Aktualisiert: 24.04.2021 - 18:02

Was der Ex alles angeben muss Familienrecht, Teil 12: Scheidung? So wird der Unterhalt berechnet

Teil 12 unserer Familienrecht-Serie befasst sich damit, wieviel Unterhalt der Mann bei einer Scheidung an die Exfrau zahlen und was er für die Berechnung angeben muss.

Foto: Getty Images / Ilya Burdun

Teil 12 unserer Familienrecht-Serie befasst sich damit, wieviel Unterhalt der Mann bei einer Scheidung an die Exfrau zahlen und was er für die Berechnung angeben muss.

Meist sind es Männer, die nach der Scheidung zur Unterhaltszahlung an ihre Exfrau verpflichtet sind. Was müssen sie dabei alles angeben? Und was, wenn sie die Auskunft verweigern? Das erfahren Sie in Teil 12 unserer Familienrecht-Serie.

Trennt sich ein Ehepaar, ist es meist der Mann, der nach der Scheidung für seine Exfrau in Form von Unterhalt aufkommen muss. Warum meist der Mann? Weil er in der Regel mehr verdient – ist die Frau beim gemeinsamen Nachwuchs zu Hause geblieben, sowieso. Da ist es ja nur fair, dass es beim Eheaus zu einem finanziellen Ausgleich kommt, zumindest halbwegs.

Oft einigen sich die einstigen Paare aber nicht gütlich, so dass eine Anwältin oder ein Anwalt eingreifen muss: Was muss der Mann alles angeben, was die Zahlungen betrifft? Was, wenn er einfach keine Auskunft geben will? Das Familienrecht regelt auch diesen Sachverhalt: Da den Überblick zu behalten und alles zu verstehen, ist allerdings nicht einfach. Genau deswegen haben wir eine Rechtsanwältin um Rat gefragt, die sich bestens damit auskennt. Anette Führing ist Fachanwältin für Familienrecht und spricht mit BILD der FRAU über das Thema – im heutigen 12. Teil der Familienrechtserie geht's um wichtige Fragen und Antworten rund um die notwendigen Auskünfte für die Unterhaltsberechnung.

Familienrecht, Teil 12: Unterhaltsberechnung – das muss der Ex angeben

Das Familienrecht regelt unter anderem die Rechtsverhältnisse der durch Ehe, Lebenspartnerschaft, Familie und Verwandtschaft miteinander verbundenen Personen. Anette Führing weiß, dass vor dem Familiengericht häufig Entscheidungen getroffen werden, die für Frauen, die von einer Trennung betroffen sind, weitreichende Folgen haben können.

Häufige Fragen, vor allem von Frauen, rund um die Berechnung des Unterhalts und was dafür angegeben werden muss sowie die Antworten darauf hat die Fachanwältin für BILD der FRAU aufgelistet.

  1. Ich habe mich von meinem Mann getrennt und möchte klären, wie viel Unterhalt mir zusteht. Ich habe keine genauen Kenntnisse über das Nettoeinkommen meines Mannes. Er verweigert mir die Auskunft. Was kann ich tun?


    Sie haben gegenüber Ihrem Ehemann einen Anspruch auf Auskunft über seine laufenden Einkommensverhältnisse. Wenn er freiwillig keine Auskunft erteilt, haben Sie einen Anspruch auf Beschaffung der nötigen Kenntnisse über die wirtschaftlichen Verhältnisse, damit sie Ihren Unterhaltsanspruch berechnen können.

  2. Wie mache ich diesen Anspruch geltend?


    Zunächst fordern Sie Ihren Noch-Ehemann auf, eine in sich geschlossene Zusammenstellung über die laufenden Einkünfte vorzulegen, die es Ihnen ermöglicht, ohne übermäßigen Arbeitsaufwand die Höhe ihres Unterhaltsanspruchs zu berechnen.

