14.06.2016

Interview Malbuch für Erwachsene: Malen für die Entspannung der Seele

Foto: apprico

Heike Schauz ist Business-Feng-Shui-Expertin und empfiehlt für weniger Stress, mehr Inspiration und geistige Gesundheit Malbücher für Erwachsene.

bildderfrau.de: Würden Sie sich bitte kurz unseren Leserinnen und Lesern vorstellen und uns erzählen, was Sie beruflich machen?

Heike Schauz: Ich bin Business-Feng-Shui-Expertin und Projektmanagerin. Mein Herzblut hängt an der professionellen Gestaltung von Arbeitsräumen, die das menschliche Miteinander und eine wertbewusste Unternehmenskultur fördern. Ich möchte das Wohlbefinden und die Zufriedenheit der Menschen, die sich in Innen- und Außenräumen bewegen, stärken.

Was genau ist Business-Feng Shui und wie kamen Sie auf die Idee, ein Geschäft rund um Business-Feng Shui aufzuziehen?
Die asiatische Harmonielehre Feng-Shui ist den meisten ja ein Begriff. Durch die Raumgestaltung nach der 5-Elemente-Lehre lassen sich Rückzugs- und Wohlfühlorte in Haus und Garten schaffen. Da geht es um die Privatsphäre, um energiespendende Räume für die ganze Familie. Jeder wünscht sich, dass das Zuhause ein geschützter Raum ist.

Business Feng Shui richtet sich nach außen. Da mache ich Räume auf. Statt ums Cocooning mit vertrauten Personen geht es beim Business-Feng-Shui meistens darum, fremde Menschen in seine Räume hineinzuziehen. Ob Kunden, Patienten, Klienten, Hotelgäste oder andere Besucher, jeder soll sich in Geschäftsräumen, Büro, Praxen oder Hotels wohlfühlen, damit er gerne wiederkommt. Das gilt natürlich auch für die Mitarbeiter, die sich tagtäglich in den Räumen bewegen.

Als Malermeisterin habe ich schon immer gern Räume gestaltet. Ich liebe das harmonische Zusammenspiel von Farbe, Form und Materialien. Die ansprechende Farbgestaltung ist aber nur ein Aspekt. Die Feng-Shui-Lehre ist sehr komplex und wirkt auf mehreren Sinnesebenen gleichzeitig – und sehr stark aufs Unterbewusstsein. Beim Business-Feng-Shui geht es mir darum, Räume so zu gestalten, dass sie das menschliche Miteinander fördern.

Was macht man genau als Business-Feng-Shui-Expertin und wofür steht der Name Ihrer Firma hs consulting?

Nun ja, hs steht für Heike Schauz, consulting für Beratung. Für mich bedeutet hs aber auch Harmonie und Sorgfalt. Der Fokus meiner Unternehmensberatung liegt nicht auf Zahlen und Bilanzen, sondern auf dem menschlichen Miteinander in einem Betrieb. Mich faszinieren die verschiedenen Personengruppen, die in Unternehmen aufeinandertreffen. Die Bedürfnisse vieler Menschen unter einen Hut zu bringen, sehe ich als besondere Herausforderung. Denn ich hab es ja nicht nur mit dem Chef zu tun, sondern auch mit den Mitarbeitern und letztlich auch mit den Kunden oder Besuchern des Unternehmens.

Als Business-Feng-Shui-Beraterin mache ich mir ein genaues Bild vom Ist-Zustand der Räumlichkeiten – und zwar innen und außen. Bei einem ausführlichen Erstgespräch kläre ich mit dem Auftraggeber, wo es hakt und was er mit einer Umgestaltung seiner Geschäftsräume erreichen möchte. Viele wissen intuitiv, dass sie ihre Räume verändern müssen. Manchmal möchten sie sich selbst besser entfalten oder Ihr Unternehmen wettbewerbsfähiger machen. Meistens geht es darum, einen „fruchtbaren Nährboden“ für die Mitarbeiter zu schaffen, um die Teamfähigkeit zu fördern und gute Leute zu halten. Das Wichtigste ist die Zufriedenheit und die Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter zu steigern, damit das Unternehmen langfristig Erfolg – und letztlich mehr Gewinn hat.

