22.03.2019

MRSA: multiresistent & ernst Ansteckende Krankenhauskeime: So schützen Sie sich!

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Multiresistente Keime – im Volksmund auch Krankenhauskeime genannt – sprechen auf die gängigen Antibiotika nicht mehr an. Gefährlich werden kann das für immungeschwächte Personen. Unsere Expertin gibt Tipps.

Foto: iStock/microgen

Multiresistente Keime – im Volksmund auch Krankenhauskeime genannt – sprechen auf die gängigen Antibiotika nicht mehr an. Gefährlich werden kann das für immungeschwächte Personen. Unsere Expertin gibt Tipps.

Multiresistente Keime verursachen jährlich bis zu 33.000 Todesfällen in Europa. Warum sie so gefährlich sind und was Sie zu Ihrem Schutz tun können.

Viel wurde in den letzten Jahren über multiresistente und ansteckende Keime geschrieben. Der bekannteste Superkeim ist der MRSA, der methicillinresistente Staphylococcus aureus, umgangssprachlich auch Krankenhauskeim genannt. Das Problem bei diesem Erreger: Der ansteckende Krankenhauskeim ist gegen die meisten Antibiotika resistent – das heißt, die Antibiotika wirken nicht gegen ihn – und er wird immer wieder im Zusammenhang mit Todesfällen in Kliniken genannt. Was den Keim so gefährlich macht und was man dagegen tun kann, verraten wir Ihnen zusammen mit unserer Expertin, Dr. Sophie Brümmer.

Ansteckender Krankenhauskeim – was macht MRSA?

Auf der Haut und den Schleimhäuten von vielen gesunden Menschen findet man Bakterien der Art Staphylococcus aureus. Die Bakterien siedeln sich zum Beispiel in Rachen, Leisten, im Nasenvorhof sowie Achseln an und machen einen gesunden Menschen nicht krank. ABER: Wenn die Erreger über Wunden oder Schleimhäute in den Körper gelangen, kann das zu einer Infektion führen. Da der Krankenhauskeim MRSA gegen die meisten Antibiotika resistent ist, kann die Erkrankung bei immungeschwächten Menschen, wie sie ja im Krankenhaus sind, einen schweren Verlauf nehmen.

MRSA findet man dort, wo häufig Antibiotika eingesetzt werden, also in Krankenhäusern. Wenn sich ein kranker Mensch im Krankenhaus oder auch im Pflegeheim mit dem Superkeim MRSA ansteckt, droht sein ohnehin geschwächtes Immunsystem zu kollabieren. Im schlimmsten Fall führt das zu lebensbedrohlichen Lungen- und Herzentzündungen oder tödlichen Blutvergiftungen.

Wichtig zu wissen: Für gesunde Menschen ist eine Besiedlung mit multiresistenten Erregern wie dem Krankenhauskeim MRSA in der Regel ungefährlich, da ein normales Immunsystem mit den Krankheitserregern umgehen kann.

So wird MRSA übertragen

Übertragung von Mensch zu Mensch: Der gängigste Weg der Erreger ist im direkten Kontakt von Mensch zu Mensch. Der Hauptübertragungsweg sind die Hände. Neben MRSA-Erkrankten können auch gesunde mit MRSA besiedelte Menschen ansteckend sein.

Wer MRSA in oder an sich trägt, kann die Bakterien auch selbst z. B. von den Händen in offene Wunden übertragen und somit eine Erkrankung auslösen.

Eine Übertragung ist auch über verunreinigte Gegenstände möglich. Griffe, Badeutensilien, Türklinken oder Handläufe, aber auch Katheter sind Verbreitungswege für die Erreger, die sehr gut an Plastikmaterialien haften.

Auch besiedelte Nutztiere und Pflanzen können Menschen anstecken, wenn sie mit ihnen in Kontakt kommen.

Symptome sind vielseitig und diffus

MRSA-Träger, deren Haut oder Schleimhäute besiedelt sind, zeigen keine Symptome. Erst, wenn eine MRSA-Infektion entsteht, zeigen sich Krankheitsanzeichen. Diese können von Hautentzündungen wie Eiteransammlungen und Geschwüren bis zu Wundinfektionen nach Operationen reichen. Auch die Entzündungen einzelner Organe, zum Beispiel Harnwegsinfektion, Lungenentzündung oder Blutstrominfektionen (Sepsis), sind mögliche Symptome.

Kann ich eine Besiedlung selbst erkennen?