  3. Was heißt denn geschlossene Aufstellung?


    Ihr Ehemann darf Ihnen keine lose Blattsammlung über seinen monatlichen Verdienst vorlegen. Auch müssen Sie nicht akzeptieren, dass er Ihnen eine "Zettelwirtschaft" in mehreren Schreiben übersendet. Sie haben einen Anspruch darauf, dass er bei einer Angestelltentätigkeit oder ähnlichem die Verdienstbescheinigung der letzten zwölf Monate vorlegt.

  4. Wie werden Überstunden berücksichtigt?


    Auch die Vergütung für Überstunden ist für den Unterhaltspflichtigen Einkommen. Oft kommt das Gegenargument, dass diese nicht zumutbar waren. Hier muss man im Einzelnen schauen, in welchem Umfang die Mehrarbeit anfällt.

  5. Wie wird Urlaubsgeld berücksichtigt?


    Urlaubsgeld ist für den Unterhaltspflichtigen Einkommen und muss ebenfalls auch bei der Berechnung des durchschnittlichen monatlichen Einkommens angerechnet werden. Dies gilt auch für die sogenannte Urlaubsabgeltung, die am Ende eines Arbeitsverhältnisses gezahlt wird.

  6. Mein Mann hat ein Firmenfahrzeug, das wir privat für unseren Haushalt nutzen können – wie wird dieses berücksichtigt?


    Das Fahrzeug ist eine Sachzuwendung des Arbeitgebers an Ihren Ehemann zur privaten Nutzung und damit ein Einkommensbestandteil. Damit hat Ihr Ehemann den Betrag für die Kosten der Anschaffung und Unterhaltung erspart.
    Meine Erfahrung ist, dass die Ehemänner gerade diese Sachzuwendung sehr sportlich sehen und versuchen zu erklären, dass der Arbeitgeber ihnen hier ein teureres Auto aufgedrückt hat, als sie es selbst finanzieren würden.

  7. Kann er dann keine Fahrtkosten abziehen?


    Das ist tatsächlich so: Einen Betrag für übermäßige Fahrtkosten zwischen den zwischen der Wohnung und dem Arbeitsplatz kann er nicht abziehen.

  8. Was kann er denn noch für Beträge von seinem Nettoeinkommen absetzen?


    Er könnte Kosten für eine zusätzliche Krankenversicherung, die er neben der gesetzlichen Krankenversicherung unterhält, oder die Kosten für eine zusätzliche Altersvorsorge als Ausgabe absetzen.

  9. Er muss mir zum Ausgleich des Zugewinns eine Summe von 20.000 Euro zahlen und hat dafür einen Kredit aufgenommen. Kann er die Kreditraten absetzen?


    Kreditraten zur Finanzierung dieser Forderung kann er nicht von seinem anrechenbaren Einkommen absetzen, da Sie sonst Ihre eigene Ausgleichsforderung über den Unterhalt mitfinanzieren würden. Ihr Unterhalt würde sich entsprechend reduzieren. Dies ist nicht zulässig.

  10. Was kann ich tun, wenn er mir trotz der Aufforderung keine Belege übersendet?


    Sie können eine sogenannte Auskunftsklage einreichen. Diese wird in der Trennungszeit mit dem sogenannten Stufenantrag kombiniert. Das hat den Vorteil, dass Sie nach der Auskunft in dem gerichtlichen Verfahren den Unterhalt ohne weitere Verzögerung beziffern können.


Mehr über unsere Familienrechtsexpertin erfahren Sie auf ra-fuehring.de, der Webseite von Anette Führing.

Auch in diesen Teilen der Serie rund ums Familienrecht geht es ums liebe Geld:

→ Hier lesen Sie den ersten Teil rund ums Familienrecht – was Frauen bei einer Trennung zusteht.

→ Weiter geht's mit dem Familienrecht: Was Frauen bei Trennung zusteht, Teil 2.

→ Stichpunkt Zugewinn: Darum geht es in Familienrecht Teil 7.

Familienrecht, Teil 10: Wie viel & wie lange bekomme ich Geld von meinem Exmann?

→ Wie es mit Kreditverbindlichkeiten von Eheleuten aussieht, lesen Sie in Familienrecht Teil 11.

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