30.12.2016

Fashion-Blog Caroline Sprott: Kompressionsstrümpfe modisch kombinieren

Mode ist die größte Leidenschaft der Bloggerin Caroline Sprott - sie zeigt, wie man seine Kompression modisch kombiniert.

Foto: privat

Mode ist die größte Leidenschaft der Bloggerin Caroline Sprott - sie zeigt, wie man seine Kompression modisch kombiniert.

Menschen, die ein Lipödem haben, sind nicht einfach zu dick. Stattdessen leiden sie an einer chronischen Fettverteilungsstörung. Die Bloggerin Caroline Sprott hat ihrer Krankheit den Kampf angesagt und ihren eigenen Blog gegründet.

Auf ihrem Blog klärt sie auf, gibt Alltagstipps und macht Betroffenen Mut. Vor allem aber zeigt sie, dass ein Kompressionsstrumpf und Mode kein Gegensatz sein müssen - denn Mode ist ihre größte Leidenschaft. Im Interview mit bildderfrau.de erzählt Caroline Sprott, wie sie ihren Traum wahrgemacht hat.

bildderfrau.de: Frau Sprott, Sie sind Mediengestalterin und betreiben ihren eigenen Blog namens „Lipödem Mode“. Vor sechs Jahren wurde bei Ihnen ein Lipödem diagnostiziert. Ein Lipödem ist eine Fettverteilungsstörung, die vor allem bei Frauen auftritt und meistens an den Beinen, Hüften und Armen vorkommt. Wie genau äußert sich diese Krankheit?

Caroline Sprott: Es fing vor einigen Jahren auf einmal abends nach der Arbeit auf dem Heimweg an. Meine Beine taten höllisch weh und selbst Schmerztabletten halfen nicht mehr. Ich habe damals nicht so recht verstanden, wie ich damit umgehen sollte. Zumal ich auch noch übergewichtig war und ich Angst hatte, ein Arzt würde meine Symptome falsch deuten. Als ich beobachtete, wie sich mein Wadenumfang über den Tag vermehrte und die Beine schwer wie Blei wurden, wusste ich - da ist etwas nicht in Ordnung.

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Wie haben Sie sich gefühlt, als die Krankheit bei Ihnen diagnostiziert wurde? Schränkt Sie die Krankheit im Alltag sehr ein?

Als ich die Diagnose bekam, konnte ich mir darunter zuerst nichts vorstellen und wusste überhaupt nicht, was auf mich zukommen würde. Richtig aufgeklärt wurde ich nicht, aber wenigstens richtig versorgt. Erst, als ich mich im Internet mehr und mehr durch die Seiten geklickt hatte, wurde alles ein bisschen klarer.

Die große Einschränkung kam dann nach etwa drei Jahren, als auch meine Arme zusätzlich diagnostiziert wurden. Damals fiel ich in ein tiefes Loch. Ich hatte keine Kontrolle mehr über meinen Körper und es fühlte sich an, als befände ich mich in einer sehr schmerzhaften Sackgasse.

Das war für mich die schlimmste Zeit und belastete meine Beziehung, meine Psyche und meine Lebensfreude. Ich habe lange Reisen gemieden, brauchte Bewegungspausen und traute mich selbst nicht mehr, in ein Auto zu steigen. Die Liposuktionen (Fettabsaugungen, Anm. d. Red.) brachten mir dann Erleichterung, aber keine Beschwerdefreiheit.

Welche Therapiemöglichkeiten gibt es denn?

Wichtig ist, sich an den konservativen Therapieplan zu halten. Täglich die Kompression zu tragen und wöchentlich zur Lymphdrainage zu gehen, ist Pflicht! Mit Sport und Ernährung kann man zwar kein Lipfett (umgangssprachlich für das krankhaft angelagerte Fett, Anm. d. Red.), dafür aber gesundes Fett abbauen und so das Leben ein wenig leichter gestalten.

Ja, das Lipödem kann man mit Sport und Abnehmen nicht heilen, aber man kann sich trotzdem für ein gesundes Leben mit Bewegung entscheiden. Ich empfehle auch jeder Betroffenen eine Reha in einer Lymphklinik, um einmal den Körper intensiv zu entstauen. Es ist jedes Mal verrückt, wie viel man dort erreichen kann. Ich bin damals mit vier Litern weniger Lympheinlagerungen aus der Klinik gegangen!

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Eine Ihrer größten Leidenschaften ist Mode. Woher kommt diese Begeisterung?

Mode ist für mich jeden Tag ein kleines Spiel, eine Herausforderung. Was kombiniere ich, wie bringe ich aus alten und neuen Kleidungsstücken ein neues Outfit hervor? Was ist gewagt, besonders oder einfach nur stilsicher. Es macht mir einfach Spaß, durch mein Outfit meine Facetten zu zeigen: Chic, sportlich, casual, kreativ, business ...

Worauf achten Sie als modebewusste Frau denn besonders? Welches Kleidungsstück oder Accessoire darf in keinem Kleiderschrank fehlen?

Ein gut sitzendes Kleid ist Gold wert. Wenn es in einer unkomplizierten Farbe wie Grau, Schwarz oder Blau gehalten ist, kann man da schier alles zu kombinieren. Eine schöne Statementkette dazu und schon ist man angezogen.

