19.06.2017 - 14:58

Grillsaison Zehn Urteile zum Grillen: Was ist erlaubt und was nicht?

Von

Wer grillen will, muss Rücksichtnehmen. Wenn das Brutzeln aber nicht ausdrücklich untersagt ist,müssen Nachbarn von Zeit zu Zeit mit dem Rauch leben.

Foto: iStock/thelinke

Wer grillen will, muss Rücksichtnehmen. Wenn das Brutzeln aber nicht ausdrücklich untersagt ist,müssen Nachbarn von Zeit zu Zeit mit dem Rauch leben.

Für viele ist Grillen auf dem Balkon der schönste Zeitvertreib des Sommers. Doch wann und wie ist es wirklich erlaubt?

Grillen gehört bei vielen zum Sommer einfach dazu. Doch Würstchenduft und Rauchwolken können für andere eine wahre Zumutung sein, vor allem auf dem eigenen Balkon. Lesen Sie, wie Richter bei feurigem Streit entscheiden.

1. Wer trotz Verbot grillt, riskiert Rauswurf

Der Mietvertrag war eindeutig: Grillen auf dem Balkon ist verboten. Ein Mieter tat es trotzdem regelmäßig. Der Vermieter mahnte ihn mehrfach erfolglos ab. Und kündigt dem Uneinsichtigen schließlich die Wohnung. Das Landgericht Essen gab dem Vermieter recht: Beim Grillen entstehen immer Rauch und Gerüche, die andere Mieter stören. Wer sich nicht an die Hausordnung hält, der muss ausziehen (Az. 10 S 438/01).

2. Barbecue 24 Stunden vorher ankündigen

In einer anderen Wohnanlage kam es zwischen den Eigentümern ebenfalls zum Streit: Einige Miteigentümer grillten häufig, die anderen fühlten sich davon gestört. Die Grillgegner forderten, dass die Anzahl der Grillabende beschränkt wird und dass sie in Zukunft angekündigt werden müssen. Der Fall landete vor Gericht.

Das Amtsgericht Halle (Saale) entschied: Weil der Grill nur rund sechs Meter von den Fenstern entfernt steht, darf jeder der sechs Eigentümer in der Saison von März bis Oktober nur dreimal im Monat grillen. Das muss allerdings erst 24 Stunden vorher angekündigt werden. Denn Grillen habe einen spontanen Charakter und das Wetter sei nicht viel eher vorhersehbar (Az. 120 C 1126/12).

>> 10 kalorienarme Rezepte für den nächsten Grillabend

3. Nachbarn müssen Grillplatz hinnehmen

Die Eigentümer einer Wohnanlage wollten einen öffentlichen Grillplatz gerichtlich schließen lassen: Sie störte der 150 Meter entfernt liegende Platz, weil sie meinten, dass durch die Vermüllung Ratten angezogen würden. Sie störten sich auch an den Grillgerüchen.

Das Berliner Verwaltungsgericht war entspannter: Diese Argumente reichten nicht aus. Insbesondere weil der Platz zweimal wöchentlich gereinigt werde. Klage abgewiesen (Az. 10 A 36/05).

4. Grillverein ist nicht gemeinnützig

Schade eigentlich: Ein Verein zur Förderung und Pflege der Grillkultur wollte als gemeinnützig anerkannt werden, um von Steuererleichterungen zu profitieren. Das Finanzamt lehnte ab. Und auch die Klage des Vereins scheiterte. Das Finanzgericht Stuttgart entschied: Obwohl der 60 Mitglieder starke Verein an Meisterschaften teilnehme, werde damit nicht der Sport gefördert. Außerdem stelle etwa der Neu- und Nachbau von historischen Grillgeräten keine Kunst dar. Und das gesellige Zusammenkommen zum Grillen diene auch nicht der Förderung der Allgemeinheit. (Az. 6 K 2803/15).

>> Was in Europa alles auf den Grill kommt

5. Ab 22 Uhr ist Schluss mit lustig

Fast täglich grillte ein Taxiunternehmer bis tief in die Sommernacht hinein vor seinem Haus – und stellte auch noch seinen Fernseher dazu. Lärm und Rauch drangen durch die Fenster in das Haus des Grundstücksnachbarn. Das Oberlandesgericht Oldenburg entschied den Streit der beiden so: Der Grill-Freund darf nur noch bis 22 Uhr die Kohlen anheizen, an vier Abenden im Jahr ausnahmsweise auch bis 24 Uhr. Allerdings ohne lauten Fernseher! Alles andere ist nicht "sozialadäquat" (Az. 13 U 53/02).

