Aktualisiert: 09.09.2021 - 18:30

Spannende Studie Getränk aufs Haus: So viel Trinkgeld geben Gäste wirklich

Von der Redaktion

Der Zeitpunkt, zu dem ein Gratisgetränk serviert wird, kann das Trinkgeld deutlich beeinflussen. Das fanden Forscher in einer Studie heraus.

Foto: Getty Images/Owen Franken

Der Zeitpunkt, zu dem ein Gratisgetränk serviert wird, kann das Trinkgeld deutlich beeinflussen. Das fanden Forscher in einer Studie heraus.

Im Restaurant gibt man Trinkgeld. Doch was macht ein Getränk aufs Haus dabei aus? Welchen Einfluss ein kostenloser Ouzo hat, lesen Sie hier.

Vorspeise, Hauptgang, vielleicht noch ein Dessert – und hinterher noch einen Schnaps umsonst. Viele Gastronomen verwöhnen Gäste umfangreich und stellen zwischendurch oder am Ende des Abends ein Gratisgetränk auf den Tisch. Vor allem in griechischen Restaurants wird Gästen oft der berühmte Ouzo angeboten.

Doch was hat das eigentlich für Auswirkungen auf das Bezahlverhalten der Gäste? Eine Studie hat untersucht, wie viel Trinkgeld wirklich gegeben wird, wenn es ein Getränk aufs Haus gibt und was der Zeitpunkt des Gratisgetränks auf dem Tisch ausmacht. Die Ergebnisse sind erstaunlich.

Trinkgeld: So viel geben Gäste nach einem Getränk aufs Haus

Forscher der Hochschule Fresenius in Hamburg haben den Effekt von kostenlosen Getränken auf die Gabe von Trinkgeld unter die Lupe genommen. Sie haben dafür zur Vergleichbarkeit Experimente in einem deutschen und einem griechischen Restaurant durchgeführt.

Zunächst wurden im griechischen Lokal 403 Gastgruppen Gratisgetränke serviert. Variiert wurde dabei der Zeitpunkt: Entweder wurde der Ouzo während des Essens ausgeschenkt, kam direkt mit der Rechnung oder wurde erst nach dem Bezahlen gebracht. Letztere Option bildete die Kontrollgruppe des Versuchs.

Taxi, Friseur, Restaurant: Wie viel Trinkgeld man geben sollte, lesen Sie hier.

Ouzo mit der Rechnung bringt das meiste Trinkgeld

Die Ergebnisse sind durchaus spannend: Das meiste Trinkgeld, durchschnittlich 8,6 Prozent, gaben Gäste, wenn der Ouzo mit der Rechnung gereicht wurde. Durchschnittlich 7,8 Prozent Trinkgeld erhielten die Gastronomen, wenn der Ouzo während des Essens serviert wurde. Im Mittel nur 7,1 Prozent Trinkgeld gaben die Gäste aus der Kontrollgruppe, also wenn es einen Ouzo erst nach dem Bezahlen oder gar keinen gab.

Die Forscher konnten im griechischen Restaurant also nachweisen, dass Kellner rund 20 Prozent mehr Trinkgeld erhalten, wenn sie den Schnaps aufs Haus mit der Rechnung bringen, als wenn gar kein Gratisgetränk ausgegeben wird.

Tolle Aktion: Schauspieler Tom Selleck gibt Restaurantmitarbeitern 2.020 Dollar Trinkgeld. Hier erfahren Sie, was hinter der irren Summe steckt. Anfang des Jahres freute sich auch eine kleine Saftbar über ein unfassbar großzügiges Trinkgeld ...

Norm der Reziprozität erklärt Trinkgeld-Effekt

Eine ähnliche Versuchsreihe wurde zum Vergleich auch in einem deutschen Restaurant durchgeführt. Die Ergebnisse bestätigen den Trend aus dem Experiment in dem griechischen Lokal. Wurde den Gästen ein kostenloser Ouzo während des Essens serviert, gab es im deutschen Restaurant durchschnittlich 7,2 Prozent Trinkgeld. Kam der Schnaps mit der Rechnung, waren es im Mittel 8,8 Prozent – das sind rund 25 Prozent mehr Trinkgeld.

Wie lassen sich die Unterschiede erklären? Gäste fühlen sich offenbar verpflichtet, sich im Gegenzug für das Gratisgetränk mit einem hohen Trinkgeld zu bedanken. Der an der Studie beteiligte Psychologe Frederic Hilkenmeier erläuterte im "Business Insider": "Das Servicepersonal kann folglich durch einen geschickten Einsatz eines Gratisgetränks seine Trinkgelder erheblich und mühelos erhöhen, indem es die Norm der Reziprozität ausnutzt."

Mineralwasser im Restaurant: Deshalb bekommen Sie es dort nur in Flaschen.

Kellner könnten 400 Euro Trinkgeld monatlich mehr kriegen

Mit Reziprozität ist gemeint, dass eine positive oder auch negative Handlung des Gegenübers erwidert wird. Kurz gesagt: Wie du mir, so ich dir. Erhält man direkt mit der Rechnung also ein Getränk umsonst, wird das mit hohem Trinkgeld ausgeglichen.

In der Studie weisen die Autoren darauf hin, dass Gastronom:innen das Trinkgeld mit geschicktem Vorgehen vor allem in griechischen Restaurants deutlich erhöhen können. Kommt der Ouzo während des Essens, sind bis zu 200 Euro im Monat mehr drin. Monatlich sogar 400 Euro mehr winken Kellner:innen, die den Ouzo mit der Rechnung bringen.

Ein kostenloser Absacker für Gäste könnte sich für Gastronom:innen also durchaus lohnen. Denn bei einem Getränk aufs Haus wird mehr Trinkgeld gezahlt als sonst.

Apropos Ouzo: Ob man ihn und weitere Getränke im Tiefkühlfach lagern sollte, lesen Sie hier.

Familie und Leben

Familie und Leben

Alles rund um Haus & Garten, Wissenswertes aus dem Alltagsleben und Ratgeberthemen sehen Sie in den Videos.

Beschreibung anzeigen
Eine Webseite der FUNKE Mediengruppe