12.03.2018

Behörden Willkür! Verzweifelte Mütter – „Ich will mein Kind zurück“

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Wenn einer Mutter ihr Kind weggenommen wird, beginnt meist ein jahrelanger Kampf mit Behörden und Gerichten.

Foto: iStock/SrdjanPav

Wenn einer Mutter ihr Kind weggenommen wird, beginnt meist ein jahrelanger Kampf mit Behörden und Gerichten.

Jugendämter und Gerichte haben diese Frauen von ihren Kindern getrennt, weil sie sie angeblich zu sehr behüten. Bestätigt wurde das durch Gutachten. Dabei sind laut Studien weit mehr als die Hälfte dieser Gutachten fehlerhaft.

Der Streit um Linos* begann schon vor seiner Geburt. "Die Beziehung zu seinem Vater war fast vorbei, als ich ungeplant schwanger wurde", erzählt Helene*. "Mein Ex war für eine Abtreibung, aber ich wollte das Baby." Die Hamburgerin hofft ,dass ihr Ex-Freund eine gute Beziehung zum gemeinsamen Kind bekommt. "Aber er hatte kein Interesse. Trotzdem wollte er von Anfang an, dass Linos bei seinen Eltern wohnt, statt bei mir." Als Linos vier Jahre alt ist, beantragt sein Vater das Sorgerecht. "Er warf mir vor, ich könnte Linos nicht erziehen." Vor Gericht bekommt sie recht, "aber er hat es immer wieder versucht."

"Man hat mir mein Kind weggenommen"

In dieser Zeit ist das Jugendamt auf der Seite von Linos und Helene. Sie "haben einen liebevollen Umgang miteinander und sie kann ihm in der Erziehung sowohl die nötigen Freiräume geben, als auch Grenzen setzen“, schreibt eine Jugendamtsmitarbeiterin. Doch der Streit zwischen seinen Eltern hinterlässt Spuren bei Linos. Er wird aggressiv. "Die Familientherapeutin vom Jugendamt riet zu einer mehrwöchigen Therapie in einer Klinik in Bayern. Währenddessen hat eine neue Sachbearbeiterin vom Jugendamt plötzlich im Eilverfahren beantragt, dass das Sorgerecht auf meinen Ex übertragen wird." Begründung: Zwischen Kind und Mutter gäbe es eine symbiotische Beziehung. Auf Deutsch: Sie würde ihn zu sehr behüten, er könne sich nicht frei entwickeln. Die Folge: Linos muss zum Vater!

Zwei Gutachten wurden erstellt

Vor Gericht wird die Entscheidung bestätigt. Zwei Gutachten werden angefertigt. Ein Familiengutachten, "in dem es heißt, ich sei nicht erziehungsfähig. Und ein psychiatrisches Gutachten, dass besagt, ich sei sehr wohl erziehunsgfähig. Doch die Richterin nahm nur das Gutachten, das gegen mich spricht". "Die Macht solcher Gutachten – teuer auf Staatskosten angefertigt – ist schrecklich. Unkritische Richter folgen ihnen oft", sagt Helenes Anwalt Rudolf von Bracken.

"Ich fühle mich so hilflos"

Das Leben von Linos gerät aus den Fugen. Nach sechs Monaten ist sein Vater so überfordert, dass er den damals 10-Jährigen in eine Psychiatrie bringen lässt. Aus der Klinik kommt der Junge ins Heim. Heute lebt er in der vierten Heimeinrichtung. Helene kämpft darum, dass Linos* (heute 13) wieder zu ihr darf. Im Moment aber gibt es sogar ein Kontaktverbot. Begründung: Durch den Kontakt zur Mutter könne er nicht im Heim "ankommen". Und Linos? Hat immer wieder gesagt, dass er zu seiner Mama will. Für sie ist die Situation unerträglich: "Ich fühle mich so hilflos. Aber ich kämpfe weiter!"

Lesen Sie auf der folgenden Seite, wie Linda N. für ihre Tochter Anna kämpfte ...

 

Ein Sorgerechtsstreit wird für diese Mutter zum Albtraum

Anna ist 14, als sie mitten im Schulunterricht von drei Jugendamts-Mitarbeiterinnen abgeholt wird. Gegen ihren Willen wird sie auf Anordnung eines Gerichts in ein Heim gebracht. Vorausgegangen ist ein jahrelanger Streit der Eltern. "Weil er zu wenig Unterhalt zahlte, ging ich 2010 zum Jugendamt. Ich wollte Hilfe – und bekam einen Albtraum", erzählt Annas Mutter, Linda N. (49) aus Hannover.

Denn zwischenzeitlich beantragt Annas Vater, dass Linda N. das Sorgerecht entzogen wird. Die Behörden wollen ein Gutachten. "Ich dachte: Gut, ich habe nichts zu verbergen", erinnert sich Linda N. Doch es endet in einer Katastrophe. Laut Gutachten könne Anna sich nicht frei entfalten, ihre Mutter würde sie einengen. Vom Gericht wird Linda N. die Gesundheitssorge entzogen. Sie geht in Berufung. Das Oberlandesgericht legt nach: Mutter und Vater verlieren das komplette Sorgerecht. "Ich hatte das Schreiben noch nicht in der Hand, da war Anna schon im Heim. Ich wusste vier Wochen lang nicht, wo sie ist!".

Für Linda N. und Tochter Anna gab es ein Happy End

Die Mutter kämpft. Und gewinnt am Ende. Das Bundesverfassungsgericht gibt ihr komplett recht: Eine Kindeswohlgefährdung sei nicht zu erkennen, das Gutachten sei fehlerhaft. Anna darf nach Hause, nach knapp acht Monaten! Heute ist sie 19, studiert. "Sie braucht noch immer therapeutische Hilfe, um diese Zeit zu verarbeiten", sagt Linda N.

Auch für die Mutter ist nicht alles überstanden. Sie hat Schulden. "Der Kampf um ein Kind ist teuer, man braucht einen guten Anwalt", sagt sie. Ihr Rat an andere Betroffene? "Nicht alleine zum Jugendamt gehen. Habt einen Zeugen dabei, dann kann euch das Wort nicht im Mund umgedreht werden. Vor allem aber: Gebt nicht auf. Auch wenn alles gegen euch spricht – kämpft. Für die Kinder!" Sie möchte mit ihrer Geschichte aufklären. "Damit falsche, teuer bezahlte Gutachten nicht noch mehr Leben kaputt machen."

*Namen zum Schutz der betroffenen Kinder geändert.

>> Mutterschutz, Kinderbetreuung, Sorgerecht: Diese aktuellen gerichtlichen Urteile betreffen vor allem Frauen.

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