11.05.2021 - 08:02

Rom zum Trotz "Liebe gewinnt": Katholische Priester segnen homosexuelle Paare

Seit der Verkündigung des Vatikans, homosexuelle Paare weiterhin nicht segnen zu wollen, regt sich Protest in der katholischen Kirche – so auch in der Kirche St. Bonaventura in Remscheid. Jetzt gipfelte der Widerstand in zahlreichen Segnungsgottesdiensten.

Foto: imago images/Kirchner-Media

Seit der Verkündigung des Vatikans, homosexuelle Paare weiterhin nicht segnen zu wollen, regt sich Protest in der katholischen Kirche – so auch in der Kirche St. Bonaventura in Remscheid. Jetzt gipfelte der Widerstand in zahlreichen Segnungsgottesdiensten.

Vor Kurzem sprach sich der Vatikan erneut gegen die Segnung homosexueller Paare aus. Doch viele Priester setzen sich über das Verbot hinweg.

Im März hatte der Vatikan seinen früheren Beschluss bekräftigt, homosexuelle Paare nicht segnen zu wollen. Der Grund für diese Entscheidung: Die Kirche habe "nicht die Befugnis, gleichgeschlechtlichen Verbindungen den Segen zu erteilen". Die Segnung homosexueller Paare könne als "unerlaubt" betrachtet werden, so die Stellungnahme der vatikanischen Glaubenskongregation. Doch in der Kirche regt sich Widerstand gegen die Regeln aus Rom: Rund um den 10. Mai fanden 110 Segnungsgottesdienste statt, bei denen katholische Priester homosexuelle Paare segneten – der Entscheidung des Vatikans zum Trotz.

Katholische Priester veranstalten Segnungsgottesdienste für homosexuelle Paare

Kaum hatte der Vatikan im März seine Entscheidung, homosexuelle Paare nicht segnen zu wollen, verkündet, wurde unter den Katholiken Widerspruch laut. Laut einem Bericht der Zeit protestierten im deutschsprachigen Raum zahlreiche katholische Verbände und über 280 Theologieprofessoren gegen das Segnungsverbot.

Diese Proteste gipfelten in insgesamt 110 Segnungsgottesdiensten rund um den gestrigen Montag. Das Motto der Gottesdienste, die sich ausdrücklich auch an homosexuelle Paare richteten: "Liebe gewinnt" – auch gegen den Willen des Vatikans.

Initiative "Liebe gewinnt": "Ein Zeichen der Solidarität"

"Liebe gewinnt" ist auch der Name der Initiative, die zu den Segnungsgottesdiensten aufgerufen hatte. Zu dieser zählen unter anderem Priester, Diakone und Ehrenamtliche. In einer Mitteilung der Initiative bezeichnen sie die Gottesdienste als eine "spontane Reaktion auf die Äußerungen aus Rom". Sie seien ein "Zeichen der Solidarität und pastoraler Zuwendung" an jene Communities, die durch den Entschluss des Vatikans "einmal mehr von der katholischen Kirche diskriminiert wurden".

Es sei auch ein bewusstes Zeichen gewesen, die Gottesdienste öffentlich zu vollziehen, weil "die Initiator:innen die z.T. jahrzehntelange Praxis des heimlichen Segnens als unwürdig" empfanden, als "unwürdig" für die zu segnende Paare und die Kirche sowie als nicht tragbar in einer "Gesellschaft, die sich den fundamentalen Menschenrechten verpflichtet fühlt".

Gottesdienste kein "Instrument für kirchenpolitische Manifestationen"

Laut einem Bericht auf dem Nachrichtenportal des Vatikans, Vatican News, hatte die Deutsche Bischofskonferenz bereits im Vorfeld Kritik an den geplanten Segnungsgottesdiensten geübt. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, bezeichnete die Feiern als "wenig hilfreich".

Segnungsgottesdienste seien "nicht als Instrument für kirchenpolitische Manifestationen oder Protestaktionen geeignet". Gleichzeitig sprach sich der Bischof von Limburg aber für eine "Neubewertung von gleichgeschlechtlichen Partnerschaften und eine Weiterentwicklung der kirchlichen Sexualmoral" aus.

Das Verhältnis großer Teile der katholischen Kirche zum Thema Homosexualität ist, gelinde gesagt, unentspannt. Im März hatte sich der Vatikan erneut gegen die Segnung homosexueller Paare ausgesprochen. Auch dieser Fall zog die Aufmerksamkeit auf sich: Wegen eines Fotos mit einem schwulen TV-Star durfte dieser junge Mann kein Priester werden. Kein Wunder, dass sich immer mehr junge Leute von der Kirche abwenden und die Jungen Liberalen eine grundlegende Reform des Verhältnisses von Staat und Religion fordern.

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