30.08.2019

Schwarz-gelbe Jäger Warum mögen Wespen Fleisch?

Lecker, Wurst! Warum fliegen Wespen eigentlich so auf Fleisch? Ganz einfach: weil die Natur es vorsieht.

Foto: iStock/fermate

Lecker, Wurst! Warum fliegen Wespen eigentlich so auf Fleisch? Ganz einfach: weil die Natur es vorsieht.

Wespen lieben Zucker – oder? Nun, nicht unbedingt. Aber Fleisch mögen (und brauchen) sie alle. Woran das liegt...

Eigentlich können wir ja mit der schwarz-gelben Pest fest rechnen, sobald wir ein süßes Teilchen in der Hand haben oder gerade dabei sind, unser wohlverdientes Eis zu schlecken. Doch bei der Grillparty kommen sie plötzlich auch aus allen Ecken angeflogen – bevorzugt im Spätsommer: Wespen mögen Fleisch. Und das hat auch seine Gründe. Wir sind der Sache nachgegangen.

Wespen und Fleisch: gar nicht so fernliegend

Wespen fliegen zwar auf Zucker – sie benötigen ihn jedoch nicht so dringend. Denn die kleinen Tierchen, die so vielen Menschen mit ihrem Stachel Angst einjagen, sind eigentlich Raubtiere. Und das macht sie übrigens auch so wichtig für die Natur.

Eigentlich jagen Wespen nämlich Insekten – Fliegen und Mücken. Ohne Wespen würde uns vermutlich schnell also eine Mückenplage das Leben zur Hölle machen. Dann doch lieber hin und wieder mal vor einer Wespe Reißaus nehmen als des nachts von wilden Blutsaugern zerstochen werden und am nächsten Morgen mit juckenden Quaddeln aufwachen, oder?

Besonders in der Zeit, in der die Wespen sich verstärkt um ihren Nachwuchs kümmern müssen, sind sie auf Fleischjagd. Das fressen die ausgewachsenen Wespen nämlich nicht nur, sondern sammeln es und verfüttern es an ihre Larven. Und neben Insekten kann das eben auch mal ein Stück des schon praktisch auf dem Teller angerichteten Grillsteaks sein. Ausschlaggebend ist das enthaltene Eiweiß, das für die Entwicklung der Larven lebenwichtig ist.

Wespen säbeln Fleischstücke nahezu heraus

Die Mundwerkzeuge der Wespen sind extrem stark und scharf. Damit sind sie in der Lage, ganze Brocken aus einem Stück Fleisch herauszuschneiden.

Auf Süßes greifen Wespen hingegen für den eigenen Bedarf zurück.

Uns allen ist wahrscheinlich schon aufgefallen, dass Wespen zum Sommerende hin aggressiver werden. Am Anfang des Sommers nehmen wir sie noch kaum wahr – nämlich so lange die Lindenblüte zu Gange ist. Ist die Blütezeit der Linde vorbei, muss allerdings der Nachwuchs mit Nahrung versorgt werden. Die Arbeiterinnen der Stöcke schwärmen also aus und gehen auf Jagd. Und je weniger sie im Laufe des Sommers finden, desto eher schwirren sie um unseren reich gedeckten Tisch herum. Auch Wespen und deren Larven haben eben einfach Hunger.

Was tun gegen Wespen? Bloß nicht anpusten

Hektische Bewegungen vermeiden – das ist wohl der Hauptspruch, den wir bei der Verteidigung gegen Wespen im Kopf haben. Und in der Regel stimmt das auch. Hektische Bewegungen provozieren eine Wespe nur.

Gleiches gilt fürs Anpusten. Das Kohlendioxid in der Atemluft ist für die Tiere ein Alarmsignal – sie greifen eher an.

Wer draußen essen will, aber bereits weiß, dass Wespen in der Nähe sind, tut gut daran, Speisen und Getränke immer gut abzudecken, um zu vermeiden, dass aus Versehen ein Tier verschluckt wird. Denn das kann schlimme Folgen haben.