Nein, denn eine MRSA-Besiedlung führt in der Regel nicht zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen und gehört zur normalen Keimflora des Menschen. So tragen ca. 30 Prozent der Bevölkerung diesen Erreger auf der Haut. Der Nachweis einer Besiedlung mit MRSA ist nur durch eine Laboruntersuchung zum Beispiel durch einen Abstrich aus dem Nasenvorhof möglich.

MRSA Behandlung – diese Therapien gibt es

Von selbst wieder verschwinden kann eine MRSA-Besiedelung bei gesunden Menschen. Auch eine lokale Behandlung im Nasenvorhof und auf besiedelten Wunden ist mit speziellen Salben möglich. Auf der Haut wirken spezielle keimtötende Waschlotionen. Suchen Sie einen Arzt auf und besprechen Sie die Notwendigkeit einer solchen Behandlung.

Wenn eine MRSA-Besiedlung im Krankenhaus festgestellt wird, werden betroffene MRSA-Träger isoliert, solange das Bakterium in Nasen-, Haut- oder Wundabstrichen nachweisbar ist. Unter Umständen werden die Träger des Erregers behandelt.

Ganz wichtig sind dann besondere Hygiene-Maßnahmen, um andere, vor allem immungeschwächte Patienten vor einer Übertragung zu schützen. In der Regel gehören zu den Vorsichtsmaßnahmen das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes und eine gründliche Händehygiene. Auch Besucher haben sich an besondere Hygiene-Regeln zu halten. Die Umgebung des Erkrankten wird zusätzlich täglich desinfiziert.

Die stärkste Waffe gegen bakterielle Infektionen sind zur Zeit immer noch Antibiotika. Das Problem bei der Behandlung der ansteckenden Krankenhauskeime ist aber eben ihre Resistenz gegenüber vielen Antibiotika. So suchen Forscher und Mediziner bei einer MRSA-Infektion nach alternativen Behandlungsmethoden, um Todesfälle zu verhindern. Ein deutsch-französisches Forscher-Team stieß bei seiner Suche nach neuen antibakteriellen Wirkstoffen auf ein sogenanntes Lipopeptid-Antibiotikum, welches Wirkung gegen multiresistente Bakterien und auch den MRSA-Keim zeigte. Weitere Untersuchungen sind allerdings notwendig, bis es tatsächlich als neues Medikament eingesetzt werden kann. Bis dahin werden MRSA-Infektionen mit sogenannte Reserve-Antibiotika behandelt.

Wann bricht die Krankheit aus und wie lange ist man ansteckend?

Wie schon erwähnt, müssen die Superkeime keine Erkrankung verursachen. Bei geschwächtem Immunsystem aber kann eine ernsthafte Infektion ausbrechen, wenn die Bakterien einen Weg in den Körper finden. Erkrankte Menschen sind solange ansteckend, wie der Erreger in oder an ihrem Körper nachgewiesen werden kann.

Wer ist besonders gefährdet?

Das Risiko einer Infektion ist bei gesunden Menschen gering, auch wenn ihre Haut oder Schleimhaut bereits mit MRSA besiedelt ist. Menschen mit Vorbelastungen und geschwächtem Immunsystem sind dagegen häufiger von einer Infektion mit schwerem Krankheitsverlauf betroffen. Dazu gehören Krankenhauspatienten und chronisch Pflegebedürftige in Seniorenheimen, Dialysepatienten, und Diabetiker.

Auch Patienten mit Fremdkörpern wie Kathetern, einer Öffnung der Luftröhre nach außen oder Gelenkersatz gehören zu den gefährdeten Gruppen.

Darüber hinaus kann eine MRSA-Infektion bei Menschen mit Hautverletzungen wie Brandverletzungen und chronischen Wunden sowie generell besonders abwehrgeschwächten, älteren Patienten und Säuglingen schwer verlaufen.

MRSA Vorbeugung – so schützen Sie sich

Sie schützen sich und andere am besten durch penible Hygiene. Dazu gehört vor allem richtiges Händewaschen und regelmäßige Händedesinfektion.

  • Bei Besuchen im Krankenhaus sollten Sie sich die Hände vor und nach jedem Besuch mit dem dort bereitgestellten Desinfektionsmittel reinigen.
  • Auch im Krankenhausalltag ist das gründliche Händewaschen und Desinfizieren oberstes Gebot. Hautverletzungen und andere Wunden sollten stets mit sauberen Verbänden oder Pflastern abgedeckt werden. So vermeiden Sie nicht nur die eigene Infektion, sondern auch die Übertragung von Erregern auf andere Menschen.
  • Verleihen Sie keine persönlichen Hygiene- und Badartikel wie Handtücher, Waschlappen oder Rasierapparate und benutzen Sie stets die eigenen.
  • Bei Kontakt zu Menschen mit MRSA sollten Sie Pflegekräften und Ärzten davon berichten. So können eventuelle Schutzmaßnahmen getroffen werden.

