Aktualisiert: 05.05.2021 - 18:02

Lockerungen für Geimpfte? Impfstatus nachweisen: Hier drohen Fälschungen

Auch wenn er auf den ersten Blick so aussieht: Fälschungssicher ist der Impfass nicht – und zudem ein sensibles Dokument. Daher hagelt es Kritik im Vorfeld von Öffnungen für Geimpfte und Genesene.

Foto: Getty Images/Westend61

Auch wenn er auf den ersten Blick so aussieht: Fälschungssicher ist der Impfass nicht – und zudem ein sensibles Dokument. Daher hagelt es Kritik im Vorfeld von Öffnungen für Geimpfte und Genesene.

Schon ab dem kommenden Wochenende soll es laut Bundesregierung Lockerungen für Geimpfte geben. Das sei viel zu schnell, sagen zahlreiche Kritiker aus der Medizin oder den Gruppen, die die Impfnachweise dann kontrollieren sollen. Schließlich gibt es nicht einmal einen digitalen Impfpass.

Endlich geimpft! Das dürften sich in den kommenden Wochen immer mehr Leute denken. Endlich ist die Gefahr geringer, sich mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 zu infizieren, das Risiko, schwer an Covid-19 zu erkranken, stark minimiert. Geimpfte scheinen aber auch weniger ansteckend zu sein, sollten sie sich doch infizieren. Darauf basiert der Vorstoß der Bundesregierung, ihnen gewisse Lockerungen der Corona-Maßnahmen zu gewähren – und zwar blitzschnell. Das halten viele allerdings für zu früh, denn es sind noch einige Fragen offen. Größter Kritikpunkt: Es gibt bisher keine fälschungssicheren Impfnachweise – der digitale Impfnachweis, der eigentlich kommen soll, ist noch nicht da. Und wie ist das überhaupt mit Genesenen, denen solche Freiheiten ebenfalls gewährt werden sollen. Wer kontrolliert das alles? Polizei und Co befürchten Tricksereien. Schließlich will jeder seine Freiheiten zurück.

Keine fälschungssicheren Impfnachweise: Wie soll kontrolliert werden?

Ab dem Wochenende sollen Geimpfte und Genesene bereits ein paar ihrer Rechte zurückerhalten, auf die Nichtgeimpfte noch warten müssen. Teils werden sie mit frisch Getesteten gleichgestellt, teilweise werden Einschränkungen aufgehoben. Das ist geplant:

  • Entfallen der Testpflicht vor Friseur-, Geschäfts- oder Zoobesuchen
  • Entfallen der Test- und Quarantänepflicht bei Reisen – es sei denn, die Einreise erfolgt aus einem Covid-Risikogebiet bzw. einem Virusvariantengebiet
  • Aufhebung der Kontaktbeschränkungen zwischen Geimpften und Genesenen und Aufhebung der Ausgangsbeschränkungen

Doch es gibt jede Menge Fragen bezüglich der Nachweise: Geimpfte müssen nachweisen, dass sie den vollen Impfschutz besitzen, also bereits beide Impfungen hinter sich haben und einige Tage seit der zweiten Impfung vergangen sind. Genesene müssen irgendwie nachweisen, dass sie innerhalb der vergangenen sechs Monate erkrankt waren, jetzt wieder negativ sind und genügend Antikörper aufweisen. Während es für letztere noch gar keine Regelungen gibt, gibt es für erstere immerhin den Impfpass bzw. die vom Impfzentrum oder Impfarzt ausgestellte Bescheinigung, die sich als Blankobogen ausdrucken lässt.

Beide aber sind nicht fälschungssicher. Ursprünglich sollte bis zum Start von Lockerungen der digitale Impfpass verfügbar sein, der gegen Fälschungen schützen soll. Doch den gibt es noch nicht. Und Menschen, die kein Smartphone besitzen, könnten ihn sowieso nicht benutzen.

Die Kritik kommt hauptsächlich von denen, die alles kontrollieren sollen: Wie soll das funktionieren?

