17.11.2009

Ob private Mails, Telefonate oder Dokumente – wer sich im Büro eines anderen aufhält, sollte bestimmte Regeln einhalten. Im Großraumbüro gibt es ebenfalls Grenzen, auch wenn die unsichtbar sind.

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Ob private Mails, Telefonate oder Dokumente – wer sich im Büro eines anderen aufhält, sollte bestimmte Regeln einhalten. Im Großraumbüro gibt es ebenfalls Grenzen, auch wenn die unsichtbar sind.

Unangenehm: der neugierige Blick des Kollegen.

Kennen Sie ihn, diesen ungeniert neugierigen Blick auf den Bildschirm Ihres PCs? Möglicherweise meint es der Kollege nicht mal so, aber Sie fühlen sich ausspioniert. Ganz egal, ob es sich um den virtuellen Schreibtisch des Computers oder den ganz realen im Büro handelt, er ist für die Kollegen tabu.


"Respektieren Sie die Privatsphäre Ihrer Mitstreiter. Dazu gehören auch Schubladen, Akten und Unterlagen", mahnt Benimm-Expertin und Buchautorin Birgit Adam ("Business-Knigge", Gondrom Verlag).


Ausnahme: Der Kollege hat es ausdrücklich erlaubt, etwa weil er im Urlaub ist. Aber auch dann sollten Sie, falls Sie etwas suchen, möglichst zielgerichtet schauen. Je weniger man mitbekommt, desto besser. Übrigens auch für das eigene Gefühl.

Es gilt der Abstand von einem halben Meter

Hat man unabsichtlich doch etwas Vertrauliches gesehen oder mitangehört, sollte man unbedingt Diskretion, also Stillschweigen wahren. Kommentare – auch über den Ordnungsstil des Kollegen – sind verletzend und wenig effektiv. Lediglich wenn dadurch die gemeinsame Arbeit beeinträchtigt wird, sollte man das Problem ansprechen.


Vor allem im Großraumbüro ist Diskretion Ehrensache. Hier gibt es zwar keine sichtbaren Grenzen oder Türen, an die man höflich klopfen könnte, aber gerade deshalb ist es wichtig, Abstand zu halten. Um Schreibtisch und PC des Kollegen liegt quasi eine Bannmeile. Nähertreten ist nur mit Einverständnis und nach Aufforderung erlaubt. Ansonsten gilt der Mindestabstand von einem halben Meter.


Finger weg, heißt es auch beim Handy des Kollegen. Mag das Klingeln auch noch so nerven, rangehen ziemt sich nicht. Und lauschen, wenn er telefoniert, auch nicht.

Seien Sie höflich und wahren Ihre Privatsphäre

Im Umkehrschluss: Versuchen Sie auch Ihren Kollegen das Höflichsein leicht zu machen. Um andere nicht in Verlegenheit zu bringen, sollten Sie nichts am Arbeitsplatz liegen lassen, das nicht öffentlich werden darf. Das gilt für private Papiere genauso wie für Geschäftsakten. Telefongespräche führen Sie in Zimmerlautstärke, so haben die Kollegen wenigstens eine Chance "wegzuhören". Und die minutiöse Analyse des Töpfchentrainings der Nichte ist ohnehin so privat, dass sie besser in der Freizeit stattfindet.

Schnüffeln fällt nicht unter Bagatelldelikte

Höfliche Leute reagieren oft zu sanftmütig, weil sie einen Eklat vermeiden wollen. Doch zögern Sie nicht, Grenzverletzungen sofort anzusprechen. Egal, ob jemand ein Telefonat belauscht, ungebeten das Büro betritt oder gar in der Schreibtischschublade stöbert.


Beispielsweise mit: "Dies ist mein Büro, ich möchte ein deutliches Anklopfen hören", oder: "Ich möchte niemanden hinter meinem Schreibtisch sehen." Schnüffelei ist alles andere als ein Bagatelldelikt. "Sprechen Sie mit Ihrem Vorgesetzten. Im Rahmen seiner Fürsorgepflicht muss er handeln", rät Arbeitsrechtlerin Tanja Leopold von der Deutschen Anwaltshotline. Je nach Schwere des Falls folgt eine Ermahnung, eine Abmahnung oder gar die Kündigung.

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