14.09.2021 - 15:08

Aufkleber kann helfen Werbung im Briefkasten ist ein Klimasünder

So viel Papier – und k(aum)einer liest's. Unerwünschte Briefkastenwerbung landet derzeit in jedem Briefkasten ohne Aufkleber – und manchmal auch trotz eines Aufklebers. Laut Umwelthilfe muss sich das ändern. Denn Prospekte und Co sind echte Klimakiller.

Foto: Getty Images/by Rupert Ganzer

So viel Papier – und k(aum)einer liest's. Unerwünschte Briefkastenwerbung landet derzeit in jedem Briefkasten ohne Aufkleber – und manchmal auch trotz eines Aufklebers. Laut Umwelthilfe muss sich das ändern. Denn Prospekte und Co sind echte Klimakiller.

Gehören Sie auch zu den Menschen, die den Großteil des Briefkasteninhalts im nächsten Papiermüll entsorgen? Unerwünschte Werbepost ist nicht nur nervig, sondern schadet Umwelt und Klima auch mehr, als die meisten denken. Ein kleiner Trick kann kurz- und langfristig Abhilfe schaffen.

Schon wieder ein Werbeprospekt, zu allem Überfluss auch noch eingeschweißt in Plastikfolie. Und dann der Flyer des 345. Umzugsunternehmens, dazu die kostenlose Zeitung, die für ein paar Tage auf dem Stapel der Schande liegt und schließlich doch ungelesen in die Tonne wandert. Im Briefkasten landet allerlei Zeug, das wir uns eigentlich gar nicht angucken. Oder wann haben Sie das letzte Mal nach Prospekt eingekauft? Das ist nicht nur nervtötend, sondern auch gar nicht gut für die Umwelt. Wie sehr Briefkastenwerbung dem Klima schadet, zeigt jetzt die Deutsche Umwelthilfe (DUH) in einer neuen Berechnung.

Briefkastenwerbung als Klimakiller: So viel CO2 könnten wir einsparen

Laut den Berechnungen der Umwelthilfe verursacht unangeforderte Briefkastenwerbung in Form von kostenlosen Zeitungen, Prospekten und Flyern jährlich einen Kohlendioxid-Ausstoß von über einer halben Million Tonnen. Der Knackpunkt: die Papierherstellung. Wöchentlich fallen pro Haushalt so rund 500 bis 700 Gramm Papiermüll an – das Plastik von eingeschweißten Sendungen oder den CO2-Ausstoß beim Austragen gar nicht mitgezählt.

Genauer gesagt könnten jährlich bis zu 535.000 Tonnen CO2 eingespart werden, wenn Briefkastenwerbung nicht mehr wahllos verteilt wird, sondern nur noch die Empfänger erreicht, die sie wirklich haben wollen.

Das Problem ist nämlich: Aktuell gilt, dass jeder Haushalt solche Werbeprospekte explizit ablehnen muss. Ansonsten wird Briefkastenwerbung frei verteilt.

Wie klappt das mit dem Ablehnen von Briefkastenwerbung?

Wenn Sie Ihre Briefkastenwerbung behalten wollen und regelmäßig Prospekte wälzen, können Sie das natürlich weiterhin tun. Derzeit müssen Sie dafür nichts machen. Wer aber darauf verzichten will, kann selbst einen ganz einfachen Trick anwenden, um die Zustellung zu unterbinden: einen Aufkleber am Briefkasten anbringen. Dort kann einfach "Bitte keine Werbung" draufstehen.

Doch das Ziel, dass die Auflage sinkt, je mehr Menschen ihre ungewollte Briefkastenwerbung so "abbestellen", ist kaum erreichbar. Denn wie oft werden dann einfach nicht verteilte Prospekte und Zeitungen einfach gebündelt abgestellt? Warum sollten Unternehmen die Auflage ihrer Werbung senken? Zudem sind noch immer die meisten der Briefkästen in Deutschland – nämlich rund 72 Prozent – ohne Aufkleber, auch wenn die Besitzer Flyer und Co in aller Regel wegwerfen.

Vorschlag der DUH: Briefkastenwerbung explizit zustimmen

Aus diesem Grund fordert die DUH einen weiteren Schritt: Es sollte ihnen zufolge per Gesetz eine umgekehrte "Opt-in-Regelung" geben. Das bedeutet, dass der Spieß quasi umgedreht wird und der Einwurf von Prospekten nur noch in Briefkästen erlaubt ist, die entsprechend markiert sind.

Sprich: Sie wollen Briefkastenwerbung empfangen? Dann sollten Sie einen entsprechenden Aufkleber anbringen, der besagt: "Ja, ich möchte Werbung erhalten".

Dieser Vorschlag existiert schon länger, schon im Dezember 2020 hatte die DUH ihr Anliegen zusammen mit 100.000 Unterschriften an das Bundesjustizministerium weitergeleitet. Die Deutsche Presse-Agentur (dpa) hat nun beim Ministerium angefragt: Man könne das Anliegen der Umweltschützenden nachvollziehen und prüfe derzeit mögliche Regelungsoptionen. Jedoch seien wichtige Abwägungsfragen bislang ungeklärt. So wolle man etwa mögliche Nachteile für örtliche Unternehmen ausschließen.

Für den stationären Handel sei Werbepost "ein wichtiges Instrument der Absatzförderung", erklärte die Sprecherin des Ministeriums gegenüber der dpa. Eine umgekehrte Opt-in-Regelung könne außerdem die Pressefreiheit betreffen – nämlich dann, wenn auch Anzeigenblätter mit redaktionellem Teil mit ins Verbot fallen.

Was Sie selbst tun können

Scheint also, als bliebe es erst einmal dabei, dass jeder Haushalt selbst aktiv werden muss, um ungewünschte Briefkastenwerbung explizit abzulehnen. Die entsprechenden Aufkleber gibt's übrigens nicht nur zu kaufen. Es reicht auch aus, wenn Sie einen handgeschriebenen Zettel auf den Briefkasten kleben. Wichtig dabei nur: Er muss natürlich lesbar sein und vor Wind und Wetter geschützt werden, etwa mit einer Klebefolie.

Und wenn dann doch wieder was im Briefkasten landet: Zeitungspapier lässt sich wunderbar als Tütenersatz für Biomüll oder als Lappen zum Fensterputzen nutzen. Weitere Ideen? Das alles kann man mit Zeitungspapier machen!

Auch wenn das nach wenig klingt: Jede:r von uns kann mit solch kleinen Entscheidungen und Schritten etwas nachhaltiger leben und damit seinen Teil zum Umweltschutz beitragen. Das Beste: Was Sie machen, ist Ihnen selbst überlassen. Aber das Wissen, unserem Planeten etwas Gutes zu tun und die Zukunft auch für unsere Nachkommen zu ebnen, tut wahnsinnig gut.

Vorschläge gefällig? Nachhaltig leben: Mit 12 Tipps zum umweltbewussten Haushalt!

Auch Wasser lässt sich leichter einsparen, als Sie denken. Schauen Sie mal:

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Übrigens: Um adressierte Werbebriefe von Unternehmen von vorneherein abzulehnen, können Sie sich in die sogenannte Robinsonliste des DDV (Deutscher Dialogmarketing Verband e.V.) eintragen, zu finden unter ichhabediewahl.de.

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