03.03.2017

München Wenn Frauen Krimis schreiben: Die Montez-Juwelen

„Die Montez-Juwelen“ ist ein Kriminalroman, der in München spielt.

Foto: iStock/hsvrs

„Die Montez-Juwelen“ ist ein Kriminalroman, der in München spielt.

Sabine Vöhringer hat mit "Die Montez-Juwelen" ihren ersten Krimi geschrieben. Er spielt in München und basiert auf einem historischen Fall...

Krimis sind nicht mehr männerdominiert

bildderfrau.de: Hallo Frau Vöhringer, Sie sind Publizistin und Autorin. Jetzt haben Sie Ihr erstes eigenes Buch „Die Montez-Juwelen“ veröffentlicht. Wollten Sie schon immer Autorin werden und etwas ganz Eigenes veröffentlichen?

Sabine Vöhringer: Ja, von klein auf habe ich begeistert gelesen und mich immer mit den Autoren identifiziert. Astrid Lindgren war mein ganz großes Idol. Später kamen neben den typischen Abi-Klassikern Agatha Christie, Steven King, Elizabeth George hinzu. Parallel zu den Büchern habe ich mich immer sehr für die Biografien der Autoren interessiert.

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„Die Montez-Juwelen“ ist ein Kriminalroman, der in München spielt. Was fasziniert Sie an Krimis?

Mich begeistert vor allem das Rätsel, die Konstruktion der Geschichte. Das hat fast etwas Mathematisches. Ich merke regelrecht, wie während des Schreibens und auch Lesens eines Krimis bestimmte Gehirnregionen angesprochen werden, ähnlich wie beim Hören klassischer Musik.

Ein Teil meines Gehirns knobelt am Fall, während der andere weiterschreibt und liest. Und dann faszinieren mich die Personen der Geschichte. Ihr Verhalten in Extremsituationen. Beim Schreiben agieren die Figuren aus der Situation heraus im Laufe der Geschichte oft anders, als ich das ursprünglich geplant habe.

Es gibt einige herausragende Krimiautorinnen und weibliche Kriminalfiguren. Trotzdem sind viele Kriminalgeschichten oder -filme immer noch sehr männerdominiert. Warum, glauben Sie, ist das so?

Eine schwierige Frage. Ich habe mich immer ganz selbstverständlich auch in Männerdomänen bewegt. Trotzdem lese ich sehr gerne Krimis, die von Frauen geschrieben sind.

Wenn ich den Krimi-Schreib-Schreibstil von Männern und Frauen vergleiche, könnte ich zum Schluss kommen, dass Männerkrimis etwas, – ich nenne es einmal – »ruppiger« geschrieben sind. Hier könnte der Eindruck entstehen, dass das sehr gut zum Genre passt. Ich denke aber, dass, wie in allen Bereichen, auch bei der Kriminalliteratur Frauen stark im Vormarsch sind. Wobei mir Leistung wichtiger als Quote ist.

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Und wie fühlen Sie sich da als weibliche Krimi-Autorin?

Sehr gut. Ich habe das Gefühl, am Ziel meiner Wünsche angekommen zu sein, da ich wie oben erwähnt von klein auf nichts sehnlicher wünschte, als Krimi-Autorin zu sein. Nun möchte ich allerdings meinen zweiten und dritten Krimi baldmöglichst fertig schreiben können.

München als Schauplatz

Sie wohnen mit Ihrer Familie in München. Auch Ihr neuer Roman spielt in der bayerischen Landeshauptstadt. Sind Sie ein bekennender München-Fan?

Ein klares Ja. Mit meinen Eltern fuhr ich als Kind von Baden-Württemberg nach Kärnten in den Urlaub. Wir kamen meist im Morgengrauen durch München. Ich bestaunte die Stadt und wusste, hier will ich einmal leben.

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Die Münchner sind für ihre direkte, manchmal auch ein bisschen grantige Art bekannt. Was finden Sie an Münchnern liebenswürdig?

