Aktualisiert: 01.06.2021 - 21:51

Nicht ins Handy tippen Warum Sie Notizen lieber auf Papier schreiben sollten

Von der Redaktion

Japanische Forscher empfehlen, Notizen lieber mit Stift und Papier aufzuschreiben, statt digitale Hilfsmittel zu verwenden.

Foto: Getty Images/Tom Werner

Japanische Forscher empfehlen, Notizen lieber mit Stift und Papier aufzuschreiben, statt digitale Hilfsmittel zu verwenden.

Viele schreiben Notizen digital ins Handy oder nutzen ein Tablet. Eine Studie aus Japan legt nun nahe, lieber auf Papier und Stift zu setzen.

Schreiben Sie sich mit Stift und Papier einen klassischen Einkaufszettel, bevor Sie in den Supermarkt gehen? Oder notieren oder sprechen Sie sogar Dinge wie einen wichtigen Arzttermin lieber als Notiz ins Handy? Beides ist möglich und für jede Variante, um sich Wichtiges zu merken, gibt es Verfechter. Doch eine japanische Studie hat nun herausgefunden, was wirklich besser ist.

Tatsächlich sollten Notizen lieber nicht ins Handy geschrieben werden, sondern stattdessen mit Stift auf Papier. Das eignet sich besser, um Informationen abzuspeichern und später gezielt abrufen zu können. Warum das so ist und wie die Forscher das herausgefunden haben, lesen Sie hier.

Papier statt Handy: Notizen besser nicht digital aufschreiben

Die Studie rund um den Neurowissenschaftler Professor Kuniyoshi L. Saka von der Universität Tokio wurde im Fachblatt "Frontiers in Behavioral Neuroscience" veröffentlicht. Die spannende Erkenntnis: Es wurde bei den Versuchsteilnehmern, die handschriftliche Texte verfassten, eine erhöhte Aktivität im Gehirn nachgewiesen als bei denjenigen, die digital mit Notebook, Tablet oder Handy ihre Notizen schrieben – und das sogar, wenn sie dabei einen digitalen Stift benutzten.

Doch wie fanden die Forscher das heraus? 48 Studenten im Alter zwischen 18 und 29 Jahren nahmen an den Versuchen teil. Sie sollten ein fiktives Gespräch lesen mit zahlreichen Informationen wie Unterrichtszeiten, persönlichen Terminen und Fälligkeitsdaten. Dann wurden die Studenten aufgeteilt in drei Gruppen unter Berücksichtigung, wie ausgeprägt die Gedächtnisfähigkeiten waren und ob sie lieber mit analogen oder digitalen Mitteln arbeiteten.

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Im MRT wurden Gehirnregionen analysiert

Dann sollten die Studenten den Zeitplan aus dem Text rekonstruieren. Und zwar entweder mit einem Stift in einen Terminkalender aus Papier, in einer Kalender-App auf dem Tablet mit digitalem Stift oder aber auf einem Smartphone mit Touchscreen-Tastatur. Für diese Aufgabe wurde kein Zeitlimit festgesetzt, die Versuchsteilnehmer erhielten lediglich die Anweisung, ihre Notizen so zu notieren, wie sie es auch sonst machen würden.

Nach einer kurzen Pause und einer Ablenkungsaufgabe mussten sich die Versuchsteilnehmer im Anschluss in einen Magnetresonanztomografen (MRT) legen. Damit lässt sich feststellen, welche Gehirnregionen aktiv sind. Während sie sich im MRT befanden, wurden den Studenten Fragen zu den Terminen gestellt.

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"Papier ist im Vergleich zu elektronischen Dokumenten fortschrittlicher"

Die Forscher wollten zum Beispiel wissen, welche Aufgabe wann fällig ist oder was das früheste Fälligkeitsdatum ist. Diejenigen, die Papier benutzen, füllten die Fragen am schnellsten aus mit durchschnittlich elf Minuten. Dann folgten diejenigen, die ein Tablet mit digitalem Stift benutzten mit 14 Minuten. Am längsten brauchten die Smartphone-User (16 Minuten). Studenten, die auf Papier geschrieben haben, lösten die Fragen also im Schnitt bis zu 25 Prozent schneller als Studenten, die digitale Methoden nutzten.

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Und nicht nur das: Die Gehirnaktivität beim Beantworten der Fragen war bei den Teilnehmern, die auf Papier geschrieben haben, am höchsten. In einer Pressemitteilung der Universität Tokio sagte Professor Kuniyoshi L. Saka: "Tatsächlich ist Papier im Vergleich zu elektronischen Dokumenten fortschrittlicher und nützlicher, da Papier mehr einzigartige Informationen für eine bessere Gedächtnisleistung bereithält."

Eselsohren oder Knicke helfen beim Merken

Zu einer der aktivsten Hirnregionen im Test zählt zum Beispiel der Hippocampus, der für Erinnerung und Orientierung zuständig ist. Aber auch Regionen für Sprache und imaginäre Visualisierung waren aktiver. Papier hat demnach bei kreativen Prozessen erhebliche Vorteile gegenüber digitalen Medien wie Handy oder Tablet. Professor Kuniyoshi L. Saka meint sogar: "Für Kunst, das Komponieren von Musik oder andere kreative Werke würde ich die Verwendung von Papier anstelle digitaler Methoden bevorzugen."

Und auch um Informationen auswendig zu lernen, seien Papierhefte im Vorteil. Denn wer Wörter zum Beispiel markiert oder unterstreicht, kann die Gedächtnisleistung verbessern. Papier ist außerdem nicht einheitlich. Es kann Eselsohren, Knicke oder unregelmäßige Maserungen haben, was die zu lernende Information mit einem konkreten Raum verbindet. Digitales Papier auf dem Handy oder Tablet hingegen wirkt zu einheitlich und erschwert das Merken, auch weil es durch Scrollen oder das Schließen der App nicht beständig scheint wie physisches Papier.

Greifen Sie deshalb lieber zu Stift und Papier, um sich wichtige Notizen aufzuschreiben und nutzen Sie das Handy besser zum Telefonieren. So können Sie etwas für die Leistung des Gehirns tun.

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