>> Leckere Kartoffelspieße für den perfekten Grill-Abend

Gemüse auf dem Grill richtig zubereiten ist eigentlich kinderleicht, mit ein paar Tricks gelingt es Ihnen aber noch besser.

6. Griller haftet für Brand

Dummheit schützt vor Haftung nicht: Ein Mann legte auf seinem Balkon Holzkohle nach, die im Sack direkt neben dem Grill stand. Durch Funkenflug gelangte etwas Glut in den Kohlensack. Der Mann bemerkte das aber nicht und stellte die Kohle zurück in die Abstellkammer seiner Dachgeschosswohnung. Die Kohle entzündete sich dort, sodass auch die Dachisolierung Feuer fing. Die Kosten für den nötigen Feuerwehreinsatz wollte der schusselige Grillfreund nicht tragen. Dazu verpflichteten ihn aber die Richter vom Verwaltungsgericht Gießen: Er habe grob fahrlässig gehandelt und müsse zahlen (Az. 8 K 1163/12.GI).

7. Falscher Feueralarm: Grillfreund kann nichts dafür

Der Kamin außerhalb des Wohnhauses war vorschriftsmäßig errichtet. Nur weil es beim Anfachen des Grillfeuers darin zu Rauch kam, muss der Eigentümer noch lange nicht für einen dadurch ausgelösten Feuerwehreinsatz zahlen. Denn es bestand zu keinem Zeitpunkt eine Gefahr. Ein Nachbar hatte jedoch vermutet, dass es brennt, und die Feuerwehr gerufen, die gleich mit mehreren Löschzügen anrückte. Die Kosten für den Einsatz hat die Gemeinde zu tragen, entschied das Verwaltungsgericht Koblenz (Az. 5 K 1068/08).

>> Mit diesen 3 Marinaden gelingt das Grillfleisch garantiert

8. Neue Regelung gilt für alle Bewohner

Die Eigentümer einer Wohnanlage waren sich einig: Aus Sicherheitsgründen und wegen der Geruchsbildung wollten sie das Grillen über offener Flamme verbieten. Nur eine Eigentümerin protestierte, denn sie hatte auf ihrer Dachterrasse schon einen Grill aufgebaut.

Also klagte sie vor dem Landgericht München gegen die Ergänzung der Hausordnung. Die Richter wiesen ihre Klage ab. Denn das Grillverbot war ein Mehrheitsbeschluss der Eigentümer. Weil es die Hausordnung nicht gravierend abändert, muss sich die Klägerin dem fügen (Az. 36 S 8058/12 WEG).

9. Im Garten bleibt Brutzeln erlaubt

Zwei Eigentümer eines Anwesens in Bayern regten sich über ihren Nachbarn auf. Von Mai bis August habe er 16-mal im Garten gegrillt. Die Rauchgase seien in ihr Haus gezogen und hätten ihr gesundheitliches Wohlempfinden stark gestört. Vor Gericht sollten die Kläger beweisen, dass es sich um eine nicht unwesentliche Beeinträchtigung handelt. Doch die beiden legten keine Belege vor und nannten auch keine Zeugen. Also darf der Nachbar weiter sein Barbecue genießen. Auch eine Berufung vorm Landgericht München I hatte keinen Erfolg (Az. 15 S 22735/03).

>> Grillsaison 2017: Vegetarische Rezepte als Alternative

10. Unfall: Wer zündelt, ist schuld

Spiritus gehört nicht auf den Grill – das sollte wirklich jeder wissen! Der Gastgeber einer Gartenparty, zu der auch Kinder eingeladen waren, wusste es offenbar nicht. Er spritze den Brandbeschleuniger auf die glühenden Kohlen. Die Stichflamme erfasste ein eineinhalbjähriges Mädchen, das unbemerkt Richtung Grill gelaufen war. Das Kleinkind erlitt schwere Verbrennungen.

Doch die Versicherung des Gastgebers wollte nur für 50 Prozent des Schadens haften: Der Vater des Mädchens habe seine Aufsichtspflicht verletzt. Das Landgericht Coburg sah das anders. Der Vater habe nur kurz das Fleisch aus dem Haus holen wollen und seine Tochter unter Aufsicht des Bekannten gewusst. Er konnte nicht damit rechnen, dass dieser die Holzkohle mit dem gefährlichen Spiritus anzündet. Der Gastgeber bzw. seine Versicherung musste 100 Prozent der Schäden tragen und 75.000 Euro Schmerzensgeld zahlen (Az. 13 O 471/02).

Mehr zu den Themen Grillen und Fingerfood.

Dieser Artikel erschien zuerst in der BILD der FRAU Nr. 22.

Die neuesten Videos von BILD der FRAU

Die neuesten Videos von BILD der FRAU

Beschreibung anzeigen