15.03.2018

Statt kaufen? Avocado züchten: So bauen Sie das Superfood selbst an!

Eine Avocado züchten dauert zwar ein bisschen, aber es lohnt sich zumindest schon einmal für die hübsche Pflanze. Wie das Ganze funktioniert, sehen Sie hier.

Foto: iStock (3) Collage Bild der Frau Online

Eine Avocado züchten dauert zwar ein bisschen, aber es lohnt sich zumindest schon einmal für die hübsche Pflanze. Wie das Ganze funktioniert, sehen Sie hier.

Selbst Angebautes schmeckt doch meist am besten – und ist im Falle der Avocado auch deutlich ökologischer. Wie Sie sich eine Pflanze züchten und ob Sie dann tatsächlich irgendwann Früchte ernten können.

Sie gelten als das Superfood schlechthin und haben mittlerweile viele Fans – aber leider auch einen gigantischen ökologischen Fußabdruck. Warum also nicht einfach selbst Avocado züchten?

Kurz gesagt: Das funktioniert auch in unseren Breitengraden – aber nur unter bestimmten Bedingungen und mit sehr, sehr viel Geduld. Wenn Sie es versuchen wollen, haben wir hier eine Anleitung für Sie. Das Schöne: Wenn’s nicht klappt mit der Frucht, haben Sie wenigstens eine hübsche Grünpflanze gezogen.

Avocado züchten statt kaufen: Warum das besser wäre

Avocados schmecken und sind gesund. Aber sie stehen auch in der Kritik – und das gar nicht mal zu Unrecht. Denn der Anbau einer einzelnen Avocado erfordert eine ganze Menge Ressourcen. Ganze 1000 Liter Wasser werden im Schnitt laut „Zeit Online“ benötigt, bis ein Kilogramm Avocados geerntet ist – in dürregeplagten Gebieten wie den typischen Avocado-Gegenden viel zu viel. Und auch der Platz wird langsam knapp. Denn die grüne Frucht wird vor allem in Mexiko angebaut, wo aufgrund des weltweiten Heißhungers teils schon illegal abgeholzt wird. "Pro Jahr werden 1500 bis 4000 Hektar Wald gerodet, um Platz für Avocado-Felder zu schaffen", erklärt Jaime Navia von der mexikanischen Umweltschutzorganisation Gira. Und durch die Monokulturen müssen Pestizide eingesetzt werden, die das Trinkwasser in Anbaugebieten stark belasten.

Dazu kommen die weiten Transportwege. All das lässt die Avocado ökologisch gesehen gar nicht gut dastehen.

Dabei ist sie doch so gesund und lecker. Warum also nicht selbst anbauen? Versucht hat es wohl jeder Avocado-Fan schon einmal – mit mehr oder minder großem Erfolg. Das Ziehen aus dem Avocadokern ist nämlich möglich, aber nicht so einfach.

Eine Avocado anpflanzen – viel Sonne und Wärme nötig

Der Kern der als Beere definierten Frucht muss ja vor dem Essen einer Avocado sowieso entfernt werden. Wenn Sie den Kern einer reifen Frucht nutzen, haben Sie die besten Chancen, nach einigen Wochen einer süßen Grünpflanze beim Wachsen zuzusehen.

Die Pflanze benötigt viel Wärme und vor allem Sonne – das ist in unseren Breitengraden nicht so einfach erreichbar. Die besten Chancen haben Sie in der Wohnung auf einem sonnigen Fensterbrett oder gleich im Gewächshaus. An warmen Sommertagen darf sie dann aber auch mal raus in die Sonne an einen geschützten Ort. Aber der Reihe nach:

Methode 1: Die Wasserglas-Züchtung

  1. Eine beliebte Methode zum Avocado züchten ist die Wasserglas-Methode: Nehmen Sie den Kern aus einer reifen Avocado heraus und säubern Sie ihn. Auch das braune Häutchen sollten Sie abziehen.
  2. Dann nehmen Sie drei Zahnstocher und stecken sie in den Kern: Am besten im oberen Dritten an der spitzeren Seite.
  3. Nun legen Sie den Samen mit der flacheren Seite nach unten so auf einem mit Wasser gefüllten Wasserglas ab, dass die Zahnstocher ihn am Glasrand halten. Der untere Teil sollte ins Wasser tauchen.
  4. Stellen Sie das Glas mit dem Kern an einen warmen und dunklen Ort und tauschen Sie hin und wieder das Wasser aus. Nach etwa vier Wochen sollten die ersten Wurzeltriebe zu sehen sein.

Tipp: Die Zahnstocher dienen nur der Halterung, können den Kern aber so verletzen, dass er nicht mehr keimen kann. Sie können statt einem Wasserglas auch eine Espressotasse oder ein Schnapsgläschen nehmen. Aber achten Sie auch hier auf regelmäßigen Wassertausch, sonst kann der Kern schimmeln.

