14.10.2019

Hilft von Geburt an bis zum Tod Fußreflexzonen-Massage: Der ganze Mensch steckt im Fuß

Fußreflexzonen-Therapie: Krankheiten über die Füße heilen – das steckt hinter der therapeutischen Fußreflexzonenmassage.

Foto: iStock/KatarzynaBialasiewicz

Fußreflexzonen-Therapie: Krankheiten über die Füße heilen – das steckt hinter der therapeutischen Fußreflexzonenmassage.

Verdauungsprobleme, Rückenschmerzen oder Menstruationsbeschwerden? Druck auf eine bestimmte Stelle am Fuß kann da helfen. Was hinter der Fußreflexzonen-Massage steckt und wie sie wirkt.

Die Füße sind ein Spiegelbild des Körpers – sagt die Fußreflexzonentherapie. Was genau das heißen soll und welche organischen Beschwerden sich durch den gezielten Druck einer Fußreflexzonen-Massage lindern lassen, erklärt Dr. Reinhard von Neipperg. Der ehemalige Historiker ist heute Heilpraktiker und leitet den Lehrerverband für Reflexzonentherapie am Fuß nach Hanne Marquardt.

Was genau ist eine Fußreflexzonen-Massage?

Da beginnt für Reinhard von Neipperg schon das erste Problem, denn Fußreflexzonen-Massage sei ein offener Begriff: "Man kann die Füße massierend bearbeiten, mehr auf der Wellnessebene. Aber wir nutzen das Reflexfeld, um therapeutisch etwas zu verändern beim Patienten und nennen daher unsere Methode 'Reflexzonentherapie am Fuß'."

"Der ganze Mensch spiegelt sich im Fuß wieder"

"Hinter der Methode steckt die Idee, dass sich der ganze Mensch im Fuß widerspiegelt“, führt von Neipperg aus. "Und zwar nicht nur auf der Fußsohle, sondern auch auf dem Fußrücken.“ Sehr gut veranschaulicht wird dieser Ansatz, wenn der Fuß von der Seite betrachtet wird, "dann kann man gut in ihm einen sitzenden Menschen erkennen“.

Dabei spiegelt der Fußrücken den Menschen von vorne und die Fußsohle den Menschen von hinten wieder. "Man kann sich das so vorstellen, der Kopf ist in den Zehen zu finden, und unten in der Ferse sitzt sozusagen das Becken“, beschreibt von Neipperg die jeweils zugehörigen Zonen. "Wenn man beide Fersen nebeneinander stellt, und von der Fußsohle anschaut, erkennt man ja direkt die Pobacken. Wo beide Fersen sich treffen, sitzt auch die Zone für die Pofalte, mit dem Anus, dem Beckenboden usw. Und die Außenseite mit den Außenknöcheln usw. entsprechen der Hüfte. Die inneren Organe projizieren sich allesamt eher auf die Fußsohle. Wir arbeiten also nicht nur an der Fußsohle, sondern eben auch am Fußrücken und haben einen bildhaften Zugang bei der Therapie, da man in der kleinen Form des Körperteils das Ganze widergespiegelt sehen kann."

Die Schulmedizin hat da wohl ihre Zweifel an der Aussagekraft dieses Formenvergleichs, "aber wir Therapeuten sagen, diese Formenübereinstimmung ist doch verblüffend und nutzen das einfach.“ Die Methode steht ja mit dieser Herangehens- und Betrachtungsweise nicht allein da. Neipperg merkt an, "auch in der Akkupunktur wird der Mensch als Ganzes abgebildet. Hier allerdings im Ohr und auch nicht sitzend, sondern in der Embryonalhaltung“. Sprich: Der Kopf sitzt unten im Ohrläppchen und kann von dort stimuliert werden und an der Ohrleiste entlang nach oben die Wirbelsäule. Oben ist der Po zu finden und dazwischen inneren Organe.

Das große Plus an der Methode ist für von Neipperg, dass der ganze Mensch mit allen Organen und Strukturen wiedergespiegelt wird, die seelische eingeschlossen: "Die Patienten sind oft im wahrsten Sinne des Wortes tief berührt von den Anwendungen. Auch auf der emotionalen Ebene kann sich etwas verändern."

Wie muss ich mir die Behandlung vorstellen?

Die Therapie darf nur von einem Behandler aus einem therapeutischen Beruf durchgeführt werden, also einen Heilpraktiker, Physiotherapeuten oder Masseur. Denn "die deutsche Gesetzgebung ist da sehr streng, wer therapeutisch arbeiten darf“, merkt von Neipperg an. Am Anfang steht ein gutes Anamnesegespräche. "Ich als Therapeut muss wissen, was der Patient erwartet, welche Krankheiten er mitbringt, damit ich gut arbeiten kann. Schließlich könnte auch eine Kontraindikation vorliegen.“ Leidet der Patient beispielsweise an einer schweren Herzerkrankung, muss mit der Herzzone entsprechend vorsichtig verfahren werden.

