Aktualisiert: 16.07.2021 - 12:45

Überschwemmungen, Pandemien... Was sollte ich für Notsituationen wirklich im Haus haben?

"Was brauche ich im Katastrophenfall eigentlich?" Diese Frage sollte sich jeder von uns regelmäßig stellen. Was sich für Notsituationen als Vorrat anbietet und wie man sich sinnvoll und solidarisch auf eventuelle Notfälle vorbereitet.

Foto: iStock/SDI Productions

"Was brauche ich im Katastrophenfall eigentlich?" Diese Frage sollte sich jeder von uns regelmäßig stellen. Was sich für Notsituationen als Vorrat anbietet und wie man sich sinnvoll und solidarisch auf eventuelle Notfälle vorbereitet.

In den vergangenen Monaten waren Hamsterkäufe immer wieder Thema. Während der Coronavirus-Pandemie blieb es zum Glück bislang bei ausverkauftem Klopapier und Nudel-Engpässen. Doch Situationen wie das Hochwasser im Westen Deutschlands zeigen: Es lohnt sich, für Notfälle gewisse Dinge zu Hause zu haben.

Es gibt diese Dinge, die sind nützlich, auch wenn man sie nicht immer benötigt. Das gilt zum einen für gewisse Hilfsmittel, aber auch für Vorräte. Das Hochwasser im Westen Deutschlands mit seinen enormen, katastrophalen Auswirkungen zeigt: Solche Situationen kommen meist plötzlich und treffen jeden gänzlich unvorbereitet. Daher ist es immer gut, gewisse Dinge generell und auch für Notsituationen zu Hause vorrätig zu haben. Hier gibt's eine Checkliste für Notvorräte.

Checkliste für Notvorräte: Immer eine gute Idee

Zahlreiche Menschen haben in den vergangenen Stunden ihr Zuhause verloren, auch Todesfälle müssen wir beklagen. Doch die Hochwasserkatastrophe rund um Rhein, Ahr, Mosel und Co nach den starken Regenfällen hat außerdem viele Menschen von der Außenwelt abgeschnitten. Derzeit sind 165.000 Menschen in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen ohne Strom.

Wie lange sich jeder davon selbst versorgen kann, ist fraglich, nicht jeder hat viele haltbare Lebensmittel zu Hause. Gut, wer einen gewissen Vorrat hat.

Beachten sollten Sie aber bei jeder Katastrophensituation, die Sie derzeit nicht selbst betrifft, dass Sie jetzt nicht panisch losrennen müssen aus Angst, nichts mehr zu bekommen. Würden wir das jetzt alle tun, würde exakt dieser Fall wohl eintreffen. Gehen wir aber ruhig an die Sache heran, ist für alle genug da. Dafür sorgen übrigens auch die Einzelhändler, Supermärkte und Discounter. Es gibt bestimmte Abläufe für Notsituationen bei den Händlern, wenn es hart auf hart kommen sollte: Die großen Ketten stehen im Notfall im Kontakt mit dem Katastrophenschutz, der dort Waren abholt und sie zu den Leuten bringen kann. Beispiel Corona-Krise: Insbesondere die Zeit um den ersten Lockdown war von Befürchtungen, was Lieferengpässe angeht, geprägt. Es gab sie nicht.

Dennoch ist es immer eine gute Idee, regelmäßig den Vorratsschrank zu checken und mit dem Wocheneinkauf das aufzustocken, was fehlt. Achten Sie hier einfach auf persönliche Vorlieben, aber auch Unverträglichkeiten. Nudeln, Reis, Bratöl, Mehl, Zucker Salz und Pfeffer sind etwa Lebensmittel, die in jeden Vorratsschrank gehören (Unverträglichkeiten jetzt mal außer Acht gelassen). Auch langlebiges Brot kann nicht schaden. Und für die persönliche Hygiene sollten ein paar Rollen Klopapier nicht fehlen. Ganze Wagenladungen sind aber nicht nötig.

Unabhängig vom Virus: Bundesregierung rät zu folgendem Notfallvorrat

Anders als die Pandemie haben Katastrophenfälle wie Stromausfall, heftiger Schneefall, Sturm oder eben Hochwasser durchaus das Potential, die Versorgung einzuschränken – und zwar unangekündigt.

