15.04.2016 - 16:09

Reisen Island: Der wilde Westen zwischen Fjorden und Polarlichtern

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Foto: ©Friederike Ostermeyer

West-Island ist rau, mystisch, verwunschen, Spielplatz der Polarlichter und mit seinen Steilklippen entlang der Fjorde vermutlich der schönste Platz am Ende der Welt. Hier findet sich noch jene Ursprünglichkeit, die an vielen Orten der Insel bereits verloren gegangen ist.

Wenn zur Hochsaison die Touristenbusse ihre Massen rund um den „Goldenen Ring“ ausspucken, sollte man lieber das Weite suchen. Bis zu 1000 Menschen drängeln, plappern und knipsen sich täglich am großen Geysir oder dem Gullfoss-Wasserfall entlang. Was vor wenigen Jahren noch als intensive Naturerfahrung galt, ist zumindest während der Sommermonate zum einem hektischen Event verkommen.

Wenig überraschend, wenn man bedenkt, dass sich vor zehn Jahren gerade mal ein paar Hunderttausend Besucher auf die Insel verirrt haben. 2015 waren es bereits 1,5 Millionen. So gleicht es einem Wunder, dass West-Island bis jetzt vom großen Ansturm verschont geblieben ist.

Wilde Fjorde und alte Fischerdörfchen

Vermutlich ist es ihrer Abgeschiedenheit zu verdanken, dass die meisten Touristen die dünn besiedelten Westfjorde links liegen lassen. Dabei könnte ihre Landschaft wilder und ursprünglicher kaum sein: Eine von tiefen Buchten zerfurchte 300 Kilometer lange Küstenlinie, umrahmt von bis 400 Metern hohen Steilklippen, von denen donnernde Wasserfälle in dunkle Schluchten stürzen. Eine Welt im Urzustand, nahezu menschenleer und unberührt.

Hoch im Norden befindet sich das kleine Dörfchen Suðureyri, dessen 150 Einwohner nach wie vor ausschließlich vom Fischfang leben. Erst vor kurzem hat man verstanden, dass ihr verschlafenes Heile-Welt-Nest für Besucher eine Attraktion darstellt und sich entschieden, ein kleines Hotel einzurichten. „Besucher können hier in unseren Alltag eintauchen und alles über das Leben als Fischer erfahren“, erzählt Vikingur Kristjànsson.

Die kleine Tour, die er erst seit wenigen Wochen anbietet, hat er sich in Eigenregie zusammengestellt. Auch ohne große Erfahrung in der Tourismusbranche. „Das geht auch so. Hauptsache es macht Spaß“, findet er und das merkt man ihm an. Außerdem sind da ja noch die Wale, die ihrer Bucht besonders gerne einen Besuch abstatten.

Infos über das Dörfchen Suðureyri und die Vikingurs Fischermen-Tour gibt es hier: http://www.fisherman.is/

Schauplatz der Sagen und Legenden

Die ersten Wikinger, die Island im 9. Jahrhundert besiedelten, waren Abenteurer auf der Suche nach neuen Welten und Reichtümern. Und Abenteurer wären keine Abenteuer, ohne ihre spannenden Sagen und Legenden. Gerade West-Island steckt voll von den alten Geschichten, dessen raue Vulkanlandschaften, Gletscher und dampfende Quellen wohl keine bessere Kulisse abgeben könnten.

In Reykholt lebte vor fast 1000 Jahren der Dichter Snorri Sturlossen, der mit seinem Werk „Edda“ ein Großteil der nordischen Mythologie und damit die Geschichte des „Goldenen Zeitalters“ niederschrieb. Vermutlich wären ohne ihn all die vielen Heldensagen über starke Frauen und mutige Männer durch die Christianisierung des Landes verloren gegangen. Und wie sich die Historiker heute einig sind: Snorri hatte keine blühende Fantasie, sondern akribisch eine umfassende Chronologie verfasst, die sich auf wahre Begebenheiten beruft.

Genau dort, wo der berühmte Dichter einst lebte und sich in seinen Schaffenspausen in der angrenzenden heißen Quelle entspannte, steht heute ein Museum, in dem man sich selbst auf Spurensuche begeben kann.