Gutes Business-Feng-Shui sieht man nicht, man spürt es. Für den Erfolg von Ladenlokalen, Handelsunternehmen, Hotel- und Gaststättenbetrieben und allen Geschäften mit starkem Publikumsverkehr ist der Wohlfühlfaktor der Kunden entscheidend. Das ist die Basis für langfristige Kundenbeziehungen, ein gutes Image und letztlich auch für lukrative Geschäfte.

Wer braucht und wem hilft Business-Feng-Shui?

Ein inspirierendes, wohltuendes, gesundheitsförderliches Umfeld braucht Jeder – erst recht in stressigen Berufen und im heutigen reizüberfluteten Internetzeitalter. Business-Feng-Shui nützt jedem Unternehmen, eine stabile Position auf- und auszubauen. Ob Ein-Mann-Betriebe, Freiberufler im Home Office, Handwerker, Einzelhändler, Kanzleien oder Industrieunternehmen, mithilfe der individuellen Raumgestaltung nach der asiatischen Harmonielehre können neue Strukturen geschaffen werden, die die Produktivität stärken.

Business-Feng-Shui ist auf jede Branche anwendbar. Bei meinen Kunden, die ich teilweise über Jahre betreue, ist der Erfolg sogar messbar. Es gibt weniger Krankmeldungen, Fehltage und Kündigungen. Das positive Betriebsklima steigert das Wohlbefinden, die Zufriedenheit und die Leistungsbereitschaft der Menschen, die sich darin bewegen. Inhaber, Chefs, Führungskräfte und Spezialisten werden durch die bewusste Raumgestaltung in ihrer Rolle gestärkt. Teams arbeiten intensiver zusammen. Und Kunden werden zu Stammkunden, weil das Unternehmen offen, einladend und attraktiv wirkt.

Sie bieten unter anderem Pocket-Feng-Shui-Malbücher für Erwachsene an. Was kann man darunter verstehen und wie tragen diese Bücher zur Entspannung im Arbeitsalltag bei?

Ein Pocket-Feng-Shui-Malbuch ist ein Buch mit Zeichnungen von verschiedenen Raumsituationen im Taschenbuchformat. Man kann es überall mit hin nehmen und spontan ein Bild farbig ausmalen, um den Raum nach eigenen Vorstellungen zu gestalten. Zwischendurch, in der Mittagspause, im Café, in der Bahn oder wann immer man Lust dazu hat.

Die moderne Architektur mit viel Glas und Metall bietet kaum geschützte Räume, in denen man mal entspannen kann. Beim Ausmalen eines Bildes kann man leicht abschalten, denn man konzentriert sich in dem Moment nur auf die eine Sache. Man nimmt sich Zeit, etwas ganz bewusst zu tun. Zudem ist das Malen ein Weg, um den Kopf frei zu bekommen. Die Arbeit geht vom Kopf in die Hände. Man wird wieder kreativ. Das Colorieren der Feng-Shui-Zeichnungen hat auch einen gewissen Lerneffekt. Durch learning by doing erkennt man die wichtigsten Grundsätze der harmonischen Raumgestaltung.

In meinen Feng-Shui-Auswertungen veranschauliche ich meine Ideen auch immer mit handgezeichneten Scribbles. So können sich meine Kunden die neuen Räume einfach besser vorstellen. Die Feng-Shui-Malbücher sind nur ein Auszug meiner Arbeit. Es ist mir wichtig, Feng-Shui aus der Esoterikecke herauszuholen und jedem, der sich Wohlfühlräume wünscht, praktische und leicht umsetzbare Gestaltungstipps zu geben.

Malbücher für Erwachsene sind aktuell im Trend. Wie erklären Sie sich das?

Bei all meinen Feng-Shui-Beratungen stelle ich immer wieder fest, dass den Menschen heutzutage die Erdung fehlt. Kleine Oasen der Entspannung tun so gut zwischen all den Pflichten und Erwartungen, die es zu erfüllen gilt. Der spielerische Effekt von Malbüchern erinnert an unbeschwerte Zeiten in der Kindheit. Das hat etwas Beruhigendes.

Hinzu kommt, dass viele Menschen nur noch Rädchen im Getriebe sind. Durch immer komplexer werdende Prozesse verliert man da leicht den Blick für das Ganze. Beim Ausmalen erlebt man den Entstehungsprozess vom Anfang bis zum Ende. Und das Wichtigste: Man hat das sichtbare Ergebnis des eigenen Tuns hinterher in der Hand. So ein Bild ist schnell ausgemalt, ein zutiefst befriedigendes Erfolgserlebnis. Und vor allen Dingen gibt es einem die Leichtigkeit zurück.