Nach der Anamnese geht der Therapeut an die Füße. Zunächst untersucht er sie äußerlich auf Auffälligkeiten. "Wobei der Sichtbefund nicht so wichtig ist wie der Tastbefund. Dabei arbeitet der Therapeut dann die Füße komplett durch mit ganz bestimmten Grifftechniken“, erklärt von Neipperg. Am Fuß wird überprüft, in welchen Zonen das Schmerzempfinden oder das Gewebe auffällig sind. "Interessant sind natürlich die Bereiche, die bereits durch die Anamnese im Fokus stehen“, berichtet Neipperg. "Klagt der Patient beispielsweise über Verstopfungen, wird der Darm auch von mir mit in den Mittelpunkt gerückt werden.“ Der Befund zeige darüber hinaus manchmal noch präziser, um welche Stellen des Darms es sich dann genau handelt oder welche Stellen noch dazukommen. "Das ist das Schöne an der Methode. Man arbeitet nicht nur direkt am Beschwerdebild – sondern kann noch weitere Zusammenhänge aufdecken. Die gerade erwähnten Darmprobleme beispielsweise haben oft mit der Lendenwirbelsäule zu tun, weil die für den Darm zuständigen Nervenbahnen von der Lendenwirbelsäule abgehen. Das kann die Therapieform wunderbar nutzen und der Befund gut herausfinden.“ Hier sieht von Neipperg den großen Vorteil gegenüber anderen Therapieansätzen: "Bei einem Darmproblem arbeiten wir eben nicht nur direkt am Darm, sondern zum Beispiel auch auf der Bauchmuskulatur oder am Zwerchfell, dessen Schwingungen wiederum den Darm unterstützen.“

Befund wird erhoben – keine Diagnose

Von Neipperg betont: "Wichtig ist festzustellen, dass es sich um einen Befund handelt, nicht um eine Diagnose – das lässt der Fuß nämlich nicht zu." Aus dem Befund lässt sich also nicht ablesen, welche Krankheit der Patient hat. Ist eine Zone auffällig, kann das viele Ursachen haben. "Beispielsweise kann das betroffene Organ akut entzündet sein oder aber auch eine alte, bereits fast verheilte Erkrankung vorliegen – vielleicht aber auch eine angeborene Krankheit, die aber nie weiter Beschwerden verursachte, denn der Körper kann ja viel kompensieren", erläutert von Neipperg. "Und schließlich tut der Fuß einfach manchmal weh, weil er selbst ein Problem hat. Der Befund am Fuß lässt keine eindeutige Diagnose zu."

So wird stimuliert

Im asiatischen Raum wird in der Reflexzonentherapie zum Teil mit Stäbchen oder Holzklötzchen gearbeitet. Doch von Neipperg betont die Wichtigkeit für die von ihm gelehrte Methode, "dass mit der Hand und nicht mit Hilfsmitteln gearbeitet wird. Wird der Mensch direkt berührt, nimmt der Therapeut so bestens wahr, wo Veränderungen im Gewebe auftreten."

Im therapeutischen Bereich wird eine Grifftechnik eingesetzt, "bei der man mit dem Daumen oder mit dem Finger über den Fuß weggeht und immer wieder Impulse in die Tiefe setzt", erklärt von Neipperg. "Der Daumen rollt über das Gewebe, vom Arm geschoben, der Daumen beugt sich und geht ins Gewebe hinein, setzt den Impuls und schwingt zurück. Der Daumen entspannt, dann rollt er ein bisschen weiter, geht wieder ins Gewebe hinein, und setzt den nächsten Impuls." Und so wandert der Therapeut mit kleinen Impulsen, immer aktiv und passiv im Wechsel über den Fuß und einzelne Zonen hinweg. "Die wichtigen Stellen kommen mehrfach dran, und werden mit dieser Technik durchgearbeitet."

Eine Therapie für alle – vom Säugling bis zum sterbenden Menschen

Besonders gut reagiert beispielsweise der Verdauungsapparat auf die Reflexzonentherapie am Fuß. "Auch der ganze Bewegungsapparat, mit der Muskulatur und den Gelenken usw., ist gut ansprechbar", unterstreicht von Neipperg. Auch sämtliche Schmerzzustände, wie Kopf-, Magenschmerzen usw. sprechen ebenfalls gut an auf die Reflexzonentherapie am Fuß.

