06.02.2020

Exemplar in Hamburg entdeckt Asiatische Hornisse: Gefahr für Bienen breitet sich nach Norden aus

Die Asiatische Hornisse scheint sich in Deutschland weiter auszubreiten. Jetzt wurde ein erstes Exemplar im Norden gefunden.

Foto: imago images / Nature Picture Library

Die Asiatische Hornisse scheint sich in Deutschland weiter auszubreiten. Jetzt wurde ein erstes Exemplar im Norden gefunden.

Die Asiatische Hornisse (Vespa velutina) ist zwar schon 2014 erstmals in Deutschland gesichtet worden – damals in Karlsruhe –, ein neues Exemplar wurde aber nun auch im Norden identifiziert. Breitet sich die invasive Art jetzt weiter aus? Und was bedeutet das für unsere Bienen?

Unsere Honigbienen haben es sowieso schon schwer. Neben Parasiten machen ihnen unter anderem Pflanzenschutzmittel und Klimawandel stark zu schaffen. Doch es gibt eine weitere Gefahr: invasive Insekten, die hierzulande eigentlich nicht heimisch sind, sich aber durch die Globalisierung und sicher auch durch den Klimawandel auch hier ausbreiten. Eine für ihr aggressives Verhalten gegenüber Honigbienen bekannte Art ist die Asiatische Hornisse (Vespa velutina). Jetzt wurde sie in Norddeutschland erstmals entdeckt.

Asiatische Hornisse erstmals in Norddeutschland: Wo kommt sie her?

Die Wissenschaftler des Centrums für Naturkunde der Universität Hamburg konnten ein lebendes Exemplar identifizieren und haben dazu eine Studie im Fachmagazin "Evolutionary Systematics" veröffentlicht, die außerdem den aktuellen Wissensstand zur Invasion der Art zusammenfasst.

In Europa sind schon mehrere Fälle bekannt. So wissen Forscher bereits von ganzen Völkern der Hornissenart in mehreren Teilen im Südwesten Frankreichs. "Die Asiatische Hornisse wurde vermutlich mit asiatischen Importwaren eingeschleppt", erklärte 2019 bereits NABU-Expertin Melanie von Orlow. Bereits 2014 wurde die Asiatische Hornisse erstmals in Deutschland entdeckt, in Waghäusel bei Karlsruhe. 2019 folgte dann ein weiterer Fund in Lorsch in Südhessen. Die Oberrheinebene zählt allerdings zu den wärmsten Orten Deutschlands. Ein neuer Fund im Norden der Republik, in Billbrook in Hamburg, lässt die Forscher aber aufhorchen.

Bisher sei zwar nicht klar, ob es sich um ein einzelnes Tier handele oder ob es zu einer Population gehöre, heißt es nun in der neuen Veröffentlichung. Klar sei aber, dass die Spezies sich recht schnell ausbreiten könne und eine hohe Klimatoleranz aufweise, so die Forscher um Martin Husemann. Es gebe Modelle, die sagen, dass die Gegend um Hamburg bisher noch keinen geeigneten Lebensraum für diese Art der Hornissen biete und zudem sei Hamburg als Hafenstadt mit viel Import und Export eine Anlaufstelle für invasive Arten.

Falls man aber nun herausfinde, dass es sich doch um eine natürliche Ausbreitung handele, wisse man, dass sich die Art schneller an Klimabedingungen anpassen könnte als gedacht.

Bienen könnten unter der Ausbreitung leiden

Das Problem daran sei, dass die Asiatische Hornisse eben so aggressiv auf unsere heimischen Honigbienen reagiere. Eine Ansiedelung könnte daher großen negativen Einfluss auf die sowieso schon schwindenden Bienenpopulationen haben.

"Zwar bringt Vespa velutina aller Voraussicht nach keine essentielle Bedrohung für die europäische Imkerei, die genauen Auswirkungen auf die heimische Tier- und Pflanzenwelt sind jedoch noch nicht abzusehen", sagte Melanie von Orlow bereits vergangenes Jahr. Doch negative Folgen könnten dennoch auftreten. Sie vergleicht dazu die Einfuhr der Deutschen Wespe und der Gemeinen Wespe nach Neuseeland, wo infolgedessen viele neuseeländische Insektenarten zurückgedrängt worden waren.

In Asien wurden Erfahrungen gemacht, dass die Hornissenart nicht gut auf Honigbienen zu sprechen ist, denn dort eingeführte Honigbienenvölker seien dort unter anderem durch Angriffe der Hornisse zusammengebrochen. Und das fortschreitende Bienensterben könnte für uns noch sehr fatal werden.

Was verschwinden würde, wenn die Bienen weg wären

Hornisse ist für den Menschen kaum gefährlich

Die Asiatische Hornisse ist eigentlich in Südchina, Ostindien und Indonesien beheimatet. Sie ist verwandt mit der hier heimischen Europäischen Hornisse (Vespa crabro), ist mit einer Größe von 2-3 cm allerdings kleiner. Sie bildet Völker mit mehreren tausend Tieren und baut Nester in Baumwipfeln. Die Völker sind langlebig und bis in den Spätherbst aktiv. Melanie von Orlow: "Die Tiere verhalten sich friedlich und defensiv, reagieren aber empfindlich bei Annäherungen unter zwei Metern an ihr Nest." Für den Menschen sind Hornissen übrigens nicht gefährlicher als normale Wespen, stellt sie klar: "Die Stiche sind nicht gefährlicher als die einheimischer Wespenarten."

Die Europäische Hornisse gilt derweil übrigens als bedrohte Art. Auch sie könnte unter einer weiteren Ausbreitung der Asiatischen Hornisse leiden.

Wie erkenne ich eine Asiatische Hornisse?

Im Gegensatz zum rötlich-schwarz gefärbten Kopf der Europäischen Hornisse, hat die asiatische Variante einen schwarzen Kopf mit orangefarbener Stirn. Ihr Hals ist schwarz und auch der Hinterleib ist dunkler als bei der hier heimischen Art. Nur die Spitze ist orange-gelb gefärbt. Zudem ist sie mit 24 bis 30 mm Größe kleiner als die bis zu 40 mm groß werdende Europäische Hornisse.

Wie erwähnt ist die Asiatische Hornisse nicht besonders gefährlich für den Menschen, sie sticht nur, wenn sie bedrängt wird. Daher gilt: Ruhe bewahren, und sollten Sie ein Nest im Garten entdecken, belassen Sie es dort. Sollte es stören, kontaktieren Sie die für Sie zuständige Naturschutzbehörde, damit es eventuell umgesiedelt werden kann.

Nicht verwechselt werden sollte die Vespa velutina übrigens mit der Asiatischen Riesenhornisse (Vespa mandarinia), die weitaus größer wird und auch als angriffslustiger gilt.

Die Studie der Forscher der Uni Hamburg rund um Martin Husemann gibt es bei Evolutionary Systematics in englischer Sprache nachzulesen.

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