02.05.2016

Reisen Sansibar: Chumbe Island Resort ist das letzte Paradies

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Foto: ©Markus Meissl

Chumbe ist vermutlich die letzte gesunde Koralleninsel vor Sansibar, gerettet von der deutschen Umweltschützerin Sibylle Riedmiller...

Eine kleine Insel mit nicht mehr als einer Handvoll Menschen. Darauf ein paar luftige Holz-Bungalows, davor ein farbenfrohes Korallenriff. So groß und gesund, dass sich beim Erkunden Meeresschildkröten dazugesellen. In der Mitte ein alter Leuchtturm, von dessen Spitze aus man die gesamte Insel überblickt und die schönsten Sonnenuntergänge erlebt. Drumherum dichter Urwald mit verschlungenen Pfaden, auf denen sich abends die fast ausgerotteten Kokoskrabben auf Beutezug begeben. Nächtliches Staunen über die Milchstraße und Meeresrauschen auf weißem Sand. Was zu schön klingt, um wahr zu sein, findet sich auf Chumbe Island. Eine kleine Insel vor der ostafrikanischen Küste, knapp 45 Minuten von Sansibar entfernt.

Kilometerlange Korallenriffe mit einer atemberaubenden Artenvielfalt

Dank des einmaligen Konzepts, wird auf Chumbe Tourismus im Einklang mit einem besonders sensiblen Ökosystem ermöglicht. Damit es nicht gestört wird, dürfen sich nicht mehr 20 Gäste gleichzeitig auf der Insel aufhalten. Die zweistöckigen Ökobungalows sind mit Regenwasserduschen und Komposttoiletten ausgestattet. Strom gibt es ausschließlich über Solaranlagen. Frei von Müll, Plastik, Lautsprecher-Gedudel, Shopping-Möglichkeiten und Bespaßungs-Zwang erfahren Touristen auf Chumbe den wirklich wahren Luxus: Aus der Zeit fallen zu dürfen.

Der Blick auf die Uhr wird irgendwann genauso sinnlos, wie der Drang, sich über das aktuelle Weltgeschehen informieren zu wollen – trotz Internetzugang. Irgendwann hört das Karussell der Gedanken sich auf zu drehen. Endlich Ruhe!

Spätestens auf der Schnorchel-Tour durch den kilometerlangen Unterwassergarten mit seinen über 420 Fisch- und 200 Korallenarten wird deutlich, wie unglaublich dieser Ort eigentlich ist. Und das ist er wirklich. Ohne den unermüdlichen Einsatz der deutschen Umweltschützerin Sibylle Riedmiller, wären Riff samt Urwald längst zerstört.

Chumbe Island: Die Geschichte einer Rettung

Die unglaubliche Geschichte von Chumbe Island beginnt 1991. Damals entdeckte die Heidelbergerin fast zufällig jene kleine unbewohnte Leuchtturm-Insel. Ihre erste Schnorchel-Tour vor dem unwirklich schönen Paradies kam ihr wie ein Traum vor: „Was ich sah, konnte ich kaum glauben! Unter mir lag ein absolut unberührter, herrlich artenreicher Korallengarten. Alles war ein einziger Kampf um einen Platz an der Sonne, ausgefochten mit den bizarrsten Gestalten und Formen.“ Die Umweltaktivistin wusste, dass die Dynamit-Fischer auch vor diesem Riff nicht Halt machen werden.

„Ich werde Chumbe retten“, setzte sie sich in den Kopf und wurde nicht müde, der Regierung und den Fischern und zu erklären, warum gerade diese 1 Kilometer lange, und 300 Meter breite Insel, samt wenigen Hundert Metern Korallenriff drumherum ein Schutzgebiet werden muss. „Für die tansanische Öffentlichkeit und für die Behörden war das leider kein Thema. Nur wenige Menschen können schwimmen, noch weniger haben jemals einen Blick unter die Wasseroberfläche geworfen. Kaum einer wusste, was Korallen eigentlich sind. In der Landessprache Kiswahili gibt es kein Wort für Korallen, sie werden sogar als leblose ‘Steine und Felsen’ bezeichnet“, erzählt Riedmiller.

