Aktualisiert: 03.09.2021 - 11:18

Wen wählt man denn nun? Wahl-O-Mat, Sozial-O-Mat und Co: Diese Entscheidungshilfen gibt's zur Bundestagswahl

Von der Redaktion

Durch welche Tür soll's gehen? Vor der Bundestagswahl 2021 sind sich viele noch unschlüssig. Entscheidungshilfen wie der Wahl-O-Mat können helfen. Noch tiefer gehen spezialisierte Tools wie der Sozial-O-Mat auf einzelne Themen ein. Was ist Ihnen wichtig?

Foto: Getty Images/Torsten Asmus

Durch welche Tür soll's gehen? Vor der Bundestagswahl 2021 sind sich viele noch unschlüssig. Entscheidungshilfen wie der Wahl-O-Mat können helfen. Noch tiefer gehen spezialisierte Tools wie der Sozial-O-Mat auf einzelne Themen ein. Was ist Ihnen wichtig?

Wen soll man nur wählen? Dröge Parteiprogramme durchzuackern, ist wohl für die wenigsten von uns eine Option. Einfach aufs Bauchgefühl vertrauen? Auch keine gute Idee. Schließlich muss man ja wissen, mit wem man es bei den Parteien zu tun hat und wer uns da die nächsten mindestens vier Jahre regieren soll. Zum Glück gibt's da ein paar Entscheidungshilfen, die uns zeigen, wie gut die zur Wahl stehenden Parteien mit unseren Ansichten übereinstimmen.

Wählen ist wichtig! In einer Demokratie ist die Wahl der für uns einfachste Weg, mitbestimmen zu können. Und diese Möglichkeit sollte jede:r von uns nutzen. Am 26. September 2021 ist es wieder so weit: Die rund 60 Millionen Wahlberechtigten in Deutschland machen sich auf den Weg, ihr Kreuzchen zur Bundestagswahl zu setzen. Doch noch längst ist sich nicht jede:r klar darüber, wen man denn nun am besten wählt. Bei der Entscheidung unterstützen können Wahl-Orientierungshilfen wie der Wahl-O-Mat. Und dann gibt es da noch solche Hilfen wie den Sozial-O-Mat oder den Agrar-O-Mat, die sich noch einmal genauer mit bestimmten Themen beschäftigen.

Braucht man einen Wahl-O-Mat? So funktioniert die Wahl-Orientierungshilfe

Den Wahl-O-Mat kennen Sie bestimmt. Das Tool der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) vergleicht seit 2002 alle Parteien, die zur Wahl stehen. Über 85 Millionen Mal wurde er laut bpb vor Wahlen bereits genutzt. Für die Bundestagswahl 2021 fiel der Startschuss des diesjährigen Wahl-O-Maten am 2. September 2021. Dann stehen alle Parteiprogramme fest, so dass sich die Parteien anhand von vordefinierten Fragen zu allen wichtigen Bereichen miteinander vergleichen lassen.

Der Bundestags-Wahl-O-Mat besteht aus 38 von Jungwähler:innen erarbeiteten Thesen. 39 von 40 Parteien haben diese Thesen in diesem Jahr beantwortet. Jetzt können Bürgerinnen und Bürger diese Thesen online mit ihren Ansichten vergleichen. Stimmen Sie einer These zu? Dann antworten Sie mit "stimme zu". Sind Sie anderer Meinung? Dann gibt's die Antwortmöglichkeit "stimme nicht zu". Und wenn das Thema Sie nicht betrifft? Dann gibt's die Möglichkeit "neutral". Auch überspringen lassen sich Thesen. Am Ende können Sie den Ihnen besonders wichtigen Thesen dann eine doppelte Gewichtung geben.

Neu ist übrigens, dass Sie diesmal nicht zwingend nur ein paar Parteien auswählen müssen. Die Möglichkeit ist zwar weiterhin gegeben, der Wahl-O-Mat 2021 spuckt Ihnen aber auch einen Vergleich Ihrer Antworten mit den Wahlprogrammen aller gelisteten Parteien aus. 2019 klagte nämlich die Partei Volt Deutschland im Zuge der Europawahlen vor dem Verwaltungsgericht Köln gegen die Beschränkung der Anzahl auswählbarer Parteien auf acht und bekam Recht. Die bpb hat reagiert und stellt in der aktuellen Fassung einen "Alle Parteien auswählen"-Button zur Verfügung.

Sie erhalten nach Beantwortung der Thesen ein prozentuales Ergebnis, das die Übereinstimmung mit den jeweiligen Parteien aufzeigt. Wer sich für Details interessiert, kann sich bei jedem einzelnen Themenkomplex Begründungen der Parteien durchlesen oder unter dem Punkt "Tuning" auch im Nachhinein die Gewichtung der Antworten ändern.

Den Wahl-O-Mat gibt's übrigens nicht nur online als Web-App, sondern auch als App fürs Smartphone, jeweils für Android als auch für iOS.

Die Geschichte des Wahl-O-Mat und seine Konkurrenz

Seit 2002 stand der Wahl-O-Mat für mehr als 50 Wahlen als Entscheidungshilfe zur Verfügung. Zwar ist der Wahl-O-Mat der bpb das reichweitenstärkste Tool seiner Art, doch es gibt Alternativen: Der "WahlSwiper" beispielsweise ist seit 2017 verfügbar. Seine Stärke sind kurze Erklärvideos, die Interessierten einzelne Themenkomplexe informativ nahebringen. Der "Wahlkompass" der Freien Universität Amsterdam ist seit 2007 verfügbar und berücksichtigt im Gegensatz zum Wahl-O-Mat einige kleinere Parteien nicht.

