Aktualisiert: 14.09.2020 - 21:53

Nach 17 Jahren Krähe Charly: 81-Jährige muss ihr geliebtes Haustier abgeben

Krähen können recht menschennah werden – vor allem, wenn Essen im Spiel ist. Dass eine Krähe so wie Charly als Haustier lebt, ist dagegen eher ungewöhnlich (Symbolbild).

Foto: Getty Images / TOBIAS SCHWARZ / Kontributor

Krähen können recht menschennah werden – vor allem, wenn Essen im Spiel ist. Dass eine Krähe so wie Charly als Haustier lebt, ist dagegen eher ungewöhnlich (Symbolbild).

Renate Schoemann lebte 17 Jahre lang mit einer Krähe zusammen. Jetzt haben die Behörden ihr ihren Charly weggenommen – wahrscheinlich für immer. Die 81-Jährige ist am Boden zerstört.

Krähen sind weniger die Tiere, die man in einer Wohnung erwartet. Nicht so bei Renate Schoemann. Bei der Rentnerin aus Bad Segeberg hat bis vor Kurzem Krähe Charly gelebt. Jetzt hat der Tierschutz ihr den gefiederten Mitbewohner weggenommen – nach 17 Jahren.

Nach anonymer Anzeige: Rentnerin muss Findel-Krähe nach 17 Jahren abgeben

Klar, es gibt diese Tiere, die eigentlich nicht als Haustier geeignet sind – vor allem jegliche Arten von Wildtieren. Darunter fallen sicher auch Krähen. Doch wie sieht das aus, wenn der Vogel im Haus aufgewachsen ist und das Leben in der freien Wildbahn gar nicht kennt? Das Tierschutzgesetz ist da knallhart: Krähenhaltung im Haus ist verboten. Zum Leid von Renate Schoemann, die ihren Ziehvogel einst vor dem wohl sicheren Tod gerettet hatte.

Im Juni 2003 hatte die Bad Segebergerin das verletzte Tier am Straßenrand gefunden, wie die "Lübecker Nachrichten" berichteten. Sie nahm den kleinen Vogel, der den Angaben der Rentnerin zufolge damals mehr Flaum als Federn und vor allem ein gebrochenes Bein hatte, kurzerhand mit. Ihr ist klar: Ohne sie wäre Charly gestorben. Sie päppelte die kleine Krähe auf, die zu einem stattlichen Tier heranwuchs und die folgenden etwas mehr als 17 Jahre das Leben von Renate Schoemann bereichern sollte. Doch damit ist nun Schluss. Eine anonyme Anzeige flatterte ins Haus.

Gesetz: Wildtiere gehören nicht ins Haus

Kurz später klopften Mitarbeiter des Veterinäramts an ihre Haustür, erzählt Schoemann. Sie dürfe die Krähe nicht im Haus halten, das verstoße gegen das Tierschutzgesetz. Soweit so gut, aber nach 17 Jahren? Die 81-Jährige kann es bis heute nicht fassen, musste ihren besten Freund hergeben und vermisst ihn nun ganz schrecklich: "Ich bin so verzagt", sagt sie gegenüber den "Lübecker Nachrichten". "Das ist doch kein Tierschutz, wenn ich nichts getan hätte."

Das Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) sagt da leider etwas anderes: Die Haltung von Wildtieren ist verboten. Aufpäppeln verletzter oder kranker Tiere ist in Ordnung, doch sobald der Vogel wieder bei Kräften ist, sei er wieder auszuwildern oder an eine Auffangstation abzugeben, heißt es dort. Ausnahmegenehmigungen gibt es, doch muss jedes gefundene und behandelte Tier gemeldet werden. Die Ausnahmegenehmigung gibt es dann nur, wenn das Tier nicht mehr ausgewildert werden kann.

Unklar, was aus Charly wird

Das dürfte bei Charly, der mit seinen 17 Jahren bereits Krähen-Rentner ist (Krähen werden im Schnitt zwischen 15 und 20 Jahre alt), durchaus der Fall sein. Doch Renate Schoemann bekam die Ansage: Sie bekommt ihren Charly nie wieder. Auch Gespräche zwischen einem Tierarzt und Bad Segebergs Bürgervorsteherin mit dem Kreisveterinäramt konnten daran bisher nichts ändern. Derzeit lebt Charly in einer Wildtierstation bei Elmshorn. Wie es mit ihm weitergehen soll, dazu hat sich das Veterinäramt des Kreises Segeberg bisher noch nicht geäußert – im Vorfeld sprach man aber von "erheblicher Vernachlässigung".

Menschen auf der Seite von Renate Schoemann gibt es aber einige: Sogar eine Petition wurde bereits gestartet. Die Ersteller plädieren dafür, ihr den Vogel zurückzugeben. Es widerspreche jeglicher Logik, "den Vogel nach so langer Zeit aus seiner gewohnten Umgebung zu nehmen", heißt es dort. Immerhin: 17 Jahre sprechen eigentlich für sich, sollte man meinen...

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In den USA hätte es die Dame wahrscheinlich einfacher, ihre Krähe zu behalten. Etwa wie Steven, der einst der kleinen Ente Cheerio das Leben rettete – oder wie Tito der Waschbär, der mittlerweile Instagram-Star ist. Eine Krähe mag als Haustier ungewöhnlich sein und sollte so auch nur in absoluten Ausnahmefällen gehalten werden. Denn Wildtiere sind für das Leben im Haus nicht gemacht. Lieber eine Katze? Sollten Sie auch da nicht sicher sein, hilft Ihnen vielleicht ein Aufenthalt in einem Katzen-Hotel.

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