Auch Ihren Blog starteten Sie mit Mode-Themen. Gemeinsam mit anderen Autorinnen behandeln Sie aber auch andere Themen, rund um's Lipödem. Was hat Sie dazu bewegt, den Blog zu gründen und warum steht Mode im Mittelpunkt?

Meine Freundin bat mich, die Kompression modisch in meinen Alltag zu integrieren und damit in die Öffentlichkeit zu gehen. Ohne sie hätte ich an diesen Schritt niemals gedacht. Als ich mich langsam in Instagram und das Bloggen eingearbeitet hatte, wuchs die Aufmerksamkeit und vor allem auch die Bewegung in der Lipödem-Szene. Immer mehr Frauen teilen heute ihre Outfitbilder und machen anderen Frauen Mut, sich von ihrer Kompressionsbestrumpfung nicht einschränken zu lassen.

Die Mode war jedoch nur der Anfang einer größeren Idee. Da ich aus eigener Erfahrung wusste, wie mühselig die Suche nach Informationen im Internet ist, hatte ich den Anspruch, den Blog zur Anlaufstelle für alle nicht-medizinischen Themen zu unserer Krankheit und unserem Alltag aufzubauen. Da ich diese Vision nicht allein realisieren konnte, habe ich nun ein Team aus fünf tollen Mädchen. Jede macht mit ihrem Schwerpunkt den Blog zu dem, was er heute ist.

Neben Modetipps schreiben Sie auch über persönliche Themen. So berichten Sie etwa über Ihre Liposuktion, die Fettabsaugung. Wem würden Sie einen solchen operativen, schweren Eingriff empfehlen?

Ich würde diese Operation nur Frauen empfehlen, die wirklich absolut keinen anderen Ausweg aus einer nicht erträglichen Situation sehen. Denn oft resultieren diese schweren Eingriffe in Ernüchterung, weil das Ergebnis nicht den Hoffnungen entspricht, sie trotzdem noch Kompressionen brauchen oder die Heilung länger andauert, als gedacht. Die Liposuktion kann helfen, aber sie bewirkt auch keine Wunder. Aber, Gott sei Dank, gibt es sie.

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Können Sie Verbesserungen feststellen?

Absolut. Ich kann wieder länger sitzen und Bahn- oder Autoreisen ertragen und bin nicht mehr so druckempfindlich, wie ich es einmal war. Die Beine sind leichter und der Alltag dadurch ein wenig einfacher zu ertragen.

Gerade ihre Berichte über operative Eingriffe können Betroffenen Mut machen und Ihnen die Angst nehmen. Mode- und Beautytipps sorgen sicherlich für mehr Selbstvertrauen. Welche Resonanz bekommen Sie von Ihren Lesern?

Viele sind dankbar, dass wir sehr ehrlich und ungeschönt über diese Erfahrungen berichten. Oft wird die Liposuktion bedenkenlos in den Himmel gepriesen. Dass es jedoch ein steiniger und vor allem langer Weg ist, wird nicht so sehr betont.

Und auch unsere Modetipps werden dankbar aufgenommen. Denn viele Patienten wählen zwar eine schöne Farbe für ihre Kompressionsbestrumpfung aus, sind dann aber im Nachhinein unsicher, wie sie sie kombinieren sollen. Ich inspiriere Sie mit meinen Outfits und nehme Ihnen dabei auch ein wenig die Angst davor, dass die Bestrumpfung wie ein Fremdkörper wirken könnte.

Welche Themen interessieren ihre Leserinnen besonders?

Eine Umfrage bei unseren Lesern hat ergeben, dass wir mit unserem Repertoire genau in die richtige Richtung gehen. Mode, Beauty, Sport, Ernährung, Reisen und Zwischenmenschliches ist das, was viele Betroffene beschäftigt. Wie ernähre ich mich am besten mit Lipödem? Worauf muss ich bei meinem Rezept für die nächste Versorgung achten? Mit welchem Sport kann ich meinen Lymphfluss anregen? Was sind die Modetrends im Frühling/Sommer 2017? All das sind Themen, die unsere Leserinnen interessieren.

Inwiefern hilft es auch Ihnen, sich anderen Menschen mitzuteilen?

Mir ist es wichtig, stets im Austausch mit anderen zu stehen. Ich möchte erfühlen, wo noch Verwirrung herrscht, welche neuen Erkenntnisse es gibt oder welche potenziellen Falschaussagen es zu widerlegen gilt. Gerne helfe ich auch, wenn sich jemand mit seinen Fragen direkt an mich wendet. Wir sind als Betroffene nur stark in der Gemeinschaft. Die Kontakte und der Zusammenhalt sind für die Öffentlichkeitsarbeit und den Informationsfluss sehr wichtig.

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Was wünschen Sie sich für Ihre Zukunft?

Mehr Zeit. Es gibt noch so viel zu schreiben, außerdem möchte ich weitere Kontakte knüpfen, Netzwerkarbeit betreiben und den Blog weiter auszubauen. Das alles nebenberuflich zu stemmen, kostet viel Zeit und Kraft. Von beidem wünsche ich mir mehr, um mehr Menschen zu erreichen und die Öffentlichkeit noch mehr aufzuklären.

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