28.11.2019

Verbote zum Jahreswechsel Böllerverbot ausgeweitet: Hier darf an Silvester nicht mehr geknallt werden

Viele deutsche Städte verbieten in bestimmten Bereichen privates Feuerwerk und Böller. Welche das sind und warum die Verantwortlichen diese Entscheidung getroffen haben, lesen Sie hier.

Foto: iStock/eyegelb

Viele deutsche Städte verbieten in bestimmten Bereichen privates Feuerwerk und Böller. Welche das sind und warum die Verantwortlichen diese Entscheidung getroffen haben, lesen Sie hier.

Aufgrund von schlimmen Verletzungen in den Vorjahren und diversen anderen Gründen wie dem Umweltschutz verbieten immer mehr deutsche Städte an Silvester das private Feuerwerk. Wo Sie mit Einschränkungen rechnen müssen und warum das vielleicht gar nicht so schlecht ist.

Überall knallt es, bunte Raketen fliegen durch die Luft – so kennen wir es, wenn es in der Nacht vom 31. Dezember auf den 1. Januar Mitternacht schlägt und der Jahreswechsel gefeiert wird. Schon im Vorfeld bewerben zahlreiche Läden vielfältige Feuerwerksangebote für den privaten Gebrauch vor der eigenen Haustür. Doch einige Städte machen den Zündelfreunden auch in diesem Jahr wieder einen Strich durch die meist hohe Feuerwerksrechnung. Sie verbieten privates Feuerwerk: manche an bestimmten Plätzen, andere in der ganzen Stadt.

Kein Feuerwerk in vielen deutschen Städten: Private Zündler müssen woanders feiern

Wer gerne die eine oder andere Rakete in die Luft jagt und fragwürdige Böller aus ferner Länder Feuerwerksfabriken zündet, muss sich in Deutschland auf eine einzige Nacht beschränken, sofern er keine Sondergenehmigung hat. Das besagt §23 der 1. SprengV., der ersten Verordnung zum Sprengstoffgesetz. Lediglich am 31. Dezember und 1. Januar eines jeden Jahres ist privates Feuerwerk ohne Anmeldung erlaubt.

Diese Erlaubnis nutzen viele Mitbürger an diesen beiden Tagen daher mit Inbrunst. Deutsche Feuerwerksfans geben jährlich insgesamt bis zu 150 Millionen Euro für Pyrotechnik aus. So wird im Vorfeld gerne eine Menge Geld investiert, um mit möglichst viel Kawumm das neue Jahr zu begrüßen und das eine oder andere "Aaah!" und "Oooh!" den Kehlen der Zuschauenden zu entlocken – aber leider auch, um im Anschluss mit Brandwunden oder schlimmeren Verletzungen – auch Unbeteiligter – in der Notaufnahme zu landen oder die Feuerwehr den Brand im nebenstehenden Gebäude löschen zu lassen.

Hinzu kommt, dass viele Knallfreunde immer unvorsichtiger werden. In Städten kommt es immer wieder zu Angriffen auf andere Personen mit Feuerwerkskörpern. Raketen werden aus der Hand gezündet oder auf vorbeifahrende Autos oder Passanten gezielt. Im Jahre 2017 landete in Salzgitter etwa ein Böller in einem Kinderwagen. Der Säugling musste im Krankenhaus behandelt werden.

Außerdem geht mit dem, was da im Himmel explodiert sowie mit dem, was anschließend wieder herunterfällt, eine enorme Umweltbelastung einher. Laut Bundesumweltamt werden an Silvester jährlich rund 4.500 Tonnen Feinstaub in die Atmosphäre gejagt. Das entspricht etwa 15,5 Prozent der Menge, die jährlich im Straßenverkehr in Deutschland entsteht. Und wer hat sich noch nicht über den Böller- und Raketenmüll geärgert, der oft noch tagelang die Straßen ziert?

Und auch die Tierwelt ist ganz und gar nicht begeistert von dem lauten Geknalle. Das betrifft nicht nur unsere Hunde und Katzen, die sich – wer selbst Haustiere hat, kennt den Anblick – vor lauter Furcht oft gar nicht mehr unter dem Tisch hervortrauen. Vor allem Wildtiere müssen unter der Lärmbelastung leiden. Viele Vögel etwa sterben sogar, weil sie von Raketen getroffen werden oder weil ihnen die lauten Knallgeräusche das Trommelfell zerfetzen.

Und genau diese unschönen Begleiterscheinungen wollen diverse Städte in Deutschland nun einschränken. Immer mehr Städte und Kommunen schließen sich denen an, die bereits in den Vorjahren Verbote ausgesprochen haben.