Fälschungssichere Dokumente fehlen: Tricks drohen

Der digitale Impfausweis soll laut Jens Spahn (CDU) spätestens "Mitte Mai, Anfang Juni" kommen. Das kündigte der Bundesgesundheitsminister am Montag an. Lockerungen aber sollen bereits vorher möglich sein. Der Nachweis: Das Impfzertifikat vom Impfarzt oder dem Impfzentrum – ein DIN-A4-Zettel. Oder der Impfpass, ein gelbes Heftchen mit Unterschrift des Arztes. Beides ohne Wasserzeichen oder andere Sicherheitsmerkmale. Blanko-Impfpässe lassen sich beispielsweise ganz leicht online bestellen und präparieren. Ähnlich dürfte es mit Nachweisen über eine überstandene Covid-19-Erkrankung aussehen.

Passend dazu: Impfpass weg – braucht man den für die Covid-Impfung?

Im Gespräch mit "t-online.de" kritisiert das der stellvertretende Bundesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Jörg Radek, scharf: "Die Menschen werden in ihrem Freiheitsdrang versuchen, zu fälschen oder an ge- oder verfälschte Dokumente heranzukommen."

Hinzu kommt, dass, selbst wenn der digitale Impfass verfügbar ist, nicht jeder auf diesen zurückgreifen werden kann. Nicht jeder besitzt ein Smartphone, gerade ältere Leute sind daher auf fälschungssichere Dokumente angewiesen, um ihren Impfschutz (oder ihre Genese) überhaupt nachweisen zu können.

Das große Problem der Fälschungsgefahr: "Die Leute vertrauen mit ihrem Leben darauf, dass die Dokumente sie korrekt als genesen und geimpft ausweisen. Diesem Vertrauen muss der Gesetzgeber gerecht werden", so Radek.

Ebenfalls kritisch: Der Impfpass ist ein sensibles persönliches Dokument. Wer sein gelbes Heft vorzeigt, gibt dem Kontrollierenden ebenfalls Einblick in andere Gesundheitsdaten. Denn auch andere, vorherige Impfungen sind dort vermerkt.

Impfung nach Covid-19?
Impfung nach Covid-19?

Kontrolle von Ausgangssperren und Co: Wer kontrolliert was?

Die Kontrolle von Impf- und Krankheitsnachweisen liegt, so die bisherigen Pläne, da, wo es relevant ist: Ausgangssperren und Versammlungen kontrollieren Polizei und Ordnungsamt. Beim Shoppen sind die Angestellten im Einzelhandel verantwortlich. Geht es ans Reisen, sollen die Beschäftigten der Airlines kontrollieren, bei Veranstaltungen der Veranstalter bzw. von ihm Angestellte.

Vom Datenschutz abgesehen befürchten viele hier großes Chaos. Alleine wenn sich abends wieder vermehrt Leute treffen, wird es schwer, hier hinterher zu sein. Muss dann jeder nach dem Impfausweis gefragt werden? Ja. Doch Radek schränkt gegenüber "t-online.de" ein: "Wir können das nur stichprobenartig, nicht flächendeckend kontrollieren. Das ist sehr personalintensiv."

Das bedeutet dann übrigens auch, dass jeder zu jeder Zeit seinen Impfpass bzw. den Nachweiszettel bei sich tragen muss. Im besten Fall gibt es dafür also sowohl eine digitale Form als auch eine Papierform – beide fälschungssicher. Bevor das nicht der Fall ist, dürften Probleme vorprogrammiert sein, ist der Konsens der Kritiker.

Wie ansteckend sind Geimpfte, Genesene und Getestete?

Die Entscheidung über Lockerungen für Geimpfte sind noch für diese Woche angestrebt. Man wird sehen, ob der digitale Corona-Immunitätsausweis für Geimpfte & Genesene dann schon bereitsteht und fälschungssicher über Impfung oder überstandene Coronavirus-Infektion Aussage geben kann.

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