04.05.2021 - 10:29

1,4 Milliarden Corona-Impfungen in China: Mit Zuckerbrot und Peitsche

Von der Redaktion

Wie impft man 1,4 Milliarden Menschen? China setzt bei der Corona-Impfung auf Anreize – und Bestrafung. Auch Schüler werden dort bereits gegen das Coronavirus geimpft.

Foto: Getty Images/ Barcroft Media

Wie impft man 1,4 Milliarden Menschen? China setzt bei der Corona-Impfung auf Anreize – und Bestrafung. Auch Schüler werden dort bereits gegen das Coronavirus geimpft.

Man sollte meinen, die Aussicht auf Immunität sei genug. Doch offenbar schaden auch weitere Impfanreize nicht…

Rufen wir uns die Absurdität dessen, was mancherorts gerade geschieht, noch einmal ins Gedächtnis: Seit über einem Jahr kämpft die ganze Welt gegen eine Pandemie. Eine Pandemie, die nicht nur unser privates und öffentliches Leben stark einschränkt, sondern für viele Erkrankte auch tödlich endet oder zumindest schwerwiegende Langzeitfolgen mit sich bringt. Seit Beginn dieser Pandemie hoffen wir auf ein Heilmittel, hoffen wir auf eine Impfung. Jetzt sind die Imfpstoffe da – und plötzlich beschließen einige Menschen, sich nicht mehr impfen lassen zu wollen. Dieses Phänomen ist uns in Deutschland leider bestens bekannt – doch auch in China nehmen es manche Menschen mit der Corona-Impfung nicht so genau. So reagiert die Regierung…

Corona-Impfungen in China: Große regionale Unterschiede

1,4 Milliarden Menschen zählt die Volksrepublik China – sie ist damit das bevölkerungsreichste Land der Erde. Wie die Tagesschau berichtete, plant China, bis Juni 40 Prozent der Bevölkerung geimpft zu haben. Das sind immerhin 560 Millionen Menschen.

Doch die flächendeckende Impfung ist nicht nur wegen der hohen Anzahl an Impfdosen, die benötigt werden, ein Mammutprojekt, sondern auch wegen der großen Unterschiede zwischen den Regionen. Zuerst konzentrierte sich die Volksrepublik bei ihrer Impfstrategie auf Risikogebiete, beispielsweise Grenzregionen, Hafenstädte, Großstädte etc. Tatsächlich geht es in den Metropolregionen mit den Impfungen rasch voran.

Die Impfstoffversorgung in ländlichen Gebieten mit einer weniger gut ausgebauten gesundheitlichen Infrastruktur gestaltet sich jedoch mitunter schwierig. Oft gibt es nicht genügend Impfstoff, die Produktion kommt nicht hinterher. Das liegt auch daran, dass China andere Länder mit den chinesischen Impfstoffen beliefert.

Wie impfwillig ist Chinas Bevölkerung?

Doch neben der Impfstoff-Versorgung hängt der Erfolg der Impfkampagne auch von der Impfwilligkeit der Bevölkerung ab: Durch strikte Maßnahmen hatte China die Corona-Pandemie relativ schnell gut in den Griff bekommen. Das bedeutet aber auch: Aufgrund der niedrigen Infektionszahlen erachten viele die Impfung nicht mehr als ganz so dringend. Zahlreiche Impfskandale hatten in der Vergangenheit außerdem das Vertrauen der Bevölkerung in die chinesische Pharmaindustrie untergraben. So berichtete beispielsweise das Ärzteblatt 2018 über die regelwidrige Produktion von Tollwut-Impfstoffen, die an Hunderttausende Kinder verabreicht wurden.

Um die Bevölkerung dazu zu bewegen, sich dennoch impfen zu lassen, setzt China auf eine Zuckerbrot-und-Peitsche-Strategie. Einerseits droht die Regierung mit Zwangsschließungen von Geschäften oder Restaurants, wenn die Angestellten sich nicht impfen lassen. Andererseits erhalten Impflinge in Peking zusätzliche Impfanreize in Form von Geschenken: Das können Waren wie Eier oder Mehl sein, aber auch Gutscheine für Shopping oder Kino. Auf dem Land sollen mobile Impfautos die Motivation steigern, sich impfen zu lassen.

Auch in den USA setzt man auf zusätzliche Impfanreize: Diese Brauerei lockt Geimpfte mit Freibier!

Wie wirksam sind die chinesischen Impfstoffe?

In China werden bislang ausschließlich Impfstoffe eingesetzt, die aus chinesischer Produktion stammen. Wie wirksam die chinesischen Impfstoffe sind, ist derzeit noch nicht abschließend geklärt. Eine Studie aus Brasilien ergab laut der Süddeutschen Zeitung eine Effektivität von 50,3 Prozent, andere Studien lagen unter diesem Wert. Zwar werden die Vakzine bereits in vielen Ländern eingesetzt, unter anderem nutzt Chile die chinesischen Impfstoffe. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat sie allerdings noch nicht offiziell zugelassen. Um die Zulassung zu erhalten, muss die Wirksamkeit mindestens 50 Prozent betragen.

Auch der russische Impfstoff Sputnik V ist hierzulande noch nicht zugelassen. Trotzdem bieten einige Anbieter bereits Impfreisen nach Russland an.

Sollten die chinesischen Imfpstoffe tatsächlich viel weniger wirksam sein, müssten deutlich mehr Menschen geimpft sein, um Herdenimmunität gegen das Coronavirus zu erreichen. Diese könnte erst nächstes Jahr eintreten, was bedeutet, dass auch die chinesischen Grenzen noch lange geschlossen bleiben könnten.

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