Feuerwerksverbot: Diese Städte sind dabei

Wer sich bereits jetzt eingeschränkt fühlt, dem sei gesagt, dass keine der Städte ein Verbot im gesamten Stadtbereich ausgesprochen hat. Es sind lediglich Stadtteile und einzelne Bereiche betroffen, jedoch bisher teilweise unter Vorbehalt:

  • Augsburg: Verbot rund um den Rathausplatz (seit Jahren bereits), ausgeweitet auf die Innenstadt
  • Bamberg: Verbot auf dem Domplatz
  • Berlin: nördlicher Alexanderplatz, Schöneberg (rund um die Pallasstraße), Straße des 17. Juni
  • Bremen: Verbot am Marktplatz sowie am Jonaplatz
  • Celle: Verbot in der Altstadt
  • Dortmund: Voraussichtlich Verbot um dem Hauptbahnhof sowie auf belebten Plätzen in der Innenstadt
  • Düsseldorf: Verbot in der Altstadt zwischen 20 Uhr am 31. Dezember und 20 Uhr am 1. Januar
  • Frankfurt am Main: Verbot am Eisernen Steg von 21 Uhr bis 3 Uhr nachts
  • Freiburg: Verbot rund um das Münster, andere Kirchen und Krankenhäuser
  • Freising: Verbot in Arealen der Innenstadt
  • Goslar: Verbot in der Altstadt
  • Göttingen: Verbot in der Innenstadt
  • Hameln: Verbot in der Altstadt
  • Hannover: Verbot in Teilen der Innenstadt; Wunderkerzen und Knallerbsen erlaubt
  • Hildesheim: Verbot in der Altstadt
  • Ingolstadt: Verbot in der Altstadt
  • Köln: Verbot im Umfeld des Doms sowie in der Marzellenstraße und der Komödienstraße zwischen 22 und 2 Uhr
  • Karlsruhe: Verbot in Teilen der Innenstadt, unter anderem am Schlossplatz
  • Konstanz: Verbot in der Altstadt (stattdessen wird es eine Lasershow geben)
  • Landshut: Verbot in der Innenstadt (stattdessen wird es eine Lasershow geben)
  • Lüneburg: Verbot in der Altstadt
  • München: Verbot in der Altstadt und Fußgängerzone, an Schloss Nymphenburg sowie Schutzabstände im Englischen Garten
  • Nürnberg: Verbot rund um die Burg und rund um die Lorenzkirche sowie am Hauptmarkt (aufgrund einer Veranstaltung)
  • Passau: Verbot in Teilen der Innenstadt
  • Quedlingburg: Verbot in der Altstadt
  • Regensburg: Verbot an der Steinernen Brücke
  • Straubing: Verbot in der Altstadt
  • Stuttgart: Verbot rund um das Schloss Solitude sowie an der Grabkapelle auf dem Württemberg (stattdessen wird es eine Lasershow am Schloss geben)
  • Tübingen: Verbot in der Altstadt (soll zukünftig auf die ganze Stadt ausgeweitet werden, jedoch ist noch nicht klar, wann)
  • Wolfenbüttel: Verbot in der Altstadt
  • Würzburg: Verbot auf dem Residenzplatz
  • Föhr-Amrum und Sylt: Hier sind Feuerwerke und Böller schon seit Jahren verboten

Anmerkung: Die Angaben sind ohne Gewär, eventuell kommen noch Städte dazu oder Städte entscheiden sich noch um.

Übrigens: In unmittelbarer Nähe von Kirchen, Krankenhäusern, Kinder- und Altersheimen sowie besonders brandempfindlichen Gebäuden oder Anlagen ist das Zünden von Pyrotechnik in Deutschland generell verboten, auch an Silvester. Auf diesen ersten Teil des §23 berufen sich viele Städte, die das Abbrennen von Feuerwerk etwa auf dem Marktplatz nun noch einmal strenger untersagen. Im Grunde besteht das Verbot also schon länger – nur wurde es vielerorts einfach nicht geahndet.

Viele Kommunen, die gerne ein Verbot zumindest in bestimmten Teilen erwirken wollen, dürfen dies jedoch tatsächlich nicht, etwa weil erhöhte Feinstaub-Werte bisher nicht nachgewiesen wurden oder weil keine brandgefährdeten Gebäude in der Nähe stehen. Daher bittet etwa der Heilbronner Oberbürgermeister Harry Mergel die Bewohner, freiwillig auf privates Feuerwerk zu verzichten oder sich zumindest mit den Nachbarn zusammenzutun und die Menge aus Klimaschutzgründen einzuschränken.

