28.05.2021 - 08:16

Entscheidung pro Mieter "Verletzung der Menschenwürde": Wann Mietern nicht gekündigt werden darf

Wenn einem die Wohnung gekündigt wird, ist das immer schlimm. Ein älteres Mieter-Paar wehrte sich gegen die Kündigung – und verwies unter anderem auf seine tiefe Verwurzelung am Wohnort.

Foto: Getty Images/ Westend61

Wenn einem die Wohnung gekündigt wird, ist das immer schlimm. Ein älteres Mieter-Paar wehrte sich gegen die Kündigung – und verwies unter anderem auf seine tiefe Verwurzelung am Wohnort.

Einem Rentner-Paar in Berlin wurde die Wohnung gekündigt – nach beinahe 20 Jahren. Doch das Berliner Landgericht entschied zugunsten des Paars.

Wenn der Vermieter plötzlich Eigenbedarf anmeldet und einen, salopp gesagt, rausschmeißt, ist das wohl für jeden ein Schock. Besonders schwierig ist die Situation jedoch für Menschen, die bereits etwas älter sind: Wie sollen betagte Menschen einen Umzug organisieren? Wie eine neue Wohnung finden? Droht nun etwa die Obdachlosigkeit? Das Berliner Landgericht hatte ähnliche Bedenken: Es entschied, dass einer 89-jährigen Mieterin wegen ihrer "tiefen Verwurzelung" am Wohnort nicht die Wohnung gekündigt werden darf.

Verwurzelung am Wohnort: Berliner Landgericht spricht sich gegen Mieter-Kündigung aus

Stellen Sie sich vor, Sie erhalten die Kündigung – für die Wohnung, in der Sie und Ihr Partner bereits seit beinahe 20 Jahren leben. Besonders für ältere Menschen ist es hart, aus ihrer vertrauten Umgebung gerissen zu werden und den Ort zu verlieren, den man als sein Zuhause betrachtet.

In genau solch einer Situation hat das Berliner Landgericht nun ein Urteil zugunsten der Mieter gefällt. Wie das Rechtsmagazin Legal Tribune Online berichtete, dauerte der Rechtsstreit bereits seit 2015 an. Damals hatte die Vermieterin einer Wohnung dem bereits seit 1997 darin lebenden Ehepaar wegen Eigenbedarf gekündigt. Die Mieter legten aufgrund ihres hohen Alters, ihres schlechten Gesundheitszustands, ihrer beschränkten finanziellen Möglichkeiten und ihrer langjährigen Verwurzelung am Wohnort Einspruch gegen die Kündigung ein.

Vermieter-Gründe sind weniger wichtig

Es kam zu zahlreichen Gerichtsverfahren, die sich insgesamt über sechs Jahre hinzogen. Der Ehemann verstarb in der Zwischenzeit. Diese Woche kam das Berliner Landgericht nun endlich zu einer Entscheidung: Es urteilte, dass der Verlust der Wohnung für die verbleibende Mieterin auf einen "Verlust der Menschenwürde" hinauslaufen könne. Die Gründe der Vermieterin, nämlich "bloßer Komfortzuwachs und die Vermeidung unerheblicher wirtschaftlicher Nachteile" seien im Vergleich weniger wichtig. Die Mieterin darf somit auf unbegrenzte Zeit weiter in der Wohnung bleiben.

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