20.08.2018

Mythos oder Wahrheit Sind Hornissen wirklich so gefährlich?

Hornissen: Vier Dinge, die man über die Insekten wissen muss

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Mo, 20.08.2018, 11.19 Uhr

Hornissen: Vier Dinge, die man über die Insekten wissen muss

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Aggressive Stecher, die Menschen in Schwärmen überfallen oder unnötige Panik vor nützlichen Tierchen, die unter Artenschutz stehen? Von August bis Mitte September ist Hornissenzeit. Was ist wirklich dran.

Und sind Hornissen wirklich so gefährlich? Keine Panik! Ihr schlechter Ruf eilt Ihnen voraus - leider und ganz zu Unrecht. Denn Hornissen sind weitaus friedlichere Tiere als man ihnen nachsagt.

Die Hornisse ist eine enge Verwandte der bei uns lebenden Wespen. Sie ist größer als diese und an ihrer rötlichen Färbung zu erkennen. Auch “Vespa Crabro“ genannt, zählt sie zu den Sozialen Faltenwespen. Sie ist die größte in Mitteleuropa lebende Faltenwespe, ihre Königin wird bis zu 3,5 Zentimetern groß, die Arbeiterinnen erreichen eine max. Größe von bis zu 2,5 Zentimetern. Noch bis Mitte September ist Hornissenzeit. Das Volk wächst in dieser Zeit auf eine Größe von 400 bis 700 Tieren an.

Hornissen sind NICHT aggressiv und interessieren sich NICHT für unser Essen

Hornissen ernähren sich und ihre Nachkommen von Baumsäften, Insekten und Raupen. Sie leben problemlos neben den Menschen, da sie unsere Nahrung im Gegensatz zu den Wespen nicht interessiert. Weder süße Speisen, noch Getränke oder fleischhaltige Lebensmittel stehen auf ihrem Speiseplan. Einzig das auf der Wiese liegende Fallobst gehört in ihr Repertoire.

Hornissen greifen nur an, wenn sie ihr Nest oder ihre Königin verteidigen müssen. Der Hautflügler geht in den anderen Fällen Konflikten durch Flucht aus dem Weg.

Warum sie uns aggressiv erscheint? Sie ist ein Insektenjäger und dadurch schneller unterwegs als Bienen, Wespen oder Hummeln. Auch ihre beeindruckende Größe kann einschüchternd wirken.

Hornissennester dürfen NICHT zerstört werden

Sie haben ein Hornissennest auf Ihrem Grundstück? Auch hier heißt es Ruhe bewahren! Für den Nestbau bevorzugen die intelligenten Insekten dunkle, vor Regen geschützte, Hohlräume, wie Vogelnistkästen und Werkzeugschuppen. Befindet es sich an einem von Ihnen selten genutzten Ort, können Sie das Nest dort hängen lassen.

Da es nur eine Saison genutzt wird, können Sie die Reste entspannt im Folgejahr entfernen. Befinden Sie sich dagegen in unmittelbarer Nähe eines genutzten Nestes, sind zwei bis drei Meter Abstand von dem geschäftigen Treiben einzuhalten.

Hornissen stehen unter Artenschutz, da einige Arten mittlerweile vor dem Aussterben bedroht sind. Bewohnte Nester dürfen also nicht zerstört oder ohne Ausnahmegenehmigung entfernt werden. Rufen Sie den Experten, der sich um eine Umsiedelung kümmert. Auskunft erteilt u.a. der Naturschutzbund Deutschland (NABU).

Hornissenstiche sind NICHT gefährlicher als die von Wespen

Haben Sie auch von dem Mythos gehört, dass drei Hornissenstiche einen Menschen und sieben Stiche ein Pferd töten können? Inzwischen weiß man, dass die Giftwirkung beim Stich einer Honigbiene stärker ist, weil diese den Stachel nicht mehr herausziehen kann, und das eine unfassbar hohe Stichzahl von einer Hornisse notwendig wäre, bis ein Mensch in Lebensgefahr schwebt.

Bei einem Menschen von 70 Kilogramm Körpergewicht wären es mehr als 1000 Stiche. Da ein ganzes Hornissenvolk nur etwa 400 bis 700 Tiere umfasst, ist diese Gefahr also nicht relevant. ABER: Gefährlich werden Stiche – wie bei Bienen oder Wespen auch – für Allergiker oder wenn die Schwellung z.B. die Atemwege verschließt.

Dass der Stich einer Hornisse schmerzhafter erscheint, liegt an der Größe des Stachels. Die Wespe kommt auf eine Stachellänge von 2,5 bis 2,6 mm, die Hornisse auf ganze 3,4 bis 3,7 mm. Die als brennend empfundene Substanz Acetylcholin, die mit dem Gift des Stachels übertragen wird, löst beim Betroffenen ein höheres Schmerzempfinden aus. ABER: Das Hornissengift ist weniger toxisch als von Wespen und Bienen. Eine Rechenbeispiel: Das Gift der Biene ist bis 15 mal so stark wie das der Hornisse.

So verhalten Sie sich bei einem Hornissenstich

  • Entfernen Sie den Stachel, falls die Hornisse ihn nicht rausgezogen hat.

  • Kühlen Sie den Stich und desinfizieren Sie die Einstichstelle.

  • Heilerde oder eine kühlende Salbe kann Juckreiz und Schwellung lindern.

  • Bei Übelkeit, Schwindel, Schweißbildung und Kreislaufproblemen, sollten Sie einen Arzt aufsuchen. In seltenen Fällen kann das Gift eine allergische Reaktion hervorrufen. Treten die Symptome mit Atemnot auf, sollte sofort ein Notarzt gerufen werden. Eine schwere Allergie entwickelt sich aber erst nach mehreren Stichen derselben Hornissenart.

  • Ist der Stich in Mund oder Rachen erfolgt, kann die Schwellung im ungünstigsten Fall die Atemwege verengen. Ein eher seltener Fall, da die Tiere zu groß sind, um sie versehentlich zu verschlucken, und außerdem nicht, im Gegensatz zu Wespen, in zuckerhaltige Getränke fallen.

  • Bei einer bekannten Hornissengiftallergie ist ein Stich wirklich bedrohlich. So wie bei Wespen- und Bienenstich-Allergikern droht im schlimmsten Fall ein anaphylaktischer Schock. Hier müssen Sie umgehend einen Arzt aufsuchen.

Fazit: Sind Hornissen wirklich so gefährlich? Ein eindeutiges NEIN! Gehen Sie einfach auf Abstand zu Ihnen, wo es möglich ist und lassen Sie sich keine Angst einjagen. Und was tun, wenn sich Wespen in Ihrem Garten wie zuhause fühlen? Wespen natürlich vertreiben - das hilft wirklich!

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