09.06.2021 - 07:54

Kritische Stimmen aus Politik Rente mit 68: Wie lange müssen wir in Zukunft arbeiten?

Die Lebenserwartung in Deutschland steigt. Immer wieder werden deshalb Stimmen laut, die für die Rente mit 68 plädieren.

Foto: imago images/Westend61

Die Lebenserwartung in Deutschland steigt. Immer wieder werden deshalb Stimmen laut, die für die Rente mit 68 plädieren.

Die Deutschen leben immer länger. Werden wir deshalb auch bald länger arbeiten? Der Beirat des Wirtschaftsministeriums will die Rente mit 68.

Seit 2012 wird das Renteneintrittsalter schrittweise erhöht: Nachdem Arbeitnehmer lange Zeit mit 65 in Rente gehen konnten, erreichen ab 1964 Geborene derzeit planmäßig erst mit 67 Jahren den wohlverdienten Ruhestand. Geht da noch mehr? Im Zusammenhang mit der Reform des Deutschen Rentensystems wurden in der Politik Stimmen laut, die für die Rente mit 68 plädierten. Dieser Vorschlag kam nicht bei allen gut an.

Rente mit 68 soll längere Lebenserwartung ausgleichen

Wie die Tagesschau bereits berichtete, hatte der Wissenschaftliche Beirat des Wirtschaftsministeriums vorgeschlagen, das Renteneintrittsalter im Rahmen einer Rentenreform auf 68 Jahre zu erhöhen. Der Grund für diesen Vorschlag: Es drohten "schockartig steigende Finanzierungsprobleme in der gesetzlichen Rentenversicherung ab 2025". Eine längere Erwerbstätigkeit soll diese Probleme ausgleichen.

Der Beirat verwies darauf, dass "das Renteneintrittsalter nicht langfristig von der Entwicklung der Lebenserwartung abgekoppelt werden" könne. Laut dem Statistischen Bundesamt steigt die Lebenserwartung in Deutschland weiterhin: Während Männer zwischen 2001 und 2003 nur 75,59 und Frauen 81,34 Jahre alt wurden, waren es im Zeitraum zwischen 2016 und 2018 bereits 78,48 und 83,27 Jahre – Tendenz steigend.

Der Geschäftsführer des Gesamtverbands der Versicherungswirtschaft, Jörg Asmussen, forderte laut Ärzteblatt deshalb bereits 2020, nicht am starren Rentenalter festzuhalten. Ansonsten müsse ein immer längerer Ruhestand finanziert werden, "sowohl über die gesetzliche Rentenkasse als auch die private Vorsorge". Das beste Modell sei ein individuell flexibler Renteneintritt. Falls man aber am festen Renteneintrittsalter festhalten wolle, sollte es an die steigende Lebenserwartung angepasst werden, beispielsweise durch eine um zwei Jahre längere Erwerbstätigkeit und eine um ein Jahr längere Rente.

Vorschlag sorgt für Kritik

Obwohl die Koppelung der Rente an die Lebenserwartung nachvollziehbar ist, kam der Vorschlag nicht gut an: Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier lehnte die Anhebung des Renteneintrittsalters ab. Auf Twitter schrieb der Minister, das Renteneintrittsalter solle bei 67 bleiben, dies sei "seit Jahren meine Meinung".

Auch die CSU und die SPD konnten dem Vorschlag nichts abgewinnen. CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt schlug stattdessen eine "wirkungsvolle Reform der privaten Vorsorge" vor, während Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) darauf verwies, dass die gesetzliche Rente "ein zentrales Versprechen des Sozialstaates" sei, bei dem es "um Anerkennung von Lebensleistung und Sicherheit im Alter" ginge.

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