Äußerst positiv ist die große Breite der Methode: "Die Therapie kann vom Säugling bis hin zum sterbenden Menschen angewandt werden. Man kann Säuglinge direkt nach der Geburt behandeln – die Atmung und das Herz unterstützen, oder wenn sie Blähungen haben. Und man kann Sterbende bis in die letzten Minuten des Lebens an den Füßen begleiten, schauen, was kann man noch entlasten. Auch mit behinderten Menschen kann man so gut arbeiten, wenn sie zulassen, dass man die Füße berührt."

Besonders gut bei Frauenbeschwerden und Polyneuropathie

Auch das Hormonsystem lässt sich durch die Therapie bestens regulieren. "Das ist vor allem für Frauen interessant, die mit Dysmenorrhoe oder Amenorrhoe (starke Menstruationsbeschwerden bzw. Ausbleiben der Periode, Anmerk.d.R.) zur Behandlung kommen." Und besonders gute Erfahrungen hat von Neipperg auch mit der Methode bei Polyneuropathie gemacht, die oft nach erfolgter Chemotherapie bei Krebserkrankungen auftritt. "Die damit einhergehenden starken Schmerzen in den Händen und Füßen lassen sich so gut lindern oder treten erst gar nicht auf, wird die Reflexzonentherapie am Fuß rechtzeitig angewandt." Beeindruckend intensiv spricht über die Füße auch die Schlaf-, Traum- und Gefühlsebene sowie das vegetative Nervensystem an. "Sehr viele Patienten reagieren mit veränderten Träumen, können so schwerwiegende Lebensereignisse besser verarbeiten."

Kontraindikationen – wann ist abzuraten?

Neipperg betont, es ist generell "ganz wichtig, einen Arzt aufzusuchen, wenn beispielsweise Durchfälle nicht mehr aufhören oder bei Frauen Zwischenblutungen auftreten".

Eine echte Kontraindikation kann beispielsweise eine schwere Fußerkrankung durch Rheuma sein. Dann löst die Methode unter Umständen zu viel Schmerz aus, "das ist unzumutbar". Und bei schweren Venenentzündungen "haben wir die Sorge, dass sich unter der Behandlung ein Thrombus (Blutgerinnsel, Anm.d.Red.) lösen könnte."

Auch bei psychotischen Störungen sollte von einer ambulanten Behandlung abgesehen werden. "Denn ich habe schon bei depressiven Menschen erlebt, dass sie nach einer Behandlung in eine manische Phase rutschten und beispielsweise eigenmächtig Medikamente abgesetzt haben." Hat man die behandelten Menschen weiter im Blick, beispielsweise stationäre Patienten in Psychosomatischen Kliniken oder auch Psychatrien, ist eine Behandlung gut möglich.

Wie genau erreichen die Impulse die Organe und den Rest des Körpers?

"Das ist eine noch nicht genau geklärte Frage", räumt von Neipperg ein. "Bei der Reflexzonentherapie am Fuß handelt sich um eine Erfahrungsmedizin, die gut zeigen kann, DASS sie wirkt. Aber eine wissenschaftlich befriedigende Erklärung über die Wirkmechanik gibt es bislang nicht." Jahrzehnte lang ging man davon aus, die Impulse würden über die Nervenbahnen wirken. "Doch die Methode wirkt genauso gut bei Menschen, deren Nervenbahnen komplett zerstört wurden – zum Beispiel bei Diabetikern, deren Nervenzellen am Fuß in Folge der Krankheit absterben und der Patient dort nichts mehr spürt. Und trotzdem wirkt die Methode."

Möglicherweise sind die Faszien an der Übertragung der Reize beteiligt. "Dass innerhalb der Faszien Wirkungen weiterwandern, kann als gesichert gelten. Jedoch bleibt die Frage, woher wissen die Faszien, dass die eine Stelle am Fuß mit einem bestimmten Organ verbunden ist." Möglicherweise kann der Studienansatz des Astrophysikers Professor Fritz-Albert Popp († 2018) eines Tages die Wirkung der Reflexzonentherapie erklären. Popp erforschte sogenannte Biophotone, die zu einem auf Licht basierendem Informationssystem innerhalb der Zelle gehören.

Studien belegen die Wirkung

Die Wirksamkeit der Reflexzonentherapie am Fuß konnten auch schon einige Studien untermauern. Von Neipperg nennt unter anderem die experimentellen Studien der Uni Innsbruck, die beweisen konnten, "dass Organe, deren Zone mit der Methode stimuliert wurden, mit einer Mehrdurchblutung reagieren". Dort wurden speziell die Niere und auch eine der Baucharterien stimuliert.

Wie unterscheidet sich die Fußreflexzonen-Therapie von der Akkupressur?

