Aktualisiert: 26.07.2021 - 20:45

Irre Urteile zum Mietrecht Vertragswidrig? Wann Duschen ein Fall fürs Gericht wird

Von der Redaktion

Unter bestimmten Voraussetzungen können Sie mit der Art und Weise, wie Sie duschen, vor Gericht landen.

Foto: Getty Images/torwai

Unter bestimmten Voraussetzungen können Sie mit der Art und Weise, wie Sie duschen, vor Gericht landen.

Jeder duscht nach seinen Vorlieben. Doch damit kann man vor Gericht landen. Wann Duschen laut Mietrecht vertragswidrig ist, lesen Sie hier.

Duschen gehört zur täglichen Körperhygiene wie das Zähneputzen. Für die meisten ist es selbstverständlich, jeder hat dabei seine eigenen Gewohnheiten. Ob lang, kurz, heiß, warm, im Stehen oder Sitzen – Duschen und Baden kann man so, wie man es möchte. Oder etwa nicht?

Tatsächlich gibt es immer wieder irre Gerichtsurteile, wonach laut Mietrecht sogar Duschen vertragswidrig sein kann. Ab sofort also lieber nur noch über dem Waschbecken frisch machen? Wir sagen, worauf Sie in Ihrem Badezimmer achtgeben müssen.

Ist Duschen vertragswidrig? Die irrsten Fälle im Mietrecht

Vermutlich kennen Sie die Situation nach dem Duschen. Wasserdampf sammelt sich im Badezimmer und kann erst durch Lüften entweichen. Unter Umständen kann es zu Schimmelbildung kommen. Und genau dann kommt die Frage ins Spiel, wie genau man selbst eigentlich duscht.

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Laut des Deutschen Mieterbundes (DMB) können die baulichen Gegebenheiten im Badezimmer einer Mietwohnung darauf hindeuten, ob Duschen auf eine bestimmte Art und Weise vertragswidrig sein kann. Wer in einer Badewanne stehend duscht und damit nachweislich für die Schimmelbildung verantwortlich ist, kann für die Schäden zur Verantwortung gezogen werden.

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Zu niedrige Fliesen können zum Problem werden

Nach einem Urteil des Landgerichts Köln (Az.: 1 S 32/15) muss der Vermieter Schimmel, der oberhalb des Fliesenspiegels der Badewanne entsteht, nicht entfernen, wenn der Mieter im Stehen in der Badewanne duscht. Auch eine Mietminderung ist dann durch den Schimmel nicht möglich, da der Mieter das Bad vertragswidrig genutzt hat und somit für den Schaden verantwortlich ist.

Ein anderes Urteil, das ebenfalls vom Landgericht Köln gefällt wurde (Az.: 1 S 32/15), zeigt konkret, wie "falsches Duschen" zu einem spannenden juristischen Fall wurde. Dabei ging es um ein Ehepaar, das seit vielen Jahren eine Mietwohnung bewohnt hatte mit einer Badewanne. Diese war nur zur halben Stehhöhe gefliest, der Rest verputzt. Durch das Duschen sind Wasserspritzer auf den Putz gelangt, sodass sich Schimmel bildete.

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Mieter ist für Schimmelbildung oft verantwortlich

Daraufhin klagte das Paar die Vermieterin an, dass diese den Schimmel beseitigen sollte. Außerdem verlangten Sie eine Mietminderung um zehn Prozent, die rückwirkend für mehrere Jahre gelten sollte. Das Amtsgericht Köln gab dem Ehepaar in erster Instanz zunächst recht. Doch die Angeklagte ging in Berufung – mit Erfolg.

Das Landgericht entschied, dass das Duschen in der Wohnung wegen der geringen Fliesenhöhe vertragswidrig sei. Dabei spiele es keine Rolle, ob es heutzutage üblich sei, in einer Badewanne stehend zu duschen. Denn Spritzwasser beschädige nun mal das Badezimmer und verursache Schimmel. Entsprechend sei die Nutzung des Badezimmers dafür nicht ausgelegt.

Passen Sie also gut auf, wie Sie in Ihrer Wohnung duschen – im schlimmsten Fall ist es vertragswidrig und kann Ihnen Ärger vor Gericht einhandeln.

Worauf Vermieter bei Standard-Mietverträgen achtgeben müssen, erfahren Sie hier.

Weitere Artikel, die sich mit juristischen Fragen beschäftigen, finden Sie auf unserer Themenseite Ratgeber Recht.

Quelle: t-online.de

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