Dass in den drei umfassenden Tools aber nicht jedes Thema ausführlichst behandelt werden kann, ist leider klar. Der Wahl-O-Mat und seine beiden Alternativen bieten nur eine Orientierung und gelten nicht als Wahlempfehlung. Wem aber bestimmte Themen wichtiger sind als andere, dem stehen weitere, ganz ähnliche Tools zur Verfügung, die auch jetzt schon funktionieren. Dabei gibt es thematisch tiefer ins Wahlprogramm gehende "O-Maten" wie den Agrar-O-Mat oder den Sozial-O-Mat.

Themen Familie, Gesundheit, Arbeit und Migration: Der Sozial-O-Mat

Ein Beispiel für inhaltlich tiefergehende Orientierungshilfen ist der Sozial-O-Mat, der sich die sozialen Themen der Parteien genauer vornimmt und einen Fokus auf Arbeit, Gesundheit, Familie und Kinder sowie Migration legt. Unter den Thesen können Interessierte lesen, welche Auswirkungen politische Entscheidungen einer Partei auf unser Leben haben können. Der Sozial-O-Mat wurde von der Diakonie Deutschland und dem Wohlfahrtsverband der evangelischen Kirchen entwickelt.

Wie beim Wahl-O-Maten kann man sich auch beim Sozial-O-Maten durchklicken und angeben, wie wichtig einem welches Thema ist. Zu Beginn wird jedes Unterthema kurz erläutert. Anschließend werden Thesen genannt, die sich mit einem grünen Haken zustimmen, mit einem roten Kreuz ablehnen lassen. Der graue Strich wiederum heißt, dass Ihnen das Thema nicht wichtig ist.

Die Thesen sind einfach und verständlich formuliert. Ein Beispiel im Thema Arbeit: "Mindestlohn: Wer acht Stunden am Tag arbeitet, muss ohne zusätzliche Unterstützung leben können – deshalb muss der Mindestlohn deutlich erhöht werden." Nun können Sie auswählen: Stimmen Sie zu, lehnen Sie diese These ab oder ist sie Ihnen egal? Zu jeder These gibt es außerdem eine kleine Geschichte, die die These anhand eines gut greifbaren Beispiels aus dem Leben erklärt.

Anders als beim Wahl-O-Mat, bei dem zuvor die für Sie persönlich relevantesten Parteien ausgewählt werden können, vergleicht der Sozial-O-Mat nur die großen Parteien miteinander, also CDU/CSU, SPD, Die Linke, Die Grünen, FDP und AfD. Nach dem Ergebnis können Sie sich die genauen Begründungen dieser Parteien zu den jeweiligen Themen genauer ansehen.

Hier finden Sie den Sozial-O-Mat.

Thema Agrarpolitik: So funktioniert der Agrar-O-Mat

Der Agrar-O-Mat beschäftigt sich, wie soll es anders sein, mit der Agrarpolitik der Parteien. Erstellt wurde er von den Redakteur:innen der Zeitung Agrarheute. Auch hier gibt es wieder Thesen, denen Sie zustimmen oder die Sie ablehnen können. Auch neutrale Stimmen können wieder vergeben werden. Verglichen werden erneut die sechs großen Parteien, die in dieser Wahl voraussichtlich die größte Rolle spielen werden.

Zusätzlich haben Sie beim Agrar-O-Maten, wie auch vom Wahl-O-Mat bekannt, die Möglichkeit, eine These doppelt zu gewichten, wenn sie Ihnen besonders wichtig ist.

Hier gibt's den Agrar-O-Mat.

Deutschland Digital? Steuer-Politik? Kommen bald

Dass es hierzulande mit der Digitalisierung, nun ja, nicht ganz so fix vorangeht wie anderswo, dürfte vielen bekannt sein. Doch was soll sich laut den Parteien daran ändern? Das zeigt der Digital-O-Mat. Zur aktuellen Bundestagswahl ist er (Stand 03. September 2021) noch nicht online.

Und wie sieht's mit dem allseits verhassten Thema Steuern aus? Gibt's Steuersenkungen oder gar Erhöhungen? Wenn ja, wer profitiert? Diese Fragen könnten durchaus interessant sein, haben doch konservativere Parteien wie die CDU/CSU, aber auch die FPD eine etwas andere Ansicht als Linke, SPD und Grüne, wenn es um Steuerverteilungen geht. Bei wem die Reichen profitieren und wer sich um die Bürger:innen der Unter- und Mittelschicht sorgt, sehen Sie im Steuer-O-Mat.

Zur vergangenen Bundestagswahl gab es darüber hinaus auch noch spaßigere Alternativen wie den Geil-O-Mat, der die Spitzenkandidat:innen der Parteien nach Körperteilen, Optik, Alter und Co bewertete. Der Musik-O-Mat, der den eigenen Musikgeschmack der passenden Partei zuordnen kann und gleichzeitig noch Partei-Playlists ausspuckt, ist tatsächlich auch diesmal wieder online!

Übrigens müssen Sie nicht zwingend am 26. September ins nächste Wahllokal marschieren. Auch Briefwahl ist heutzutage ganz einfach möglich. Was Sie wissen müssen, sehen Sie im Video:

Briefwahl: Ablauf und wertvolle Tipps
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Wahlplakate hängen mittlerweile schon, im TV geht's weiter. Haben Sie schon von der Sat.1-Sendung "Kannste Kanzleramt?" gehört?

Wahlurnen-Knigge: Was ist beim Wählen erlaubt, was nicht?

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