Von Neipperg beschreibt die Technik der Akkupressur als eine ganz andere: "Man bleibt in der Akkupressur drückend oder pressend solange auf den gestörten Stellen stehen, bis man den Eindruck gewinnt, die Störung habe sich energetisch aufgelöst. Der Gewebetonus verändert sich dann." Die Reflexzonentherapie des Fußes hingegen "läuft über Zonen und Organfelder hinweg und bearbeitet diese und bleibt nicht auf einer Stelle stehen. Es gibt keine Einzelpunkte, sondern wir haben alle Organe, alle Gelenke, alle Strukturen am Fuß flächig wiedergespiegelt".

Auch in der Reflexzonentherapie wird sowohl anregend und schnell als auch beruhigend und langsam gearbeitet. "Kommt jemand mit Verstopfungen, werde ich die Darmzone anregend und schnell bearbeiten. Klagt der Patient aber über Durchfall, führe ich die Grifftechnik sehr langsam und beruhigend durch."

Behandlung an der Handfläche eine Alternative?

Auch die Hand ist Träger von Reflexzonen, doch die Wirkungsweise scheint deutlich schwächer, als am Fuß zu sein. "Aber wenn ein schwer erkrankter Fuß vorliegt oder in Notfällen, beispielsweise, wenn jemand in Ohnmacht gefallen ist, ist die Hand eine willkommene Alternative, bevor großartig die Schuhe ausgezogen werden müssen, um an die Füße ranzukommen."

Wichtiger Hinweise für die Eigentherapie

Jeder Mensch kann sich – "solange es Leibesfülle und Beweglichkeit zulassen" – auch selbst behandeln. Die Gefahr dabei ist nur, sich zu viel zuzumuten. Aber moderat betrieben, ist es durchaus eine angenehme Möglichkeit, sich selbst etwas Gutes zu tun und sich zu helfen. Sowohl für die Behandlung beim Therapeuten, als auch in der Eigenbehandlung gilt: es darf wehtun, aber nicht überfordern. Und ganz wichtig: Immer auf das Vegetativum (das vegetative Nervensystem, Anm.d.Red.) achten. "Wenn also die Hände feucht werden und Hitze aufsteigt oder aber sich Übelkeit andeutet – heißt das STOP."

Mit wievielen Behandlungen und welchen Kosten muss ich ungefähr rechnen?

Die Behandlung dauert in der Regel 45 Minuten, plus Vorgespräch sowie 5-10 Minuten Nachruhezeit – also insgesamt ca. eine Stunde. Die Stundensätze fallen je nach Berufsbild oder Praxislage unterschiedlich aus. Bei den Heilpraktikern bewegen sich die Preise im Schnitt bei 60-80 Euro.

Auch die Anzahl der Behandlungen varriert. "Zu mir kommen Patienten, deren Beschwerden bereits nach 2-3 Sitzungen deutlich besser sind – beispielsweise eine blockierte Wirbelsäule. Andere kommen für 12 Behandlungen, weil es einfach länger braucht oder sie vielleicht auch einfach mehr Geld haben." Neipperg hat aber auch Patienten, die er seit Jahren behandelt: "Die kommen alle zwei Wochen zu mir. Die Behandlung tut ihnen gut, sie schlafen wieder ein paar Tage besser, ihre Verdauung ist eine Zeit lang wieder gut." Besonders ältere Patienten mit chronischen Erkrankungen kommen sehr gerne lange, aber dafür nicht ganz so häufig in der Frequenz. Als Durchschnittszahl nennt Neipperg 15 Behandlungen, was von Fall zu Fall variiert.

Vom Historiker zum Fußreflexzonentherapeut – wie geht das?

Ein Schlüsselerlebnis änderte den Lebensweg das damaligen Doktoranten . "Ich stand am Krankenhausbett einer älteren Frau, die ganz unruhig war nach einer Oberschenkelhals-OP. Aus Mitleid nahm ich das einzige in die Hand, was ich von ihr erreichen konnte: ihre kalten Füße. Und dann konnte ich nur staunen, wie die Frau, wie ihre Atmung viel ruhiger wurde. Und auch an den Apparaten, die an ihr hingen, konnte man erkennen, wie sich die Herzfrequenz beruhigte und die Sauerstoffsättigung des Blutes sich verbesserte." Da wusste von Neipperg noch gar nicht, dass es eine ganze Therapie zu diesem Phänomen gibt. "Und aus diesem Grund bin ich überhaupt Heilpraktiker geworden, allein wegen der Methode, deren Wirkungsweise ich damals in diesem Krankenhauszimmer zufällig erlebte." Und der alte Beruf? "Historiker bin ich nur noch hobbymäßig. Die Arbeit mit dem Lebendigen hat mich dann doch mehr fasziniert als das alte Zeugs."

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