MRSA-Ansteckung durch Lebensmittel?

In den vergangenen Jahren wurden auch vermehrt Fälle registriert, in denen sich Menschen außerhalb von Krankenhäusern infiziert hatten. So konnte man MRSA auch bei Nutztieren und in Lebensmitteln nachweisen. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat auf seiner Internetseite Fragen und Antworten zu MRSA und ihrem Vorkommen in der Lebensmittelkette zusammengestellt. Laut BfR stellt in Regionen mit hoher Tierdichte der MRSA-Nachweis beim Menschen mit 10 Prozent Übertragung von Tier auf Mensch mittlerweile einen erheblichen Anteil dar. In Regionen mit geringerer Tierdichte ist die Übertragungsrate mit 2 Prozent als moderat zu bezeichnen.

Hier können Sie sich über MRSA informieren

Ausführliche Beratung und Informationen bieten Ihnen die örtlichen Gesundheitsämter. Fachlich Wissenswertes finden Sie im Internet auf den Seiten des Robert Koch-Institutes.

Die Expertin im Interview

Frau Dr. Sophie Brümmer ist seit sechs Jahren niedergelassene Orthopädin und Unfallchirurgin, praktizierte 14 Jahre in diversen Berliner Krankenhäusern als Unfallchirurgin, Notfallärztin und als hygienebeauftragte Ärztin der Charité Campus Mitte und hat über "postoperative Wundinfektionen" promoviert.

Liebe Frau Dr. Brümmer, Sie haben über Krankenhauskeime, die Wege der Verbreitung und die Möglichkeiten der Behandlung promoviert. Wie haben sich die Erreger verändert, wie ihre Resistenzen? Müssen wir uns zukünftig auf megaresistente Killerkeime gefasst machen, gegen die kein Antibiotikum gewachsen ist?

Die Resistenz der Erreger gegenüber sonst gut verträglichen und verfügbaren Antibiotika hat stark zugenommen. Die Gefahr, dass es in Zukunft Keime gibt, die sich so verändert haben, dass gegen sie kein Antibiotikum mehr wirksam ist, besteht.

Welche persönlichen Erfahrungen haben Sie in Ihrem Krankenhausalltag mit MRSA-Infektionen gemacht und wie haben sich Ausbreitung und Behandlung verändert?

Leider haben die Komplikationen durch diese Erreger deutlich zugenommen. Grund ist vor allem die vorbehaltlose Anwendung von Antibiotika in Fällen, in denen keines nötig gewesen wäre oder ein einfaches gereicht hätte. Aber es werden immer häufiger nach dem Gießkannenprinzip hochpotente und breit wirksame Antibiotika eingesetzt, ohne den Erreger zu kennen, statt diesen gezielt zu behandeln. So entstehen die Multiresistenzen.

Bei Bronchitis etwa wird manchmal viel zu schnell ein Antibiotikum verschrieben. Auf Dauer gewöhnen sich die Erreger so an die Medikamente, die dann eben nicht mehr wirken. Resistenzen können aber auch entstehen, wenn abgelaufene Medikamente – in dem Fall Antibiotika – eingenommen werden.

MRSA-Infektionen werden bisher aufgrund der Resistenz des Erregers mit sogenannten Reserve-Antibiotika behandelt. Wie erfolgreich werden diese zur Zeit eingesetzt?

Es gibt glücklicherweise noch wirksame Antibiotika gegen MRSA, welche aber starke Nebenwirkungen haben können und nicht für alle verfügbar sind.

Wie lange wird es dauern bis ein adäquates Antibiotikum – wie z. B. das Lipopeptid-Antibiotikum – zur Behandlung von MRSA-Infektionen zugelassen ist?

Das kann man nicht genau sagen. Das Problem aber wird bleiben, dass die Keime uns immer einen Schritt voraus sind und auch gegen die neu entwickelten Medikamente Resistenzen entwickeln werden. Entscheidend ist der gezielte Einsatz des richtigen Antibiotikums und die Sensibilisierung in der Bevölkerung, denn auch die Selbstmedikation mit Antibiotika und die unsachgemäße Dosierung fördern die Resistenzbildung.

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