Aktualisiert: 14.09.2020 - 20:12

Immer mehr greifen zur Karte Das Bargeld stirbt aus – und Corona beschleunigt es

Kramen Sie noch nach Bargeld oder gehören Sie schon zum Schlag der überzeugten Kartenzahler? Die Corona-Krise hat unser Verhalten da ein wenig beeinflusst... stirbt das Bargeld wirklich aus?

Foto: iStock.com/Space_Cat

Kramen Sie noch nach Bargeld oder gehören Sie schon zum Schlag der überzeugten Kartenzahler? Die Corona-Krise hat unser Verhalten da ein wenig beeinflusst... stirbt das Bargeld wirklich aus?

Wie zahlen Sie? Mit Karte oder doch noch in bar? Glaubt man einer aktuellen Umfrage in europäischen Ländern, hat das Bargeld möglicherweise bald ausgedient.

Eigentlich lieben die Deutschen ihr Bargeld – und im europäischen Schnitt stehen sie noch immer weit oben als Verfechter des "Bar auf die Kralle". Doch der Wandel zum Zahlen mit Karte und Co hat schon längst begonnen – und wurde durch die Coronavirus-Krise so richtig angefeuert. Das Bargeld stirbt aus. Aber zahlen wir bald nur noch kontaktlos? Bis dahin wird's wohl trotzdem noch dauern.

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Bargeld stirbt aus – so langsam auch in Deutschland?

In London entlarven sich deutsche Touristen oft selbst, wenn sie ihr Bündel britischer Pfunds zücken und ihren Kaffee bezahlen wollen. Der Brite und die Kreditkarte sind nämlich mittlerweile beste Freunde. Der noch so kleinste Einkauf wird mit einem kurzen Drüberziehen eines Stückchens Plastik quittiert. Altbacken, wer noch Münzgeld mit sich herumschleppt. In Schweden sieht's seit Jahren sogar noch klarer aus: Nur 15 Prozent der Bevölkerung wahren den Glaubenssatz "Nur Bares ist Wahres" noch.

Der wiederum hat Deutschland noch fest im Griff – zumindest bis kurz vor der Corona-Krise. Wirkung zeigen sie nämlich, die vielen Hinweise, man solle seinen Einkauf doch lieber mit Karte zahlen. Auf dem Papier könnten sich schließlich Viren anheften, die – so unwahrscheinlich die Schmierinfektion ist, die Möglichkeit ist doch vorhanden – so ein Leichtes haben, von Portmonee zu Portmonee und von Mensch zu Mensch zu wandern.

Tendenz "bargeldlos" steigt vor allem seit Corona

In ganz Europa zahlen nur noch 36 Prozent der Verbraucher bevorzugt mit Scheinen und Münzen – zumindest in den zehn europäischen Ländern, in denen sich die Unternehmensberatung PwC Strategy& unter 3.500 Verbrauchern umgehört hat.

Vor einem Jahr, also noch bevor irgendwer das Wort "Covid-19" überhaupt kannte, waren es noch 43 Prozent. Dabei ist es gar nicht mal die Kreditkarte, die gezückt wird, sondern vielmehr die Debitkarte (in Deutschland Girokarte), aber auch mobile Bezahlapps.

Deutschland (56 Prozent pro Bargeld) und Österreich (57 Prozent) sind darunter nach wie vor die größten Verfechter des Baren. Doch auch hier steigt die Tendenz zu Karte oder App: Vor einem Jahr sprachen sich in beiden Ländern noch über 60 Prozent für Bargeld aus.

Schweden steht innerhalb der befragten Länder an der Spitze: Nur 15 Prozent der Verbraucher schwören auf Bargeld, gefolgt von den Niederlanden und Frankreich. 44 Prozent der befragten Verbraucher europaweit gaben an, mittlerweile häufiger mit Karte zu zahlen, nur 15 Prozent zahlen öfter bar.

Befragt wurden neben Deutschland, Österreich, die Schweiz, Italien, Frankreich, Spanien, Großbritannien, Polen, die Niederlande und Schweden auch Menschen in Irland und der Türkei, jedoch wurden die Werte nicht in den Vergleich mit aufgenommen.

Verbraucher weiter verunsichert wegen Datenweitergabe

Zwar bezahlen vermehrt auch Menschen mit Bezahl-Apps, jedoch zeigen sich die meisten in diesem Bereich noch mit Vorbehalten. Denn wer Bezahl-Apps oder andere Finanz-Apps nutzt, teilt auch persönliche Daten. Ob der Datenschutz zu Genüge greift, darüber sind sich viele Verbraucher unsicher – was sich in Hemmungen gegenüber des sogenannten "Open Banking" zeigt.

55 Prozent der Befragten lehnt das Teilen der persönlichen Daten bei den eigenen Finanzen ab, 20 Prozent sind dazu bereit, der Rest zeigte sich unschlüssig. Studienautor Andreas Pratz erklärt, dass es hier nun an den Anbietern liegt: "Banken und Fintechs können ihren Kunden beispielsweise mit der übergreifenden Kontrolle über sämtliche Konten, Abbuchungen und Verträge die Vorteile von Open Banking aufzeigen." Zudem müsse es weitere Vorteile geben, etwa Rabatte fürs Einkaufen, automatisierte Steuererklärungen oder etwa gebührenfreie Bankdienstleistungen.

Immerhin: Der Bundesbankvorstand erklärte vergangenes Jahr: Bargeldloses Bezahlen wird langsam akzeptiert. Die Veränderungen im Einkaufsverhalten während der Corona-Krise halfen ihr Übrigens. Und Umdenken war bei vielen angesagt, als Bankfilialen vorübergehend geschlossen hatten. Wir sind gespannt, wie es weitergeht mit dem lieben Bargeld.

Mehr lesen? Was muss ich tun, wenn ich ein Portmonee gefunden habe? Das und mehr klären wir auf unserer Themenseite "Ratgeber Recht".

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