Aktualisiert: 27.04.2021 - 21:19

Rausgeschmissen Wegen Foto mit schwulem TV-Star: Henry darf nicht Priester werden

Von der Redaktion

Im Münchner Priesterseminar St. Johannes der Täufer wollte Henry sich zum Priester ausbilden lassen. Doch ein Foto mit einem schwulen TV-Star beendete seine Laufbahn.

Foto: IMAGO / HRSchulz

Im Münchner Priesterseminar St. Johannes der Täufer wollte Henry sich zum Priester ausbilden lassen. Doch ein Foto mit einem schwulen TV-Star beendete seine Laufbahn.

Ein junger Mann teilte ein Bild mit einem schwulen Fernsehstar – und versetzte seinem Traum, Priester zu werden, damit den Todesstoß.

Stellen Sie sich vor, Sie hätten eine Zukunftsvision, bei der Sie sich sicher sind, dass das der richtige Weg für Sie ist. Sie setzen alles daran, Ihren Plan in die Tat umzusetzen, arbeiten hart, bringen Opfer – und dann zersplittert Ihr Traum von einem Tag auf den anderen in 1000 Scherben. Der Grund dafür mutet denkbar harmlos an: ein Foto mit einem Prominenten. Klingt abwegig? Ist aber die harte Realität: Henry (21) wollte katholischer Priester werden – doch ein Foto mit dem schwulen "Prince Charming"-Star Alex Schäfer machte ihm einen Strich durch die Rechnung.

Priester & "Prince Charming": Foto mit schwulem Star zerstört Zukunftstraum

Henry Frömmichen wusste genau, welches Ziel er im Leben verfolgte: Er wollte katholischer Priester werden. Wie der Bayerische Rundfunk berichtete, zog der 21-Jährige im Herbst 2020 ins Münchner Priesterseminar St. Johannes der Täufer. Dort werden die zukünftigen Priester der Erzdiözese München und Freising ausgebildet.

Doch Henrys Traum währte nicht lange: Im November war er in der Nähe der Münchner Theatinerkirche unterwegs. Dort traf er auf Alex Schäfer, einen schwulen TV-Star, der in der Fernseh-Show "Prince Charming" die Liebe suchte. Henry unterhielt sich mit dem Promi, bat ihn um ein Selfie und lud es auf seinem Instagram-Profil hoch. An sich keine große Sache – doch die Konsequenzen ließen nicht lange auf sich warten.

Rausschmiss wegen Social Media

Am 30. November erhielt er ein Schreiben, das ihn dazu aufforderte, das Priesterseminar zu verlassen. Die offizielle Begründung: "Ihr Umgang mit sozialen Medien lässt erkennen, dass sie derzeit nicht die für eine Ausbildung zum Priester geeigneten Voraussetzungen mitbringen." Ein hartes Urteil – auch, weil doch eigentlich anzunehmen wäre, dass die katholische Kirche in Anbetracht der steigenden Anzahl an Kirchenaustritten und ihres durch die Missbrauchsskandale schwer geschädigten Rufs dankbar für jeden jungen Menschen sein sollte, der das Kirchenleben aktiv mitgestalten möchte.

Beim Austrittsgespräch unterstellte ihm der Leiter des Münchner Priesterseminars, er habe mit dem Instagram-Post Propaganda für die schwule Dating-Show machen wollen. Dabei wollte der Ex-Priesterseminarist laut eigener Aussage lediglich zeigen, dass er als angehender Priester keine Scheu habe, offen über das Thema zu sprechen. Tatsächlich hatte er, bevor er die Entscheidung traf, Priester zu werden, selbst eine langjährige Beziehung mit einem Mann gehabt – ein Umstand, den er beim Aufnahmegespräch dem Leiter des Priesterseminars gegenüber wohlweislich unerwähnt ließ.

"Sexualität darf nicht dauernd im Vordergrund stehen"

Offiziell verbietet es die katholische Kirche, homosexuelle Männer zu Priestern auszubilden. Das forderte Joseph Ratzinger während seiner Amtszeit als Papst Benedikt XVI. Die Begründung: Homosexuelle seien in einer Situation, "die sie in schwerwiegender Weise daran hindert, korrekte Beziehungen zu Männern und Frauen aufzubauen".

Der Leiter des Münchner Priesterseminars, Regens Wolfgang Lehner, stellt die Aufnahmebedingungen anders dar. Ihm zufolge können Homosexuelle sehr wohl Priester werden – "wenn jemand homosexuell geprägt ist, es aber schafft, unaufgeregt ein gesundes Beziehungsgefüge zu Männern und zu Frauen zu entwickeln, wenn also dieses Thema der Sexualität nicht dauernd im Vordergrund steht". Was auch immer das heißen mag.

Zum Fall von Henry Frömmichen wollte sich laut BR weder der Regens noch die Pressestelle des Erzbistums München und Freising äußern.

Henrys Kampf für die Kirche

Das, was ihm passiert ist, zeigt für Henry Frömmichen die Doppelmoral der katholischen Kirche auf, wenn es um Homosexualität geht. Solange nicht darüber gesprochen werde, sei "alles in Ordnung". Gerate aber irgendetwas an die Öffentlichkeit, werde man "abgesägt". Mehrere Monate lang bewahrte er Stillschweigen darüber, was ihm passiert war. Doch als sich der Vatikan im März erneut gegen die Segnung homosexueller Paare aussprach, entschied er sich dafür, mit seiner Geschichte an die Öffentlichkeit zu gehen.

In der Kirche ist Henry Frömmichen übrigens nach wie vor Mitglied, trotz seiner gescheiterten Priester-Karriere. Sein neuer Plan: "Schauen, wie ich für meine Kirche kämpfen kann."

Berichte wie dieser mögen mitverantwortlich dafür sein, dass sich immer mehr Menschen von der Kirche abwenden und diese als nicht mehr zeitgemäß erachten. Erst neulich forderten die Jungen Liberalen eine Reform des Verhältnisses von Staat und Religion.

In den Genuss einer Bibel-Nachhilfestunde kam hingegen eine Gruppe von Querdenkern: Ein Polizist erklärte ihnen das Prinzip der Nächstenliebe.

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