12.05.2021 - 09:57

Kettenreaktion Gefährliche Kernspaltung? Im Atomreaktor in Tschernobyl tut sich was…

Experten befürchten, dass es im Atomreaktor von Tschernobyl zu nuklearen Kettenreaktionen kommt. Steht uns eine Katastrophe wie das Reaktorunglück 1986 bevor?

Foto: Getty Images/ by Edward Neyburg

Experten befürchten, dass es im Atomreaktor von Tschernobyl zu nuklearen Kettenreaktionen kommt. Steht uns eine Katastrophe wie das Reaktorunglück 1986 bevor?

35 Jahre liegt die furchtbare Atomkatastrophe von Tschernobyl mittlerweile zurück. Jetzt zeigen Messgeräte erneut besorgniserregende Werte an.

Der Atomreaktorunfall im ukrainischen Tschernobyl gilt bis heute als die größte Katastrophe, die sich im Zusammenhang mit Kernenergie jemals ereignet hat. Immer noch steht das Gelände des Atomkraftwerks unter Beobachtung. Jetzt wurde bekannt, dass ein Messgerät im Keller des Reaktors besorgniserregende Werte anzeigt: Finden im Atomkraftwerk in Tschernobyl nukleare Kettenreaktionen statt?

Atomkraftwerk Tschernobyl: Kommt es zu nuklearen Kettenreaktionen?

1986 explodierte im Kernkraftwerk Tschernobyl im Norden der Ukraine ein Atomreaktor. Dabei wurde radioaktives Material freigesetzt, das in die Atomsphäre gelangte und sich mit dem Regen über der Ukraine, Russland und Weißrussland ergoss. Durch den Wind gelangte es auch nach Europa.

Über die Zahl der Todesopfer ist man sich bis heute uneinig: Die Zahl derjenigen, die an akuter Strahlenbelastung starben, liegt Berichten zufolge bei unter 50. Die Zahl der Menschen, die in Folge der Radioaktivität an Krebs oder anderweitig erkrankten und verstarben, wird jedoch auf zwischen 4.000 und mehrere Hunderttausend geschätzt. Weiterhin trugen Millionen Menschen gesundheitliche Langzeitfolgen davon.

Die schreckliche Katastrophe von Tschernobyl schuf ein Bewusstsein dafür, wie gefährlich Atomenergie sein kann. Seit dem Zwischenfall wird das Gelände genau überwacht, um sicherzustellen, dass es nicht zu weiteren gefährlichen Reaktionen kommt. Doch jetzt sieht es so aus, als könnte genau das passieren: Wie unter anderem der Spiegel berichtete, könnten sich im Keller des beschädigten Reaktors weiterhin nukleare Kettenreaktionen ereignen.

Experten befürchten unkontrollierte Kernspaltung

Laut Anatolij Doroschenko vom Institut für Sicherheitsprobleme von Kernkraftwerken (ISPNPP) in Kiew zeigen einige Sensoren im Bereich des Reaktors Nummer 4 langsam steigende Neutronenwerte an. Diese könnten ein Zeichen für eine sich selbst erhaltende Kernspaltung sein. Besorgniserregend ist auch der Umstand, dass die Werte vor allem in einem Raum unter dem Reaktor gemessen werden, der seit dem Unfall nicht mehr zugänglich ist.

Bei dem Reaktorunfall verschmolzen verschiedene Komponenten zu dem Material Corium. In dem unzugänglichen Raum befinden sich viele Tonnen dieses Materials. Wissenschaftler befürchten, dass es im Corium zu nuklearen Prozessen kommt, bei denen Neuronen freigesetzt werden. Diese könnten wiederum weitere Spaltprozesse auslösen, die, wenn das Material beispielsweise zu trocken ist, zusätzlich beschleunigt werden – der Chemiker Neil Hyatt vergleicht das Szenario in einem Artikel im Fachmagazin Science mit der Glut auf einer Grillstelle. Es könnte so zu einer unkontrollierten Freisetzung von Kernenergie kommen.

Wie gefährlich ist die nukleare Aktivität in Tschernobyl?

Welche Folgen die Freisetzung der Kernenergie haben könnte, ist noch unklar. Das ISPNPP schließt einen erneuten Unfall nicht aus. Neil Hyatt rechnet jedoch nicht mit einer weiteren Katastrophe wie der im Jahr 1986. Laut dem ISPNPP habe man einige Jahre Zeit, das Problem in den Griff zu bekommen. Da sich Menschen dem betroffenen Bereich nicht nähern können, überlegt man, mit Robotern zu arbeiten: Diese könnten Löcher in das Corium bohren und diese mit dem Element Bor füllen. Dadurch würden die problematischen Neuronen eingefangen werden.

Die Katastrophe von Tschernobyl wurde in zahlreichen Werken verarbeitet. Die Serie "Chernobyl" erzählt die Geschichte der Katastrophe nach. Auch das Werk "Die Wolke" der verstorbenen Autorin Gudrun Pausewang basiert auf dem Reaktorunfall.

Tschernobyl mag das berühmteste Kernkraftunglück sein, doch es ist nicht das einzige: 2011 kam es zur Nuklearkatastrophe von Fukushima.

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