Mehrheit der Deutschen für Verbot in bestimmten Gebieten

Laut einer Umfrage des Instituts Civey für die Funke Mediengruppe haben sich knapp 60 Prozent der befragten Deutschen für ein generelles Verbot von Böllern und privatem Feuerwerk in dicht besiedelten Umgebungen ausgesprochen. Auch verschiedene Organisationen sprechen sich immer wieder für ein Verbot aus, etwa die Deutsche Umwelthilfe. Außerdem werden Stimmen laut, den Verkauf von Pyrotechnik an "Laien" zu stoppen. Immer wieder ist die Rede von "Straßenkampf" gerade in dicht besiedelten Stadtzentren. Im Vorjahr hatte es unter anderem in Berlin Angriffe mit Feuerwerkskörpern auf Polizisten sowie Sanitäter gegeben. In Salzgitter musste ein Säugling ins Krankenhaus eingeliefert werden, weil unvorsichtige Jugendliche Böller in Richtung des Kinderwagens geworfen hatten.

Und auch die Tierwelt freut sich über weniger Knallerei in der Zeit rund um Silvester. Denn Tiere, ob nun Haustiere wie Hund und Katze oder Wildtiere, etwa Spatzen und Wildschweine, haben ein weitaus besseres Gehör als wir Menschen – und wissen zudem nicht so wie wir, warum es überall so laut ist.

Und noch ein Verbot: Hobbywahrsager müssen umschwenken

Um die Gesundheit geht es bei einem weiteren Verbot, das für Neujahr 2019 zum ersten Mal griff – und das bezieht sich auf eine bei vielen Feiernden liebgewonnene Tradition: das Bleigießen.

Im Handel wurden vor Silvester gerne billige Sets angeboten: Ein Löffel sowie mehrere in Form von Glückssymbolen daherkommende Bleifiguren. Der Sinn? Einschmelzen über einer Kerze und dann ab ins kalte Wasser damit. Aus dem Schattenwurf der so entstehenden Gebilde lässt sich angeblich die Zukunft für das kommende Jahr herauslesen. Die EU setzte dem vergangenes Jahr jedoch ein Ende. EU-weit gibt es keine Bleigieß-Sets mehr zu kaufen.

Warum? Das Verbot greift eigentlich noch weiter und bezieht sich nicht nur auf die Silvester-Tradition. Genauer gesagt dürfen schon seit April 2018 keine Produkte mehr in die EU eingeführt werden, die mehr als 0,3 Prozent Blei enthalten. Ein Bleigieß-Set jedoch besteht zu etwa 70 Prozent aus Blei, deshalb wurde es verboten.

Blei schadet nämlich nicht nur der Umwelt, sondern auch unserer Gesundheit, genauer gesagt dem Nervensystem, unseren Nieren und der Leber und sogar dem Gehirn. Vor allem Kinder und Schwangere sollten Blei möglichst nicht berühren. Besonders schädlich sind aber die Dämpfe, die beim Erhitzen entstehen – was beim Bleigießen ja nun leider zwingend notwendig ist. Dabei entstehen Bleioxide, die über die Atemluft in den Körper gelangen können.

Alternativen für die Zukunft: Es gibt zum Glück noch Wachs

Zum Glück ist Blei nicht das einzige Material, das sich ähnlich leicht schmelzen lässt und in Verbindung mit Wasser zu Skulpturen erstarrt. Versuchen Sie es statt mit dem Metall doch einfach mit Wachs. Das hat den Vorteil, dass es auch noch schön bunt ist. Passen Sie aber, wie auch damals beim Blei, beim Kippen des flüssigen Wachses ins Wasser auf. Wachsspritzer tun weh und lassen sich zudem auch noch schlecht aus Kleidung und Co entfernen. Und passen Sie bei Duftkerzen auf, auch die können schädlich sein.

Ansonsten gibt es aber noch weitaus nervenkitzelärmere und gesündere Alternativen für die Wahrsagerei: Kaffeesatzlesen bietet sich hier an – oder Sie greifen zu den guten alten Tarotkarten. Ansonsten haben wir aber noch das Jahreshoroskop sowie unser Mondhoroskop für Sie. Und wir können Ihnen jetzt schon sagen: Auch ohne Blei und Böller kann Silvester ein echtes Highlight im Jahr werden. Denn Spaß kann man auch anders haben. Und um noch einmal aufs Feuerwerk zurückzukommen: Ja, es sieht schön aus. Aber es ist nur von kurzer Dauer. Unsere Umwelt dagegen brauchen wir noch länger. Kommen Sie gut ins neue Jahr!

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