Aktualisiert: 07.07.2021 - 20:51

Eine Stadt für Gläubige Katholische Stadt in Florida: Kondome gibt's hier nicht

Von der Redaktion

Der Pizza-Milliardär Tom Monaghan gründete die katholische Stadt Ave Maria. Durch die Vergabe von Stipendien lockt die gleichnamige Universität viele Studenten an.

Foto: Getty Images/ Vito Palmisano

Der Pizza-Milliardär Tom Monaghan gründete die katholische Stadt Ave Maria. Durch die Vergabe von Stipendien lockt die gleichnamige Universität viele Studenten an.

Der Gründer einer Fast-Food-Kette hat im Süden Floridas eine streng katholische Stadt gegründet. Klingt nach Satire? Ist es aber nicht.

1960 gründete Tom Monaghan die Pizzeria DomiNick's Pizza, die später in Domino's umgetauft wurde. Mittlerweile hat Domino's Pizza Filialen in mehr als 80 Ländern. Was viele jedoch nicht wissen: Tom Monaghan baute mehr auf als nur eine Restaurant-Kette. Der Schöpfer von Domino's Pizza gründete sogar eine eigene Stadt! Und die ist etwas ganz Besonderes: Die katholische Stadt Ave Maria im Süden Floridas ist geprägt von strengen Regeln. Dabei sind längst nicht alle Bewohner religiös…

Katholische Stadt Ave Maria: Ein Pizza-König wird zum Gründervater

Vor der Stadt war die Universität: 2003 gründete Tom Monaghan im südlichen Florida die katholische Ave-Maria-Universität. Seine Vision war es, die "erste wichtige katholische Universität in den USA seit 40 Jahren zu gründen". Doch eine Universität mitten im Nirgendwo funktioniert natürlich nicht. Deshalb entsteht um das Universitätsgelände herum seit 2005 die Universitätsstadt Ave Maria.

Wie die Welt berichtet, leben derzeit 10.000 Einwohner in Ave Maria, die meisten davon sind gläubige Katholiken, weiß, heterosexuell und konservativ. Diese dürften an den strengen Regeln, die das Leben in der christlichen Siedlung formen, nichts auszusetzen haben: So ist beispielsweise der Verkauf von Verhütungsmitteln verboten. Schnell noch eine Packung Kondome kaufen? Nicht in Ave Maria. Dementsprechend viele Kinder gibt es in der Stadt, die selbst noch so jung ist. Familien mit acht oder neun Kindern sind keine Seltenheit.

Keine Flipflops, keine Trägertops, keine Pornos: So geht Studieren auf Katholisch

Studenten, die an der privaten Ave-Maria-Universität studieren möchten, müssen sich an einen katholischen Moral-Kodex halten. So heißt es im Studenten-Handbuch: "Die Ave-Marie-Universität bestätigt die Lehre der katholischen Kirche, dass sexuelle Intimität der verbindlichen Union der sakramentalen Ehe vorbehalten ist." Auch die Pro-Life-Lehren der katholischen Kirche werden selbstverständlich unterstützt. Neben herkömmlichen Studienfächern gibt es laut einem Bericht der Tagesschau auch ein Trainings-Programm für jene, die mit einer Laufbahn als Nonne liebäugeln.

Doch damit nicht genug: Studenten müssen sich auch an einen strengen Dresscode halten. Trägerlose Tops oder Tops mit Spaghettiträgern sind verboten, kurze Hosen, Flipflops, zu enge oder anderweitig zu freizügige Kleidung ebenfalls. Auch, wer plant, seine eigene Sexualität zu erkunden ist an der Ave-Maria-Universität am falschen Platz: Pornographische Webseiten sind im Umfeld der Universitäten geblockt, der Besitz von Sexspielzeugen ist verboten. Dazu gehören natürlich auch – genau, Kondome.

Katholische Stadt will Andersgläubigen gegenüber tolerant sein

Trotz der strengen Regeln kann sich die Universität über einen Mangel an Studenten nicht beklagen: Rund 1.000 junge Menschen studieren dort, Kapazitäten hat die Universität für bis zu 6.000 Studenten. Vor allem in ihrer Anfangszeit vergab die Universität viele Stipendien, um Studenten anzulocken. Die studieren dort Literatur, Biologie oder Wirtschaftswissenschaften – und fahren am Wochenende mit dem Auto ins rund 60 Kilometer entfernte Naples.

Gläubige Katholiken sind vermutlich längst nicht alle Studenten – doch das ist in Ordnung. Denn auch, wenn die Bevölkerung Ave Marias ziemlich homogen ist, heißt Ave Maria Andersgläubige ausdrücklich willkommen – solange sie sich an die Regeln halten. Für Diskriminierung ist in der katholischen Stadt ihrem Selbstverständnis gemäß nämlich kein Platz.

In letzter Zeit hat die katholische Kirche zugegebenermaßen nicht gerade durch positive Nachrichten auf sich aufmerksam gemacht: Zuerst sagte der Vatikan "Nein" zur Segnung homosexueller Paare. Nur wenig später musste ein junger Mann wegen eines Fotos mit einem schwulen TV-Star seine Priester-Laufbahn beenden. Jetzt hat der Vatikan Einspruch gegen das geplante Anti-Homophobie-Gesetz in Italien eingelegt. Glücklicherweise gibt es auch Priester, die sich den konservativen Ansichten der Kirche entgegenstellen: Bei über 100 Segnungsgottesdiensten segneten katholische Priester homosexuelle Paare.

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