05.05.2021 - 10:53

Erste Stadtverwaltung handelt AstraZeneca beim Impftermin ablehnen? Dort wird ein Bußgeld fällig

Trotz hoher Wirksamkeit wollen viele nicht mit AstraZeneca geimpft werden. Wer den Impfstoff gegen Corona in Schweden ablehnt, muss jetzt mit einem Bußgeld rechnen.

Foto: IMAGO / Fotostand

Trotz hoher Wirksamkeit wollen viele nicht mit AstraZeneca geimpft werden. Wer den Impfstoff gegen Corona in Schweden ablehnt, muss jetzt mit einem Bußgeld rechnen.

AstraZeneca ist ein für ältere Personen zugelassener und zuverlässiger Impfstoff gegen Corona. Trotzdem lehnen ihn viele ab. Wer das in Schweden tut, muss mancherorts jetzt ein Bußgeld hinlegen.

Ist der Ruf erst ruiniert... Mit AstraZeneca wollen viele nicht geimpft werden: Zu negativ war die Berichterstattung in den letzten Wochen, zu gering das Vertrauen in das Vakzin, obwohl ihm das Robert-Koch-Institut (RKI) eine Wirksamkeit von bis zu 80 Prozent attestiert. Die Verhinderung einer schweren COVID-19- Erkrankung liegt sogar bei 95 Prozent. Das sogenannte Vaxzevria dennoch ausschlagen? Nix da – zumindest in Schweden: Wer AstraZeneca dort ablehnt, muss 20 Euro Bußgeld bezahlen.

Schweden: 20 Euro Bußgeld, wenn AstraZeneca abgelehnt wird

Wie "Euronews" jetzt mitteilt, mussten in Schweden mehrere ältere Personen ein Bußgeld von umgerechnet etwa 20 Euro bezahlen, weil sie sich nicht mit dem Vakzin von AstraZeneca impfen lassen wollten. So seien im südschwedischen Kalmar einige von ihrem Impftermin einfach wieder gegangen, nachdem sie vor Ort erfahren hätten, dass Vaxzevria für sie bereitstehe. Die Reaktion der Stadtverwaltung daraufhin: Strafe zahlen! Ziel der Bußgelder sei es, allen klarzumachen, dass Impfstoffe nicht verfallen sollen.

Woher kommt die Ablehnung? Weil nach der Impfung mit dem Vakzin von AstraZeneca in seltenen Fällen Hirnvenenthrombosen bei Unter-60-Jährigen aufgetreten waren, wurde es in einigen Ländern vorübergehend ausgesetzt. Nach einer erneuten Prüfung – laut einem Bericht des Paul-Ehrlich-Instituts, das die Nebenwirkungen der Corona-Impfstoffe erfasst, traten solche Sinusvenenthrombosen mit begleitender Thrombozytopenie, also einem akuten Mangel an Blutplättchen, sehr selten nach der Impfung mit AstraZeneca auf, sowohl in Deutschland als auch in anderen europäischen Ländern – kommt es aber wieder zum Einsatz. Auch in Deutschland – allerdings empfiehlt die Stiko (Ständige Impfkommission), die Impfung mit Vaxzevria für Personen ab 60 Jahren zu verwenden. Die schwedischen Gesundheitsbehörden hingegen empfehlen eine Impfung für Über-65-Jährige, in Dänemark und Norwegen werden sie noch immer ausgesetzt.

In diesen Bundesländern ist AstraZeneca auch für Jüngere verfügbar

Das heißt aber nicht, dass sich zumindest in Deutschland nicht auch Personen unter 60 Jahren mit dem AstraZeneca-Vakzin impfen lassen können: Mittlerweile ist der Impfstoff nämlich in einigen Bundesländern für alle Altersgruppen wieder freigegeben. Das gilt in Berlin, Bayern, Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern. Der Vorteil: Weil nach wie vor viele die anderen Impfstoffe bevorzugen, kommen diejenigen, die sich für AstraZeneca entscheiden, häufig schneller zum Zug.

Ganz frisch hinzugekommen ist jetzt auch Brandenburg: Ab sofort können sich dort Unter-60-Jährige in Arztpraxen mit dem AstraZeneca-Wirkstoff gegen das Coronavirus impfen lassen. Wie das Innenministerium laut dem Sender "rbb" am gestrigen Dienstag mitteilte, habe das Brandenburger Impfkabinett diesen Schritt gebilligt.

Auch Experten raten zur Impfung mit Vaxzevria. So erklärte etwa Virologe Christian Drosten neulich im NDR-Podcast: "Die jüngeren Leute im ganzen Land haben sich jetzt in ihrem Leben seit über einem Jahr eingeschränkt, mit Rücksicht auf die Älteren. (...) Wenn über 60-Jährige jetzt sagen: Och, ich nehme doch lieber später Biontech als jetzt eine Astra-Dosis, da muss man wirklich sagen: Dann nimmt man im Juni einem Jüngeren die Impfung weg! Das ist nicht in Ordnung!"

Und auch die Berliner Ärztekammer sandte im April folgenden Appell aus: "Wir möchten alle Berlinerinnen und Berliner über 60 Jahren dringend darum bitten, sich mit dem Impfstoff AstraZeneca impfen zu lassen."

Die seltenen Komplikationen an den Hirnvenen kommen übrigens häufiger bei der Erkrankung selbst vor: Wie häufig treten Hirnvenenthrombosen bei Covid-19 eigentlich auf? Das erfahren Sie hier.

Familie und Leben

Familie und Leben

Alles rund um Haus & Garten, Wissenswertes aus dem Alltagsleben und Ratgeberthemen sehen Sie in den Videos.

Beschreibung anzeigen
Eine Webseite der FUNKE Mediengruppe