Wer anschließend ein Stück Richtung Norden fährt, kommt an einem moosbewachsenen Torfhütte vorbei, die ein wenig an eine Hobbit-Höhle erinnert – ein Nachbau des Hauses in dem einst der berühmte Abenteurer Leif Erikson lebte. Dort wartet Sigurdur Jökulsson, der von den Einheimischen gerne der letzte lebende Wikinger bezeichnet wird. Während seine Gäste drinnen auf Fellen um das Feuer Platz genommen haben, erweckt er die Geschichte um die Entdeckung Grönlands wieder zum Leben. Dabei hält er sich sein altes Wikinger-Schild vor die Brust und reckt sein Schwert in die Höhe. „Wilde Zeiten waren das“, sagt er. Und das waren sie wirklich.

Das Snorri-Museum für Fans der nordischen Mythologie: http://www.snorrastofa.is/

Islands „letzten Wikinger“ findet man hier: www.leif.is

Bei den Elfen und Trollen

Beim Anblick dieser gewaltigen, nahezu baumlosen Landschaft, von der man jetzt weiß, dass sich um jeden Hügel und jeden Felsen mindestens eine alte Legende rangt, möchte man wieder ein bisschen mehr an die Elfen und Trolle glauben, von denen es heißt, dass sie hier tatsächlich leben. Doch fragt man die Einheimischen, schütteln sie meist mit dem Kopf. „Das sind halt Geschichten“, sagen sie. Vielleicht ist das verborgene Volk deshalb nach Westisland umgezogen, weil man hier noch an sie glaubt.

In Borgarnes zum Beispiel, wo Jóhann Harðarson mit seiner Frau Brynja Brynjarsdóttir 2004 aus einer alten Scheune ein Hotel errichteten, wimmelt es nur so von ihnen. „Während der Bauarbeiten, bin ich mit meinem brandneuen Traktor über einen Hügel gefahren. Plötzlich ging er aus. Keinen Mucks mehr“, erzählt Jóhann. Als er die Begebenheit abends seiner Frau erzählte, entgegnete sie fast entrüstet. „Hast die etwa die Elfen nicht um Erlaubnis gefragt?“

Das hatte er natürlich nicht, waren sie für ihn doch nicht mehr als Geschichten für Kinder. Als sich tagelang nicht feststellen ließ, was mit dem Traktor nicht in Ordnung war, beschloss er eines morgens zu dem Hügel zu gehen und fragte ganz leise: „Darf ich hier ein Hotel für unsere Gäste bauen?“ Es dauerte keine zwei Minuten und der Traktor sprang wieder an. Jóhann, der einst über die Elfen gelacht hatte, ist heute froh, dass diese merkwürdigen Wesen weiterhin ihre Nachbarn sein wollen. Wer trotzdem nicht dran glaubt, muss zugeben: Das kleine Hotel Hraunsnef mit seinem kleinen Restaurant hat eine ganz besondere Seele. Und jeder der fragt, bekommt zusätzlich zum Mittagessen eine Elfen-Geschichte serviert.

Ein Muss für alle Elfen-Suchenden: http://en.hraunsnef.is/

Polarlichter – wenn, dann hier

Einmal im Leben Polarlichter sehen: Das steht wohl bei vielen Menschen auf der Liste der Dinge, die sie erlebt haben wollen. Zwischen Oktober bis April ist Island wahrlich gesegnet mit diesem zauberhaften Himmelsschauspiel. Man kann sich mit hundert anderen Menschen auf ein Boot drängen, das sich Rund um Reykjavík auf die Jagd nach Nordlichtern begibt. Doch die beste Show bietet die Einsamkeit West-Islands, wo keine Stadtlichter das Spektakel stören. Hotspots sind beispielsweise die gesamte Nordwest-Küste oder das Dörfchen Húsafell am Fuße des Gletscher Lanjökull.

In sternenklaren Nächten zeigen sich ab 22 Uhr zahlreiche bunte Bänder, die in grün, pink und blau über dem Himmel tanzen. Spätestens dann sollte man sich in den heißen Pool begeben, über das jedes Hotel in dieser Gegend verfügt. Den Blick nach oben gerichtet, versteht man plötzlich, warum dieses Land eine solch große Anziehungskraft hat. Noch ist West-Island der schönste Platz am Ende der Welt. Und man sollte sich beeilen, es so rau, verwunschen und mystisch wie es ist, erleben zu dürfen.

Mehr Infos über das noch fast unentdeckte West-Island gibt es hier: http://de.visiticeland.com/

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