07.07.2021 - 08:18

Mehr Produktivität Island kürzt die Arbeitszeit – mit bahnbrechenden Resultaten

Im Rahmen eines Experiments kürzte Island die Arbeitszeit für 2.500 Arbeitnehmer. Was von dem Versuch geblieben ist, erfahren Sie hier.

Foto: Getty Images/ Travelpix Ltd

Im Rahmen eines Experiments kürzte Island die Arbeitszeit für 2.500 Arbeitnehmer. Was von dem Versuch geblieben ist, erfahren Sie hier.

Im Rahmen eines Versuchs kamen in Island 2.500 Arbeitnehmer in den Genuss einer kürzeren Arbeitswoche. Ein Modell für die Zukunft?

Seit Mitte des letzten Jahrhunderts ist die Wochenarbeitszeit im Durchschnitt gesunken: Lag sie nach dem Zweiten Weltkrieg noch bei circa 48 Stunden, umfasst die klassische Arbeitswoche mittlerweile 40 Stunden. Viele finden: Das ist immer noch zu viel. Neben der Arbeit und dem Stillen der menschlichen Bedürfnisse wie Essen oder Schlafen bliebe kaum Zeit für Hobbies, soziale Kontakte und andere Erledigungen. Immer wieder wird in Deutschland eine Reduzierung der 40-Stunden-Woche gefordert – Island hat es ausprobiert. In einem groß angelegten Versuch kürzte Island die Arbeitszeit – bei gleichbleibendem Gehalt. Die Ergebnisse zeigen: Es geht tatsächlich auch anders.

Island kürzt die Arbeitszeit – und steigert die Produktivität

2.500 Menschen wechselten in Island zwischen 2015 und 2019 zum Modell der Vier-Tage-Woche, das entspricht in etwa einem Prozent der arbeitenden Bevölkerung des Landes. Statt 40 Stunden arbeiteten sie nur noch 35 oder 36 Stunden pro Woche, ihr Gehalt blieb jedoch gleich. Um die Arbeitszeit effektiv zu reduzieren, wurden beispielsweise Meetings gekürzt oder unnötige Aufgaben komplett gestrichen. Das Ziel der kürzeren Arbeitszeit war nicht nur die Verbesserung der Work-Life-Balance, sondern auch die Steigerung der Produktivität.

Mittlerweile ist das Experiment seit zwei Jahren beendet, die verantwortlichen Wissenschaftler haben die Resultate vorgestellt. Laut Alda, einer isländischen Organisation für Demokratie und Nachhaltigkeit, liefert der Versuch einen "bahnbrechenden Beweis dafür, wie wirksam die Reduzierung der Arbeitszeit ist". Eine kürzere Arbeitswoche habe nicht nur positive Auswirkungen auf die Arbeitnehmer, sondern auch auf die Unternehmen.

Das passiert, wenn man die Arbeitszeit kürzt

Laut dem Bericht der Organisation blieben die Produktivität und die erbrachte Leistung in den meisten Betrieben gleich oder steigerte sich sogar. Auch das Wohlbefinden der Angestellten verbesserte sich, sie litten seltener unter Stress oder Burnout, waren gesünder und hatten eine ausgeglichenere Work-Life-Balance.

Und damit nicht genug: Als das Experiment offiziell endete, bedeutete das keineswegs das Ende für die kürzere Arbeitswoche. Ganz im Gegenteil: Die isländischen Gewerkschaften nahmen sich die guten Ergebnisse zu Herzen. Heute haben dem Bericht zufolge ungefähr 86 Prozent der isländischen Bevölkerung ihre Arbeitszeit reduziert oder das Recht, sie zu reduzieren.

Weniger Arbeitszeit, gleiches Gehalt: ein Zukunftsmodell?

Ob die Verkürzung der Arbeitszeit auch für andere Länder funktioniert – beispielsweise für Deutschland? Der Spiegel wendet ein, dass es unklar sei, "wie belastbar die Erkenntnisse aus Island genau sind". Es sei fraglich, ob sich das Experiment auf Länder mit einer "komplexeren Wirtschaftsstruktur als Island" übertragen ließe. Da hilft wohl nur eines: ausprobieren, so wie es Spanien gerade macht. In Spanien testen derzeit 400 Unternehmen die Vier-Tage-Woche.

In Deutschland plädierte die Chefin der Linken, Katja Kipping, letztes Jahr ebenfalls für die Vier-Tage-Woche. Auch Arbeitsminister Hubertus Heil sagte, dass er sich die Vier-Tage-Woche vorstellen könnte.

Den ganzen Bericht über die Studienergebnisse finden Sie hier: Going Public: Iceland's Journey to a Shorter Working Week

Ein weiterer Vorschlag, der vor allem seit der Corona-Pandemie immer wieder gebracht wird, ist das bedingungslose Grundeinkommen: Das spricht dafür, das spricht dagegen. Ob die Zukunft nach Corona überhaupt anders wird? Das und warum Resilienz so wichtig ist, erfahren Sie in unserem Interview mit dem Resilienzforscher Karim Fathi.

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