zentimeter betragen. Arbeiterinnen haben eine Flügelspannweite von etwa 76 Millimetern und einen sechs Millimeter langen Giftstachel. Der Kopf der Vespa mandarinia ist orange und recht breit im Vergleich zu anderen Hornissenarten.

Wie erwähnt ist die Asiatische Hornisse nicht besonders gefährlich für den Menschen, es sei denn, eine Allergie liegt vor. Sie sticht aber nur, wenn sie bedrängt wird. Daher gilt: Ruhe bewahren, und sollten Sie ein Nest im Garten entdecken, belassen Sie es dort. Sollte es stören, kontaktieren Sie die für Sie zuständige Naturschutzbehörde, damit es eventuell umgesiedelt werden kann.

Die Studie der Forscher der Uni Hamburg rund um Martin Husemann gibt es hier nachzulesen.

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