26.02.2016

Sagenhaft Erzähle-ein-Märchen-Tag: 5 Mythen über Märchenprinzen

Foto: © iStock / temizyurek

Es war einmal… Der „Erzähle-ein-Märchen-Tag“ fordert uns auf, uns gegenseitig Märchen zu erzählen oder vorzulesen. Genauso, wie es Menschen seit Jahrhunderten tun.

Die uralten Volksmärchen haben ihre Wurzeln im Mittelalter und weit davor. Sie wurden von Generation zu Generation weiter erzählt, lange bevor es Märchenbücher gab.

Märchen sind mystische Geschichten, die einerseits verschlüsselte Weisheiten und Wahrheiten über das Leben und den Menschen weitergeben, andererseits die Welt klar in Gut und Böse teilen und so auch in schweren Zeiten Orientierung und Halt boten. Bestimmte Motive tauchen immer wieder auf. Tod, Hexerei, Erlösung, Strafe oder die ewige Liebe sind oftmals symbolisch zu lesen. Auch spezielle Figuren kehren immer wieder und erfüllen ganz bestimmte Zwecke. Böse Hexen, gute Feen, fiese Zwerge, listige Stiefmütter, verzauberte Königstöchter und – tapfere Märchenprinzen.

Letztere haben sich verselbständigt, sind aus den Geschichten herausgetreten und spuken heute als Idealbild des perfekten Mannes durch die moderne Welt jenseits der Märchen.

Und wer hat uns den Glauben an den Märchenprinzen eingebrockt, der eines Tages auf seinem weißen Schimmel daher geritten kommen wird?

Das waren die Gebrüder Grimm. Wilhelm und Jacob, von Beruf Märchensammler. Ab 1812 veröffentlichten die Sprachwissenschaftler ihre berühmte Sammlung der „Kinder- und Hausmärchen“ mit insgesamt über 200 Märchen, die sie in ganz Deutschland zusammengetragen hatten.

Heute ist der Tag, an dem wir uns Märchen erzählen und gleichzeitig mit einigen Mythen über Märchenprinzen aufräumen können!

Mythos 1: In jedem Frosch steckt ein Prinz (Der Froschkönig)

Einen garstigen Frosch muss Frau nur küssen, damit er sich in einen Prinzen (zurück) verwandelt. Leider passiert das wirklich nur im Märchen! Wenn wir jemanden kennenlernen, entscheiden Herz und vor allem Bauch in den ersten Minuten darüber, ob es funken kann oder nicht. Und dieser erste Eindruck ist häufig der richtige: Sympathie und Anziehungskraft sind unterbewusst und lassen sich nicht durch die Vernunft beeinflussen. Vermuten wir also von Anfang an, dass sich hinter einem unscheinbaren Frosch ein strahlender Prinz verbirgt, so kann sich ein Kuss lohnen. Ein Verzweiflungskuss dagegen wird folgenlos bleiben.

Mythos 2: Ich muss nur lange genug warten, dann kommt der Prinz von selbst (Rapunzel)

Und wenn der Zopf in all den Jahren auch 20 Meter lang wird und so stark, dass man ein Klavier daran aufhängen könnte: Das ist keine Garantie dafür, dass eines Tages ein Märchenprinz daran hoch klettert, uns aus der Einsamkeit befreit und all unsere Sehnsüchte erfüllt. Warten ist keine gute Lösung, die Botschaft ist: Nimm dein Leben selbst in die Hand und warte nicht darauf, dass ein Mann es für dich tut!

Mythos 3: Eines Tages küsst mich ein Prinz wach (Dornröschen)

Nach einem hundertjährigen Schlaf wird ein Königssohn sich durch die Dornenhecke kämpfen und uns wachküssen? Wohl eher nicht. Denn woher soll der moderne Prinz wissen, dass sich hinter den Dornen die Frau seines Lebens befindet? Wer schläft, kann nicht auf sich aufmerksam machen und verfällt in passives Warten. Und ganz ehrlich: 100 Jahre beste Lebenszeit verschlafen – das klingt laaangweilig!

Mythos 4: Er verliebt sich auf den ersten Blick und setzt alles daran, mich wiederzufinden (Aschenputtel)

Zugegeben, das kann auch im wahren Leben durchaus vorkommen. Heute machen soziale Netzwerke und digitale Medien dem modernen Märchenprinzen die Suche allerdings um einiges einfacher als im Märchen, in dem der Prinz durchs ganze Land zieht, um seine Liebste wiederzufinden. Würde sich ein Märchenprinz diese Mühe heute noch machen? Oder ist das Kennenlernen inzwischen nicht so einfach, dass man(n) die große Suche nach der Unbekannten schnell aufgibt und lieber anderen Verlockungen folgt?

Mythos 5: Er verliebt sich unsterblich in meine Schönheit (Schneewittchen)

Es ist schon sehr märchenhaft, dass sich ein Prinz so sehr in den Anblick eines (immerhin toten) Mädchens verliebt, dass er ab sofort jeden Tag in ihrer Nähe sein möchte. Ein Glück für Schneewittchen, dass beim Transport ihres Sarges der vergiftete Apfel aus ihrem Hals fällt und sie daraufhin wieder zum Leben erwacht. Schneewittchen war ein Teenager, als der Märchenprinz sein Herz an ihr Äußeres verlor, aber jugendliche Schönheit vergeht – und dann?

Fakt ist: Auf den Märchenprinzen können wir lange warten – und meist leider vergeblich. Aber eigentlich ist es auch gar nicht so eine rosige Aussicht, für den Rest des Lebens auf märchenhafte Abenteuer zu verzichten oder nur noch auf Händen getragen zu werden.

Also los Mädels, dreht den Spieß um: Sattelt eure strahlenden Schimmel, gebt ihnen die Sporen und galoppiert hinein in euer eigenes Märchen, vielleicht begegnet ihr dabei tatsächlich sogar einem Märchenprinzen!

Und wenn nicht ? So what. Dann hattet ihr immerhin eine ganze Menge Spaß!

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