Kindern sollten Sie den Mund nach dem Essen immer gut abwischen, am besten mit einem feuchten Tuch.

Sie können Wespen aber auch leicht vom eigenen Tisch ablenken, indem Sie etwa ein süßes Getränk oder ein Stück "Opferfleisch" weiter weg gut zugänglich für die Tiere aufstellen. Wespen lassen sich also auch natürlich vertreiben.

Und wenn doch mal eine Wespe zugestochen hat? So mancher muss zum Arzt. Erste Hilfe bei Wespenstichen, auch mit Hausmitteln, ist aber generell sinnvoll. Tipps finden Sie auch im Video:

Wespenstiche: Erste Schmerz-Hilfe mit diesen Hausmitteln!

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Vorsicht: Wespen stehen unter Naturschutz

Übrigens nerven uns am Tisch nur zwei der eigentlich zahlreichen Wespenarten – und zwar die Deutsche Wespe und die Gemeine Wespe. Wie alle anderen Wespen benötigen sie das Eiweiß aus Insekten und eben auch Fleisch. Anders als andere Arten mögen sie aber eben auch Süßes und ziehen so den Ruf aller anderen Wespenarten herunter.

Die Sächsische Wespe beispielsweise, eine Langkopfwespenart, leidet sehr unter diesem Ruf. Anders als die Deutsche und die Gemeine Wespe, die in dunklen Höhlen nisten, nistet sie in frei hängenden Nestern, etwa auf Dachböden – und wird als möglicher Störenfried oft bekämpft.

Dies ist allerdings eigentlich verboten, denn Wespen stehen unter Naturschutz. Ein Entfernen von Nestern und Töten ganzer Stöcke kann daher richtig teuer werden. Außerdem stehen bereits fast 50 Prozent aller heimischen Wespenarten auf der Roten Liste und sind damit vom Aussterben bedroht – und das könnte schlimme Folgen für die Population an Mücken und Fliegen und damit auch für uns haben.

Sollten Sie irgendwo einen frei hängenden Stock sehen, aus dem Wespen schwirren, können Sie in der Regel beruhigt sein, da es sich dabei meist um friedliche Arten handelt. Also: hektische Bewegungen meiden. Die Wespe lässt Sie dann schon in Ruhe. Mehr Haushaltstipps gibt's auf unserer Themenseite.

Exkurs: Bienen leben vegetarisch

Wild- und Honigbienen hingegen leben vegetarisch und ernähren sich von Pollen und Nektar. Das war aber nicht immer so, denn die Biene stammt von der Wespe ab – das vermuten Forscher jedenfalls. Warum Bienen aber heute vegetarisch leben, haben sich Forscher vom Museum für Naturkunde Berlin und dem Leibniz-Institut für Evolutions- und Biodiversitätsforschung genauer angesehen.

Dazu haben sie sich 195 Gene von über 180 Wespen- und Bienenarten angeschaut und daraus einen Stammbaum erstellt. Der mögliche gemeinsame Vorfahre? Ein Vorfahre der heutigen Grabwespen. Und die haben vor allem Gewittertierchen gefressen, die sich hauptsächlich von Pollen ernähren. Es war also immer etwas Pollen am Fressen – und die Wissenschaftler vermuten, dass sich die Wespen bzw. später Bienen im Laufe der Zeit so sehr daran gewöhnt haben – und nun reicht diese Art der Ernährung also auch dem Bienennachwuchs. Zudem ist Pollen sammeln auch weitaus ungefährlicher als jagen…

Übrigens gibt es Jahre, in denen sehr wenige Wespen unterwegs sind. So war es etwa im Jahr 2016 – da haben wir die gestreiften Mistviecher ja fast schon vermisst...

Und was ist eigentlich mit diesen "Wespen im Großformat"? Sind Hornissen wirklich so gefährlich, wie sie aussehen?

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