Die Bundesregierung rät daher seit 2016, für solche Fälle vorzusorgen, und liefert eine Vorratsliste mit Nahrungsmitteln, mit denen eine Person zehn Tage lang auch abgeschnitten von der Außenwelt überleben kann – mit rund 2.200 Kilokalorien pro Tag und ausgewogener Ernährung. Zusammengefasst sieht das Ganze pro erwachsene Person so aus:

Getränke:

  • 20 Liter Wasser pro Person

Lebensmittel:

  • 3,5 kg Getreideprodukte (Brot, Kartoffeln, Nudeln, Reis)
  • 4 kg Gemüse und Hülsenfrüchte
  • 2,5 kg Obst und Nüsse
  • 2,6 kg Milch und Milchprodukte
  • 1,5 kg Fisch, Fleisch, Eier (bzw. Volleipulver, da länger lagerbar)
  • 0,36 kg Öle und Fette
  • zusätzlich: Zucker, Süßstoff, Honig, Marmelade, Schokolade, Jodsalz, Fertiggerichte (wie Ravioli, getrocknete Tortellini, Fertigsuppen), Kartoffeltrockenprodukte (Kartoffelbrei), Mehl, Instantbrühe, Kakaopulver, Hartkekse, Salzstangen

Hygieneartikel:

  • Seife und Waschmittel
  • Desinfektionsmittel und Schmierseife
  • Zahnbürsten und -pasta
  • Küchen- und Toilettenpapier
  • Müllbeutel
  • Haushaltshandschuhe

Zudem empfiehlt das BBK eine gefüllte Hausapotheke, Taschenlampen sowie Kerzen, ausreichend Batterien und evtl. alternative Kochmöglichkeiten.

Die Liste für Notvorräte – sogar für Vegetarier – sowie einen Vorratskalkulator finden Sie auf der Seite des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft. Und vom BBK gibts hier eine Checkliste zum Ausdrucken und Mitnehmen.

Spezialfall Getränke: Wasser kommt auch in Notfallzeiten meist aus der Leitung

Auch wenn die Liste der Bundesregierung zu Wasservorräten rät: In den meisten Regionen können wir in Deutschland bedenkenlos Leitungswasser trinken. In manchen Fällen wird davon abgeraten, weil etwa Rohre zu veraltet sind. Ist das Wasser zu kalkhaltig, helfen Wasserfilter. Außerdem: Unser Leitungswasser wird besser und genauer kontrolliert als jegliches Flaschen-Wasser. Leitungswasser ist das am besten kontrollierte Lebensmittel in Deutschland.

Kritisch könnte es im Falle eines anhaltenden Hochwassers aber durchaus werden, wenn auch Wasserwerke betroffen sind. Denn Hochwasser kann Trinkwasser verschmutzen – oder aber es müssen Pumpen im Werk ausgeschaltet werden, so dass die Versorgung teilweise auch ausfallen kann. In der Regel gibt es aber dann durch den Katastrophenschutz ein breit kommuniziertes "Abkochgebot". Es wird dann eine offizielle Warnung für den betroffenen Bereich herausgegeben – und zwar umgehend. Betroffene werden über Radio und TV, über Zettel im Briefkasten oder über die offiziellen Katastrophen-Warn-Apps darauf hingewiesen.

Fließt noch Wasser aus der Leitung, das nicht sichtlich verschmutzt ist, sollten Sie es einmal sprudelnd aufkochen und dann abkühlen lassen. Danach können Sie es bedenkenlos trinken oder zum Kochen verwenden. Vorsicht: Solange ein Abkochgebot besteht, sollten Sie auch auf die Dusche verzichten, Zähne nur mit Flaschenwasser oder abgekochtem und abgekühltem Wasser putzen und auch Salat und Obst nur mit zuvor abgekochtem Wasser abwaschen. Geschirrspüler und Waschmaschine hingegen gelten als unbedenklich.

Bevor Sie einkaufen: Denken Sie bitte nach!

Denken Sie aber daran: Auch eine Coronavirus-Quarantäne dauert höchstens 14 Tage, und in einer Katastrophensituation arbeiten helfende Kräfte rund um die Uhr, um die Versorgung so schnell wie möglich wieder sicherzustellen. Sie müssen also keine Tonnen an Nudeln oder gleich ganze Jahresvorräte an Klopapier horten. Denn wenn es dann doch nicht zum Ernstfall kommt: Wer soll das alles verbrauchen? Wir werfen sowieso schon viel zu viele Lebensmittel weg. Die oben genannte Liste ist dagegen ein sinnvoller Mengen-Ratgeber.

Und denken Sie hier bitte auch an die vielen anderen Mitbürger, die ebenso Bedürfnisse haben, was Essen und Hygiene angeht. Wenn möglich: helfen Sie einander. Solidarität und Gemeinwesen ist im Katastrophenfall mitunter lebensrettend, aber auch darüber hinaus wichtig. Nicht nur in Krisensituationen, sondern, ja, an jedem einzelnen Tag, in jeder Situation.

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