Manchmal dauert es länger, bis der Samen keimt, also nicht aufgeben. Kurz davor spaltet der Kern sich – das heißt nicht, dass er kaputt ist. Aber der Keimling muss ja durchkommen.

Umzug in den Topf

Sobald Wurzeln zu sehen sind, können Sie den Kern eintopfen:

  1. Suchen Sie sich einen Pflanztopf mit etwa 15-20 cm Durchmesser. Jetzt mischen Sie normale Blumen- oder Palmenerde im Verhältnis 1:1 mit lockerem Sand und füllen das Gemisch in den Topf.
  2. Den Kern können Sie nun vorsichtig in die Erde einsetzen, der obere, spitze Teil ragt aus der Erde heraus. Drücken Sie die umliegende Erde leicht fest und gießen Sie mit zimmerwarmem, gerne abgestandenem Wasser.

Mit dem Umzug in den Topf zieht auch die gesamte Pflanze um: Ab jetzt sollte die Avocado an einem warmem, aber auch hellen Platz stehen. Praller Sonne dürfen Sie sie aber noch nicht aussetzen, das kommt später.

Methode 2: Im Blumentopf keimen lassen

Wurzeln zieht der Kern aber auch direkt im Blumentopf:

  1. Säubern Sie den Kern wie oben beschrieben.
  2. Dann nehmen Sie einen Pflanztopf und füllen ihn mit lockerer, sandiger Erde, ähnlich wie oben. Den Kern setzen Sie nun mit der spitzen Seite nach oben ein, so dass der obere Teil herausragt.
  3. Halten Sie die Erde immer feucht. Bringen Sie eine Folie über dem Topf an, das schützt den Sämling vor Umwelteinflüssen wie Kälte und Zugluft.

Die junge Pflanze pflegen: Erst einmal keine direkte Sonne

Ein frisches Avocadopflänzchen ist sehr zart. Bei der Pflege müssen Sie vor allem drei Dinge beachten:

  • Vermeiden Sie Zugluft, der Topf sollte an einem warmen Ort stehen.
  • Direkte Sonneneinstrahlung sollten Sie vermeiden, sonst kann die Pflanze verbrennen. Hell sollte der Standort aber sein.
  • Halten Sie die Erde feucht, nicht nass. Am besten immer mal wieder ein kleines bisschen gießen, lieber ein bisschen weniger als zu viel.

Tipp: Zitrusdünger kann der Pflanze einmal monatlich zur Erde beigegeben werden – das ist aber kein Muss und sollte nicht zu oft gemacht werden.

Wenn es draußen warm wird, können Sie Ihre Pflanze auch einmal an die frische Luft stellen. Ist es dauerhaft warm, darf sie im Sommer auch draußen bleiben. Die besten Ergebnisse werden Sie aber wohl im Gewächshaus erreichen – am besten im Lichtschutz einer anderen Pflanze oder hinter Riffelglas.

Eine Avocadopflanze wächst in den ersten Jahren fast ausschließlich nach oben, Seitentriebe kommen erst später dazu. Sehen Sie den vierten Blatttrieb, können Sie diesen mit einer Rosenschere abknipsen – daraufhin entwickeln sich auch langsam Triebe an der Seite.

Endlich ernten? Wo bleibt die Avocado-Frucht?

Die Grünpflanze ist also da – wie lange dauert es nun bis zur ersten Ernte? Nun, hier liegt leider der Knackpunkt beim Avocado-züchten. Da die Avocadopflanze viel Wärme und vor allem Sonne braucht, die sie in unseren Breitengraden selten bekommt, wird das Ganze mit der eigenen Avocado relativ schwer.

Erst einmal dauert es mehrere Jahre, bis die Pflanze überhaupt Früchte tragen würde und Sie Erfolg verzeichnen beim Avocado-züchten. Und selbst dann ist die Chance eher gering. Nach vier bis zehn Jahren trägt die Pflanze das erste Mal Blüten. Allerdings werden die wenigsten davon befruchtet, da die Bestäubung sehr kompliziert abläuft. Die Avocado ist eine Zwitterpflanze mit männlichen und weiblichen Blüten, die aber fremdbestäubt werden müssen. Wenn männliche und weibliche Blüten gleichzeitig aufgehen, können Sie mit einem Pinsel nachhelfen. Leider ist die Blütezeit aber meist unterschiedlich.

Aber immerhin sieht die Pflanze schön aus. Und wenn sich dann doch in ein paar Jahren eine Frucht bildet, ist die Freude groß – dann hat die Avocado-Zucht doch funktioniert. Dann können Sie auch sicher unsere sechs Tipps und Tricks rund um die Avocado gebrauchen.

Dennoch sollten Sie sich überlegen, den Konsum der grünen Früchte zumindest ein wenig einzuschränken. Dann ist die Freude auf die eigens gezogene Avocado auch gleich viel, viel größer. Andere Superfoods-Alternativen finden Sie auf unserer Themenseite.

Auch heimisches Obst und Gemüse kann viel. Unsere Saisonkalender zeigen Ihnen, was wann wächst.

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