Ursprünglich legten Sie als eine der ersten weiblichen Lehrlinge Deutschlands ihre Meisterprüfung im Maler- und Lackierhandwerk, einem klassischen „Männerberuf“ ab. Wie waren Ihre Erfahrungen in einer damaligen Männerdomäne?

Meine Erfahrungen waren so facettenreich, dass ich sogar ein Buch darüber geschrieben hab. Natürlich ging es mir so wie vielen Frauen, die in traditionell gewachsene Männerstrukturen geraten. Es gab Höhen und Tiefen. Doch ich hab mich nicht unterkriegen lassen und hab meine Frau gestanden.

Vorteilhaft war und ist, dass ich mein Handwerk verstehe. Ich bin mit Handwerkern aufgewachsen, war schon in den Ferien auf Baustellen. Meine Eltern hatten auch einen Malerbetrieb. Klar musste ich während meiner Lehre auch mal die Zähne zusammenbeißen. Da werden Hierarchien und Grenzen ausgetestet. Wichtig ist, ernst genommen zu werden. Und das wurde ich, weil ich gute Arbeit geleistet habe.

Man muss sich einfach in seinem Metier behaupten. Und da ich meinen Beruf liebe und ein klares Ziel vor Augen hatte, fiel mir das nicht ganz so schwer. Anstatt die elterliche Firma zu übernehmen, habe ich mich mit einem eigenen Malerbetrieb selbstständig gemacht. Noch heute fühle ich mich dem Handwerk eng verbunden, was mir beim Projektmanagement – auch bei Großprojekten – zu Gute kommt.

Wie hängt Ihr früherer Beruf als Malerin mit Ihrer Leidenschaft für Malbücher zusammen?

Farbe ist einfach mein Thema. Ich liebe es, mit Farben zu spielen. Meine colorierten Scribbles sind ein wunderbares Werkzeug bei der Beratung meiner Kunden. Bilder sagen mehr als Worte. Das Geheimnis ist die Reduktion auf das Minimum. In der Einfachheit der Linien liegt die Kraft. Dadurch gelingt es, auch Menschen ohne Feng-Shui-Kenntnissen ein Gespür für die Harmonie eines Raums zu vermitteln.

Allerdings unterscheidet sich das Malen in Malbüchern natürlich sehr vom Streichen einer Wand oder der Farbgestaltung eines ganzen Gebäudes. Doch im Kern geht es darum, kreativ mit Farbe umzugehen und sie so einzusetzen, dass es ein schönes Gesamtbild ergibt. Und das lässt sich eben auch im Kleinen – anhand von Malbüchern – üben.

Was haben Sie in den Jahren als selbständige Unternehmerin gelernt, was Sie an Frauen, die ins Geschäftsleben treten, mitgeben würden?

Leider glauben viele Frauen immer noch, dass sie nicht gut genug sind. Sie besuchen einen Workshop nach dem anderen, um sich ihre Qualifikation zu beweisen. Das merke ich bei meinen Coachings von Feng-Shui-Beratern auch immer wieder. Ganz wichtig ist, sich als Marke zu begreifen und sein Alleinstellungsmerkmal zu kennen.

Das geht natürlich erst, wenn man sich seiner Stärken bewusst ist. Aber wenn man sich über sein Potenzial und sein Ziel im Klaren ist, kann man sein ganzes Tun darauf ausrichten. Erfolg wird aus Mut gemacht. Man muss einfach mal machen. Auch wenn was daneben geht: Aufstehen, daraus lernen und seinen Weg weitergehen. Denn nur wenn ich weiß, wo ich hin möchte, kann ich die Segel richtig setzen, um auf Kurs zu bleiben.

Kurzum: Man muss etwas dafür tun, um das eigene Ziel auch zu erreichen. Es geht nicht nur um Selbstverwirklichung. Es geht auch ums Geld verdienen. Letztlich muss man das zusammenführen, was man kann und was der Markt braucht. Und genau das zeichnet eine erfolgreiche Unternehmerin aus: Gute Ideen mit gesundem Realismus auch wirklich umzusetzen – und nicht auf der Hälfte stehen zu bleiben.

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Vielen Dank für das Interview, Frau Schauz!

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