Selbst in der Schule lernten die Kinder nichts darüber: „Obwohl Sansibar von vielen Riffen umgeben ist, kamen Korallen in den Lehrplänen überhaupt nicht vor.“ Entschlossen diesen Zustand zu ändern, gründete sie daraufhin das Unternehmen „Chumbe Island Coral Park (CHICOP)“ und setzte ihr Privatvermögen dazu ein, die Insel samt Riff von der Regierung für 33 Jahre zu pachten. Im Gegenzug erklärte die Regierung nach unzähligen zermürbenden Verhandlungen den 30 Hektar großen Bereich zum Meeresschutzgebiet. Das war 1994. Damit war der erste Marinepark Tansanias erschaffen. Vier Jahre später wurden die ersten Ökobungalows für Besucher eröffnet.

Ehemalige Fischer zeigen heute Kindern magische Riff-Welten

Damit die Kinder später einmal schlauer als die Regierungsbeamten sein werden, lädt das private Naturschutzprojekt regelmäßig Schulklassen ein, die Schönheit des Riffs kennenzulernen. Viele der Mitarbeiter, die Kindern wie Gästen heute das Riff zeigen, waren früher selbst Fischer. Heute sind sie froh darüber, ihren Lebensunterhalt mit dem Schutz der Natur und nicht mit ihrer Zerstörung zu verdienen. Und tatsächlich: nachdem die Schüler die prächtigen Formen und Farben, das Treiben der bunten Fische selbst erlebt haben, braucht es keine großen Worte mehr. Kinder spüren sofort, dass diese magische und verletzliche Tierwelt, welche ihnen so lange verborgen war, etwas ganz Besonderes ist. Plötzlich verstehen sie, was und warum da eigentlich geschützt werden soll.

Sanfter Tourismus im Einklang mit der Natur

Finanziert wird das Bildungsangebot heute ausschließlich über Gäste, die mit den Übernachtungen auf Chumbe nicht nur ihren Traum von der einsamen Insel verwirklichen, sondern auch mit jedem Cent nachhaltig etwas für die Umwelt zu tun. Sibylle Riedmillers Konzept Bildung, Tourismus und Naturschutz auf diese Weise miteinander zu verbinden, ist bis heute einmalig. „Chumbe hat in den letzten 15 Jahren so ziemlich alle internationalen Preise für Naturschutz und verantwortlichen und nachhaltigen Tourismus gewonnen, die man kriegen kann. Das wäre ohne die 40 freiwilligen Helfer und die engagierten einheimischen Mitarbeiter allerdings nicht möglich gewesen.“

Während die Riffe vor der ostafrikanischen Küste weiterhin unaufhörlich zerstört werden, bleibt hier die Korallenwelt in Ordnung. Es kommt vor, dass Gäste weinen, wenn sie Chumbe Island verlassen. Weil sie glaubten, dass es solche Orte eigentlich nicht mehr gibt. Dankbar darüber, ihn doch gefunden zu haben. „Das letzte Paradies“, sagen sie. Besonders diejenigen, die schon viel auf der Welt herumgekommen sind. Vielleicht zeigt sich in wenigen Jahrzehnten, wie Recht sie haben.

Die Übernachtung kostet pro Person 260 Euro am Tag, inklusive Transport, Vollpension, Softdrinks und alle Aktivitäten samt Schnorchel-Ausrüstung. Ausgedehnte Schnorchel-Touren werden mindestens ein Mal am Tag angeboten, auf Wunsch auch kurz nach Sonnenaufgang. Es ist auch möglich, einen Tagesausflug auf Chumbe Island zu machen. Kosten: 80 Euro pro Person, ebenfalls alles inklusive. Anfragen per Mail sind übrigens auch auf Deutsch möglich.

www.chumbeisland.com

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