Gerade das. Den trockenen Charme. Den Mut, Dinge aus dem Bauch heraus ohne Umschweife auf den Punkt zu bringen. Trotzdem gilt das Prinzip leben und leben lassen. Ich habe früh entdeckt, dass wer zurück »grantelt«, eher auf Sympathie als Ablehnung stößt. Ehrlichkeit ist eine gute Basis um ich Zuhause zu fühlen, finde ich.

Was muss man in München unbedingt gesehen haben?

Mein Krimi spielt in der Münchner Innenstadt, innerhalb der historischen Stadtmauern und das ist auch die Region, in der ich mich am liebsten aufhalte. Die Sendlinger Straße, die vom Sendlinger Tor zum Marienplatz führt, befindet sich in der Testphase zur Fußgängerzone. Hier sollte man durchbummeln, einen Blick in die Asamkirche werfen, sich im Alten Hackerhaus in den Biergarten setzen und ein Wort mit einem meiner Krimihelden wechseln.

Welche kulinarische Spezialität darf nicht ausgelassen werden?

Ich liebe Rahmschwammerl mit Knödl und Apfelkücherl mit Vanilleeis. Im Rahmen meines Krimis haben wir den Tom-Perlinger-Teller entwickelt. Das sind Filetspitzen mit Soße und Knödl. Auch sehr lecker! Das Lola-Montez-Dessert kommt dem Apfelstrudel mit Vanillesoße sehr nahe, mit einem kecken Klecks Sahne zur Krönung.

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Wie kann man das Müncher Lebensgefühl am besten erleben?

Beim typisch weiß-blauen Himmel im Biergarten unter Kastanien mit einem kühlen Hellen und einer großen Brezn vor sich. Entweder in der Innenstadt, mit der typischen Münchner Kulisse im Blick oder an der Isar.

Warum haben Sie München als Kulisse für Ihren Roman ausgewählt?

Weil ich mich hier am besten auskenne und den Lesern authentische Plätze und Charaktere anbieten wollte. Elizabeth George zum Beispiel hat monatelange Recherchereisen nach London unternommen, um zu recherchieren. Das kann ich mir rein zeittechnisch im Moment nicht erlauben.

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Die historische Vorlage der Montez-Juwelen

„Die besten Geschichten schreibt doch immer noch das Leben.“ Welche Geschichte steckt eigentlich hinter den Montez-Juwelen?

Da haben Sie recht! Einmal natürlich die verhängnisvolle Affäre zwischen Lola Montez und Ludwig I. Unglaublich faszinierend wie ich finde. Die junge, exotische Tänzerin Lola Montez kam 1848 nach München und eroberte den mächtigen König und Münchner Bauherren Ludwig I., auf den große Teile der Münchner Innenstadt und sogar das Oktoberfest zurückgehen, im Sturm.

Innerhalb weniger Tage wurde sie in den Adelsstand erhoben und erhielt ein Palais in der Barerstraße. Doch sie hatte auch andere Verehrer, unter anderem einen jungen Studenten. Als Ludwig deswegen die Uni schließen ließ und die Studenten demonstrierten, musste Lola über Nacht die Stadt verlassen und Ludwig abdanken. Unglaublich spannend, finden Sie nicht?

Aber darüberhinaus gibt es auch Ansätze aus der Gegenwart, die ich im Krimi verarbeiten konnte. Zum Beispiel den Prozess der Sendlinger Straße zur Fußgängerzone. Eine Umwandlung, die nicht ohne Hindernisse von statten ging.

Sogar die Gurlitt-Affäre haben Sie eingebaut. Interessieren Sie sich besonders für Kunst?

Ja, sehr. Ich habe Design studiert und während des Studiums war Kunstgeschichte mein Lieblingsfach. Wir hatten einen ganz herausragenden Professor und haben Exkursionen nach Paris und Florenz unternommen, die mich nachhaltig beeindruckt haben. Die Gurlitt-Affäre habe ich damals mit großem Interesse verfolgt.

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Wer sollte Ihren neuen Roman unbedingt lesen?

Jeder, der raffinierte Krimis mit authentischen Charakteren und historischen Bezügen mag, die in einer der schönsten Städte Deutschlands, in München, spielen.

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