22.01.2020

Amazon und Co Darum verschicken Online-Händler zu große Pakete

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Online-Händler wie Amazon liefern bestellte Ware häufig in viel zu großen Paketen.

Foto: iStock/Julie Clopper

Online-Händler wie Amazon liefern bestellte Ware häufig in viel zu großen Paketen.

Wer Ware über Online-Händler wie Amazon bestellt, wundert sich oft über zu große Pakete. Warum das so ist, wie die Unternehmen damit Geld machen.

Für Geburtstags- oder Weihnachtsgeschenke persönlich ins Geschäft gehen? Der Einzelhandel wirkt für viele wie aus der Zeit gefallen. Die meisten Verbraucher setzen seit Jahren auf Online-Händler wie US-Riese "Amazon" und bestellen über das Internet ganz einfach und mit nur einem Klick alles, was das Herz begehrt.

Doch ist Ihnen dabei auch schon einmal aufgefallen, dass die bestellte Ware häufig in viel zu großen Verpackungen geliefert wird? Umweltfreundlich und effizient ist das nicht. Nun kommt heraus: E-Commerce-Anbieter wie Amazon verschicken bewusst die Pakete zu groß. Denn damit lässt sich eine Menge Geld einsparen. Wie das geht?

Zu große Pakete: Die Strategie von Amazon und Co

Das hat das Verbrauchermagazin "Super-Markt" des Rundfunks Berlin-Brandenburg (RBB) herausgefunden und dokumentiert. Zuschauer sollten der Redaktion von ihren Erfahrungen mit viel zu großen Verpackungen berichten. 70 Kunden haben sich gemeldet mit Verpackungsformaten, die alarmierend sind.

Besonders kleine Dinge wie Fernbedienungen und Scheibenwischer sind demnach in viel zu großen Paketen mit zu viel Füllmaterial versendet worden. Gegenüber "Super-Markt" erklärte Amazon, dass der Versandhändler über 30 verschiedene Kartongrößen einsetze. Die Produkte werden hinsichtlich Größe, Höhe und Gewicht erfasst, und anschließend erhalte der Verpackungs-Mitarbeiter eine Empfehlung, welches Paket geeignet sei.

Online-Händler wollen Lohnkosten minimieren

Weil Scheibenwischer sehr schmal sind, könne man bei einer zu kleinen Verpackung zum Beispiel nicht das Versandlabel drauf drucken, erklärt Amazon – deshalb das größere Format. Andere Versandhändler arbeiten in der Logistik mit einer viel geringeren Anzahl an Kartongrößen, zum Teil nur mit sechs verschiedenen. Das erklärt, warum die Gegenstände oft in zu großen Paketen landen.

Warum überdenken die E-Commerce-Anbieter nicht ihr Konzept, um Müll einzusparen? Sie könnten theoretisch mehr Verpackungsformate anbieten. Entscheidend sind die Lohnkosten, die Amazon und Co niedrig halten und so Geld sparen wollen. "Super-Markt" hat dazu Karl-Heinz Behrens von der Berliner Kartonagenfabrik "Fapack" befragt. Er sagte dem Verbrauchermagazin: "Wenn der Verpacker zu lange Zeit hat, sich zu überlegen, welche Größe er nimmt, ist das teurer als die größte Schachtel."

In Deutschland wird tatsächlich hauptsächlich aufgrund des Online-Handels zu viel Papier verbraucht. Um der Verpackungs- und Transportflut entgegenzutreten, überlegt Amazon allerdings, den "Amazon-Tag" einzuführen und Pakete bald nur noch einmal wöchentlich auszuliefern. Wäre das eine Idee? DHL denkt währenddessen über einen Paketdienst pro Straße – die konsolidierte Zustellung – nach.

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