Aktualisiert: 28.06.2021 - 20:21

#DeutschRapMeToo Gewalt gegen Frauen: Vorwürfe gegen die deutsche Rap Szene

Von Nadja von Bossel

Mit dem Hashtag #DeutschRapMeToo machen Zehntausende Frauen auf sexuelle Gewalt in der deutschen Rap-Szene aufmerksam.

Foto: Getty Images/Iryna Khabliuk/EyeEm

Mit dem Hashtag #DeutschRapMeToo machen Zehntausende Frauen auf sexuelle Gewalt in der deutschen Rap-Szene aufmerksam.

Unter dem Hashtag "DeutschRapMeToo" melden sich Tausende Opfer sexualisierter Gewalt zu Wort. Die Rap-Szene in Deutschland hat diese Bewegung schon lange nötig.

Vergewaltigungphantasien und Gewalt sind bekannte Motive in der Musik von deutschen Rappern. Doch, was passiert, wenn aus Songtexten Realität wird? Die aktuelle Debatte rund um den Hashtag "DeutschRapMeToo" macht deutlich, wie viele Frauen tatsächlich von sexualisierter Gewalt betroffen sind. Die Bewegung könnte endlich Veränderung in die umstrittene Musik-Szene bringen.

Vergewaltigungsvorwürfe gegen Rapper löst #DeutschRapMeToo aus

Dass deutsche Rap-Texte häufig problematisch sind, ist schon lange bekannt. Rapper wie Kollegah und Farid Bang mussten sich in der Vergangenheit zwar gegen Antisemitismus-Vorwürfe rechtfertigen, doch verändert haben sich die Texte und Haltung der Musiker nicht.

Die aktuelle Debatte will das nun ändern. Auslöser waren bis jetzt unbewiesene Vergewaltigungsvorwürfe gegen den Rapper Samra, der diese vehement auf seinem Instagram-Kanal von sich wies. Seitdem teilen Zehntausende von Frauen unter dem Hashtag "DeutschRapMeToo" ähnliche Erfahrungen mit Männern aus der deutschen Rap-Szene.

Schon lange machen Organisationen wie "Terre Des Femmes" und Musikjournalistinnen auf Sexismus in der Szene aufmerksam. Bis jetzt leider, ohne dabei Veränderungen zu bewirken.

Sexismus in der deutschen Rap-Szene ist kein neues Phänomen

Die Musikjournalistin Nava Zarabian erklärt in einem Interview mit Zett.de: "Schon seit Jahren berichten insbesondere Musikjournalistinnen davon, was hinter den Kulissen der Szene abgeht. Sexualisierte Gewalt im Deutschrap ist kein neues Phänomen – höchstens das Ausmaß an Aufmerksamkeit, das das Thema gerade bekommt."

Deutsche Rapperinen, wie Shirin David, sind Teil der derzeitigen Bewegung. Auch sie haben negative Erfahrungen mit ihren Rapper-Kollegen gemacht und und sprechen erstmals öffentlich über das Problem, das lange unter den Teppich gekehrt worden ist.

Schon 2020 versuchte die Organisation "Terre Des Femmes" mit dem Hashtag #unhatewomen gegen gewaltverherrlichende Songtexte anzukämpfen. "Lieder, die jugendgefährdend und sexistisch, antisemtisch oder anders diskriminierend sind, sollten von den entsprechenden Behörden konsequent auf den Index gesetzt werden", erklärt die Organisation gegenüber ZDF.de. Vor allen Dingen die Übertragung der lyrischen Phantasien auf die Realität sehen die Expert*innen als Gefahr.

Diese Veränderungen fordern Expert*innen

Häufig komme es zu einer sogenannten "Opfer-Täter-Umkehr", erklärt Musikjournalistin Nava Zarabian weiter im Interview mit Zett.de. Männliche Rapper solidarisieren sich untereinander und auch die Fans der beschuldigten Musiker reagieren mit Hass gegen die Opfer. Häufig wird so die Glaubwürdigkeit der Betroffenen in Frage gestellt.

Zarabian fordert vor allen Dingen ein strukturelle Veränderung des Problems. Sie sieht die Verantwortung bei den Plattenfirmen, die die gewaltverherrlichenden Texte durchwinken.

"Labels müssen für sexualisierte Gewalt sensibilisiert werden. Und junge Menschen, die ja die Hauptkonsument*innen von Deutschrap sind, müssten vermehrt darüber aufgeklärt werden, wo sexualisierte Gewalt und eine Vergewaltigung bereits beginnen", sagt sie weiter im Interview.

Das Plattenlabel des Rappers Samra reagierte bereits auf die Vergewaltigungsvorwürfe und beendete die Arbeit des Musiker bis auf Weiteres. In einem öffentlichen Statement sprach sich "Universal Music" gegen jegliche Form von Gewalt und für eine tolerante, vielfältige und friedliche Gesellschaft aus.

Quellen: ZDF.de, Zett.de, BR.de

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